Kunstschätze Luxusgeschenke der Zaren: Die Geschichte der Fabergé-Eier

Das Krönungs-Fabergé-Ei von 18987 mit Miniatur-Kutsche
Fabergés Krönungs-Ei: Das Osterei von 1897 enthält eine goldene Kutsche, die exakte Nachbildung des kaiserlichen Gefährts bei der Krönung Zar Nikolaus II. im Jahr zuvor – und Geschenk an seine Ehefrau Alexandra Fjodorowna
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Einst verschenkten russische Zaren sie zu Ostern: Fabergé-Eier sind rare Kostbarkeiten. Ihre Geschichte reicht bis ins 19. Jahrhundert – und manche gelten heute als verschollen

Schneeflocken und Eisblumen aus mehr als tausend Diamanten schmücken den rund 14 Zentimeter großen ovalen Bergeiskristall. Im Inneren des Schmuckstücks versteckt sich eine Überraschung: ein Platinkorb mit Buschwindröschen aus Quarz, Gold und weiteren Diamanten. Bei dem Kunstobjekt handelt es sich um ein echtes kaiserliches Fabergé-Ei. 

2025 versteigerte das Auktionshaus Christie's jenes Winter-Ei für rund 22,9 Millionen Pfund, ungefähr 26 Millionen Euro – ein Rekord. Wertvoll, selten und extravagant: Seit mehr als einem Jahrhundert sind die Fabergé-Eier Raritäten auf dem globalen Kunstmarkt. Doch woher stammen die Schmuckstücke? 

Haus Fabergé: Ein Goldschmied aus St. Petersburg

Mitte des 18. Jahrhunderts eröffnete der Goldschmied Gustav Fabergé in St. Petersburg ein eigenes Juweliergeschäft. Um im überwiegend katholischen Frankreich der religiösen Verfolgung zu entgehen, waren seine hugenottischen Vorfahren ins Russische Reich geflohen. Vater Gustav Fabergé schickte seinen ältesten Sohn Carl Peter in die Schmuckschmieden Europas, damit dieser die bestmögliche Ausbildung erhielt. Steinfassen, gravieren, schweißen und ziselieren, die Kniffe des Handwerks lernte Carl Peter Fabergé unter anderem in Paris, London und Frankfurt am Main. 

Als er nach St. Petersburg zurückkehrte, stieg er in den Schmuckbetrieb des Vaters ein. Schließlich übernahm er die Leitung der Firma; später stieß sein jüngerer Bruder Agathon als talentierter Designer dazu. Die Brüder Fabergé brachten frischen Wind in die Werkstatt und das Ladengeschäft. Gemeinsam mit ihren Angestellten kreierten sie innovative Stücke: Ketten, Uhren, Zigarettenetuis, Tierskulpturen, Schatullen und Bilderrahmen, die bis heute die Menschen begeistern. 

Peter Carl Fabergé
Peter Carl Fabergé wurde 1846 als ältester Sohn von Gustav Fabergé in St. Peterburg geboren. Wenige Jahre vor seiner Geburt hatte sein Vater ein Juweliergeschäft eröffnet, das Peter Carl später gemeinsam mit seinem Bruder übernahm. Ihre Arbeiten aus Gold, Silber und Edelsteinen machten das Haus Fabergé weltberühmt 
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1882 präsentierte das Haus Fabergé einige seiner Kunstwerke auf der Allrussischen Industrie- und Handwerksausstellung in Moskau. Die Kreationen aus dem Hause Fabergé fesselten die Besuchenden, darunter auch das frisch gekrönte Zarenpaar Alexander III. und Maria Fjodorowna. Sie waren derart beeindruckt, dass sie den Juwelier aus St. Petersburg mit der Restaurierung der Kostbarkeiten aus der Eremitage, der Kunstsammlung des Zaren, beauftragten. Diese Arbeit bewältigten die Fabergés so eindrücklich, dass sie wenig später einen weiteren kaiserlichen Auftrag erhielten. 

Eine Henne im Ei

Im Russischen Reich war Ostern die wohl religiös bedeutsamste Zeit des Jahres: Als Zeichen des Neubeginns beschenkten sich die Gläubigen mit Eiern. Das Symbol für das Erwachen neuen Lebens gab es in unterschiedlichsten Varianten: große, kleine, bunte Hühner-Eier oder Holz-Eier – je wohlhabender die Schenkenden, desto aufwendiger und kostbarer waren die Materialien. An diesem Brauch erfreuten sich Arme und Reiche, Bauern und Bürger und auch die Herrschenden: Die Zarenfamilie Romanow, deren Mitglieder seit 1613 über das Russische Reich regierten. 

1885 suchte Zar Alexander III. ein außergewöhnliches Ostergeschenk für seine Gemahlin. Es sollte ein besonderer Liebesbeweis zum Jahrestag ihrer Verlobung sein. Dem russischen Herrscher strebte etwas Kostbares, Exquisites und Einzigartiges für die Zarin vor, gefertigt von einem meisterhaften Goldschmied, einem wahren Künstler. Deshalb beauftragte er den Juwelier aus St. Petersburg. 

