Neue Forschungen Opfer von Pompeji trugen dicke Wollkleidung. Was das über die Katastrophe verrät

Menschen feiern und trinken
Die bunten Wandgemälde in Pompeji geben Einblicke in die Kleidung der Menschen – und ihren Humor: Diese Dinnerparty scheint nicht jedem zu bekommen, muss sich doch einer der Gäste übergeben (rechts)
© Carlo Bollo / Alamy Stock Photos / mauritius images
Forschende haben Stoffreste von Menschen untersucht, die beim Ausbruch des Vesuvs im antiken Pompeji umgekommen sind. Ihr Ergebnis ist eine Überraschung

Es ist eine der großen Forschungsfragen zum Untergang von Pompeji: An welchem Tag brach der Vesuv aus und begrub die Stadt unter Lavamassen und Gestein? Am 24. August? Oder später, etwa am 24. Oktober? Sicher ist bislang nur das Jahr: 79 n. Chr.

Neue Untersuchungen heizen die Debatte nun weiter an. Ein Forschungsteam der Universität Valencia hat Gewebereste an 14 Gipsabdrücken von Opfern der Vulkankatastrophe analysiert. Ihre Körper waren nach dem Ausbruch des Vesuvs unter der ausgehärteten Asche verwest und hinterließen Hohlräume. Im Jahr 1863 begannen Forschende bei ihren Ausgrabungen, Gips in diese Lücken hineinzugießen und erschufen so Abgüsse jener Frauen, Männer und Kinder, die bis heute die Gesichter der Katastrophe sind.

Menschen in Pompeji trugen Tunika und Mantel aus Wolle

Die Untersuchung der Gipsabdrücke ergab: Die meisten Opfer trugen zwei Kleidungsstücke aus Wolle – eine Tunika und einen Mantel. Die Menschen, die innerhalb ihrer Häuser starben, hatten die gleiche Kleidung am Leib wie jene, die auf den Straßen unterwegs waren. Auch die Webart der Stoffe haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Llorenç Alapont, Professor für Alte Geschichte in Valencia, analysiert: Demnach trugen vier der 14 Personen schwere Wolle. 

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Diese Ergebnisse werfen neue Fragen auf: Wenn der Vesuv am 24. August ausbrach, wieso zogen sich die Menschen in Pompeji dann – mitten im Sommer – so dick an? "Wir wissen nicht, ob diese Kleidung speziell zum Schutz vor den Gasen oder vor der durch den Vulkanausbruch verursachten Hitze gedacht war", schreibt Alapont. 

Eine andere Erklärung wäre, dass der Vesuv doch später ausgebrochen sein könnte. Der 24. August geht auf einen Brief von Plinius dem Jüngeren zurück, die wichtigste Textquelle zum Vulkanausbruch. Er hatte die Katastrophe in der Stadt Misenum, gut 25 Kilometer vom Vesuv entfernt, miterlebt. Allerdings schrieb Plinius diesen Brief gut 25 Jahre danach – und erst Jahrhunderte später, im Mittelalter, wurde sein Schreiben vervielfältigt. Auch deshalb zweifeln manche Forschende an den Angaben darin. 

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© Video: GEO

2018 wurde in Pompeji an einer Hauswand ein Datum mit dem Vermerk "XVI K Nov" gefunden – gemeint ist der 17. Oktober. Handwerker hatten das Datum bei Renovierungsarbeiten auf die Wand gemalt – möglicherweise kurz vor dem Vulkanausbruch. Rückstände von Herbstfrüchten wie Walnüssen weisen ebenfalls eher auf einen späteren Ausbruch hin als den 24. August.

Endgültig geklärt ist der Tag des Ausbruchs aber auch nach der neuen Untersuchung aus Valencia nicht.

mop

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