Erst regneten Lavasteinchen vom Himmel, dann kam eine tödliche Hitzewelle: Im Jahr 79 n. Chr. brach der Vesuv aus und begrub das antike Pompeji unter sich. Dabei prasselten zunächst kleine, geronnene Lavasteinchen, Lapilli, auf die Stadt nieder – fast 20 Stunden lang.
Anschließend trafen mehrere pyroklastische Wellen aus Asche und Gasen Pompeji: Diese 300 bis 400 Grad heißen Wellen rasten mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde auf die Stadt zu – und brachten sämtlichen Menschen den Tod, die sich noch in ihr befanden. Sie erstickten oder erlitten einen Hitzeschock.
In Pompeji wird der gleiche Gips verwendet, den auch Zahnärzte nutzen
Die Körper der Vulkanopfer verwesten unter der ausgehärteten Ascheschicht. Zurück blieben Hohlräume. 1863, fast 1800 Jahre nach dem verheerenden Vesuvausbruch, füllte der Archäologe Guiseppe Fiorelli Gips in die Hohlräume und schuf so die ersten Abgüsse jener Menschen, die in Pompeji ums Leben gekommen waren. Seither haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler rund 100 Gipsabgüsse produziert. Allerdings können sie nicht von jedem Opfer des Vulkanausbruchs einen Abdruck erstellen, sondern nur von denjenigen, die von einer pyroklastischen Welle erfasst und vollständig in der Ascheschicht eingeschlossen wurden.
Dabei hat sich die Abgusstechnik seit dem 19. Jahrhundert verändert: Moderner Gips enthält weniger Wasser und macht Details wie Gesichtsausdrücke und Kleidung deutlicher sichtbar. "Heute verwenden wir für die Abdrücke den gleichen Gips wie Zahnärzte", sagt die Archäologin Tiziana Rocco. Sie ist Co-Kuratorin einer neuen Dauerausstellung in Pompeji zur Geschichte der Gipsabdrücke.
Bislang haben Forschende in den Überresten der antiken Stadt rund 1300 Opfer des Vesuvausbruchs gefunden. Die genaue Zahl ist jedoch nicht bekannt, da bei frühen Ausgrabungen Skelettreste nicht sorgfältig dokumentiert wurden.