Das "Erste Hennen-Ei" von Haus Fabergé
1885 entwerfen die Fabergé-Goldschmiede das "Erste Hennen-Ei": ein weißes Ei aus Gold. Es birgt nicht nur eine Überraschung: eine goldene Kugel, die sich öffnen lässt. Darin liegt eine goldene Henne, mit Augen aus Rubinen. In dieser wiederum befanden sich ursprünglich eine goldene Miniaturkrone, eine Goldkette und ein Rubin-Anhänger, die heute verschollen sind 
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Wenige Tage vor Ostern vollendeten die Goldschmiede in St. Petersburg das Schmuckwerk für die Zarin. Gemeinsam mit einem Brief ließ der jüngere Bruder des Zaren, Großfürst Wladimir Romanow, der die Arbeiten beaufsichtigt hatte, das fertige Geschenk zum Zaren bringen. Er staunte er nicht schlecht, als er sich das Geschenk für seine Frau ansah: "Lieber Wladimir, ich bin dir sehr dankbar für die Mühe, die du dir mit der Bestellung gemacht hast, und für die Ausführung, die nicht besser hätte sein können: Die Verarbeitung ist wirklich sehr fein und exquisit", schrieb er in einem Antwortbrief an seinen Bruder. Er "hoffe sehr, dass das Ei die gewünschte Wirkung auf seine zukünftige Besitzerin haben wird".

Am Ostersonntag, fand die russische Zarin das "Erste Hennen-Ei": äußerlich ein schlicht wirkendes, weiß emailliertes Ei aus Gold. Im ersten Fabergé-Ei verbarg sich eine goldene Kugel, die sich öffnen ließ und eine goldene Henne mit Augen aus kleinen Rubinen enthüllte. Doch damit nicht genug: Im Inneren der Henne kamen eine Miniatur-Nachbildung der Kaiserkrone aus Gold und Diamanten sowie eine Goldkette mit Rubin-Anhänger zum Vorschein. Die Zarin war hocherfreut über das Geschenk. 

Ein Gruppenporträt der Zarenfamilie Romanow
Die russische Zarenfamilie Ende des 19. Jahrhunderts: Zar Alexander III. (Mitte), seine Frau Maria Fjodorowna und ihre Kinder. Hinter seinem Vater steht Thronfolger Nikolaus (später Nikolaus II.). Er führt die Tradition der Fabergé-Eier fort 
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Hofjuwelier des Zaren: Die Ära der Luxus-Eier 

Umgehend verlieh Alexander III. der Goldschmiedewerkstatt aus St. Petersburg den Titel Hofjuwelier. Auch zum folgenden Osterfest kreierte das Haus Fabergé ein Schmuck-Ei: Darin verbarg sich ein goldenes Huhn mit einem Diamantenkorb im Schnabel, in dem ein eiförmiger Saphir-Anhänger lag. Die Zarenfamilie machte die kostbaren Eier zu ihrer Tradition. Jedes Jahr zu Ostern schenkte Alexander III. seiner Frau die neueste Kreation der Fabergés: Einmal fertigten sie ein Ei, in dem sich eine Uhr verbarg, im nächsten Jahr ein Exemplar mit dem Miniaturmodell eines russischen Marineschiffs aus Gold und Diamanten. Meistens arbeiteten die Fabergé-Juweliere das ganze Jahr an einem solchen Werk. Bis zum Tod des Zaren 1894 umfasste die Sammlung bereits mehr als zehn der wertvollen Eier. 

Das Winter-Ei
Der Winter-Ei gilt heute als eines der teuersten jemals versteigerten Werke aus dem Haus Fabergé. 1913 sollte es das 300-jährige Bestehen der Romanow-Dynastie feiern. 2025 erzielte es beim Auktionshaus Christie's einen Preis von rund 22,9 Millionen Pfund, das entspricht ungefähr 26 Millionen Euro
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Sohn Nikolaus folgte dem Vater auf den Thron. Als neues Familienoberhaupt der Romanows führte Nikolaus II. die Ostertradition fort: Er schenkte seiner Ehefrau Alexandra Fjodorowna und seiner Mutter jeweils eines der Luxuseier. Fabergé fertigte ab 1895 also jährlich zwei der Kunstwerke für die Frauen des Hofs. Die Goldschmiede übertrafen sich dabei immer wieder selbst: 1897 schufen sie das goldene Krönungsei, in dem sich eine goldene, mit Diamanten und Rubinen besetzte Miniaturkutsche befindet. 1900 widmeten sie eines der Schmuckstücke der Transsibirischen Eisenbahn; in dem Ei befand sich ein Miniaturzug mit fünf Wagen. 1908 formten die Goldschmiede ein transparentes Ei aus Bergkristall, in dessen Innerem ein goldener Pfau auf einem Ast sitzt. Das Schmucktier kann sogar aufgezogen werden, dann bewegt es seinen Kopf und spreizt sein Schwanzgefieder. 

Zunächst hielt die Zarenfamilie die Eier unter Verschluss. Erstmals öffentlich konnten die Menschen einige der Schmuckeier bei der Weltausstellung in Paris im Jahr 1900 betrachten. Wenig später stellte ein russischer Großfürst Stücke aus der Privatsammlung von Maria Fjodorowna in seiner Residenz in St. Petersburg aus. Vor allem Angehörige russischer Adelshäuser bewunderten die Preziosen. 

Vitrine mit Fabergé-Eiern
Anfang des 20. Jahrhunderts wurden einige Fabergé-Eier aus der Sammlung der Zarenfamilie erstmals öffentlich ausgestellt. Bei einer Präsentation in der Residenz eines russischen Barons 1902 stehen die Kostbarkeiten geschützt in einer Vitrine 
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Für die Goldschmiede des Hauses Fabergé lohnte sich das Geschäft. Die meisterhaften, feinen Arbeiten aus Gold und Edelsteinen machten das Haus Fabergé berühmt. Wer es sich leisten konnte, gab ähnliche Kunstwerke in Auftrag. Fabergé fertigte unter anderem regelmäßig Schmuckstücke für die Königshäuser in Schweden, Norwegen und Siam. In Moskau, London, Odessa und in Kiew eröffneten Fabergé-Filialen. 

Zerstört, verschollen und wiederentdeckt 

Rund drei Jahrzehnte hielt die Ostertradition der Zarenfamilie. 1917 fand sie abrupt ein Ende. Die beiden Kunstwerke, die Zar Nikolaus II. in jenem Jahr für seine Mutter und seine Ehefrau anfertigen ließ, blieben unvollendet. Denn noch vor Ostern 1917 hatten Revolutionäre den Zaren entmachtet, offiziell dankte er im März 1917 ab. Die Mitglieder der Romanow-Familie wurden gefangen genommen und schließlich ermordet. Im Oktober 1917 übernahm Wladimir Iljitsch Lenin, der Führer der Bolschewiki, die Macht und ließ das Eigentum der Romanows konfiszieren, so auch die Fabergé-Eier. 

Auch Geschäfte der Fabergés wurden enteignet, zerschlagen und verstaatlicht. Die Familie floh ins Ausland. In dem Bericht einer Behörde über einen geplünderten Fabergé-Besitz heißt es 1919: "Dies wundervolle Haus wurde vollständig zerstört. (…) Tatsächlich ist nichts mehr übrig: Absolut alles wurde mitgenommen." 

Josef Stalins Personalausweis für die Akten der Geheimpolizei in Petersburg 1913

Der junge Stalin Vom Aufstieg eines Gangsters

Iossif Wissarionowitsch Dschugaschwili, der spätere Stalin, organisiert im Zarenreich Mord, Brandstiftung und Erpressung – für seine revolutionäre Partei

Lenin ließ die Schmuckeier in den Kreml bringen und dort gemeinsam mit anderen Kunstschätzen bewachen. Doch einige Eier aus der Zarensammlung waren während der Revolution versteckt oder ins Ausland gebracht worden. 

1927 entschied Lenins Nachfolger Josef Stalin, einen Teil der Hofschätze, darunter auch den kostbaren Osterschmuck, zu verkaufen, denn die Sowjetunion benötigte dringend Devisen. So gelangten in den darauffolgenden Jahren vermutlich mehr als ein Dutzend Fabergé-Eier in den Besitz von US-Unternehmern, britischen Galeristen und anderen internationalen Sammlern. 

Wie viele der Eier die Sammlung der Romanows vor der Revolution genau umfasste, lässt sich heute nur schätzen. Ungefähr 50 Exemplare sind bekannt. Rund 20 ehemals kaiserliche Fabergé-Eier konnten in unterschiedlichen privaten Sammlungen und Museen weltweit identifiziert werden. 

Russischen Kronjuwelen (auch Fabergé-Eier) 1920er-Jahre
Die Schätze der Zaren: Ende der 1920er-Jahre begutachten Experten den Wert der Kronjuwelen und anderer Schmuckstücke der Zarenfamilie. Sie wurden während der Russischen Revolution 1917 beschlagnahmt
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Aktuell befinden sich noch mehr als zehn der Stücke in Russland, einige im Moskauer Kreml, einige in der Eremitage oder im Fabergé-Museum in St. Petersburg. Dort liegt auch das erste Fabergé-Ei, das "Hennen-Ei", dessen Goldkette mit Rubin-Anhänger jedoch vermutlich in den Wirren der Russischen Revolution verloren ging. Sieben Fabergé-Eier der Zarenfamilie gelten heute als verschollen, darunter das "Hennen-Ei mit Saphir-Anhänger" von 1886, das "Cherub mit Wagen"-Ei von 1888, das "Nécessaire"-Ei von 1889 und das "Dänische Jubiläums-Ei" von 1903.

Zuletzt entdeckte ein Schrotthändler das verschollen geglaubte goldene "Uhren-Ei" wieder, im März 2014 identifizierte ein Londoner Juwelier es als echt – damals eine wahre Osterüberraschung.

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