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Psychologie Warum Großzügigkeit uns Menschen guttut

Eine Frau lächelt aus Dankbarkeit und Erleichterung
Das Gehirn belohnt Großzügigkeit mit Glücksgefühlen
© fizkes - Adobe Stock
Wer anderen etwas Gutes tut, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten, tut auch sich selbst damit einen Gefallen. Die Forschung zeigt, wie positiv sich der Einsatz für andere auf uns selbst auswirkt

Das Leben ist ein Nehmen und Geben, heißt es. Ganz ausgewogen ist dieses Verhältnis aber nicht: Manche Menschen sind deutlich großzügiger als andere – und damit zufriedener. Denn anderen Menschen vorbehaltlos eine Freude zu bereiten, macht auch uns selbst glücklich. Verhaltensökonomen bezeichnen dieses Phänomen als "warm glow".

Dabei geht es keineswegs nur um finanzielle Großzügigkeit, sondern auch und vor allem darum, anderen unterstützend zur Seite zu stehen. Wer sich selbst zugunsten anderer zurückstellt, für andere Kosten auf sich nimmt und dafür keine Gegenleistung erwartet, handelt prosozial.

"Diese Kosten können etwa körperliche Ressourcen betreffen, die wir investieren, um jemandem beim Umzug zu helfen. Oder Zeit, die wir einbringen, zum Beispiel, um einen Freund zu trösten. Aber auch materielle Dinge, die wir teilen, zählen dazu", sagt Anne Böckler-Raettig, Psychologieprofessorin an der Universität Würzburg.

Das muss jedoch nicht heißen, dass dabei gar keine eigennützigen Motive eine Rolle spielen. Wer regelmäßig für die Nachbarn die Hecke schneidet, tut das vermutlich in erster Linie, um diesen behilflich zu sein und ihnen eine Freude zu machen. Vielleicht schwingt aber auch die Erwartung mit, dafür auf der Nachbarschafts-Beliebtheitsskala nach oben zu klettern. Schließlich ist es sozial erwünscht, sich für die Gemeinschaft einzusetzen.

Altruismus als Teil der menschlichen Entwicklungsgeschichte

Tatsächlich erwies sich großzügiges Verhalten im Laufe der Evolution als wichtiger Faktor für die menschliche Entwicklungsgeschichte. So fanden Forscherinnen und Forscher der Universitäten Zürich und Erfurt heraus, dass Uneigennützigkeit und Kooperation entscheidende Errungenschaften waren: Je großzügiger sich die einzelnen Mitglieder einer Gruppe untereinander verhielten, desto größer war der Überlebensvorteil der Gemeinschaft.

Aus diesem Blickwinkel betrachtet, ließe sich auch das Phänomen erklären, warum wir gegenüber nahestehenden Personen freigiebiger sind als gegenüber Menschen, die uns unbekannt sind. Selbstaufopferung nutzt nicht dem einzelnen Individuum, dafür aber der Gruppe im Ganzen.

Unser Gehirn belohnt Großzügigkeit mit Glücksgefühlen

Auch gesundheitlich hat das Geben einen positiven Einfluss auf unseren Körper. So haben Forschende um die Psychologin und Psychiaterin Stephanie L. Brown von der University of Michigan herausgefunden, dass selbstloses Handeln die psychische Gesundheit verbessert und sogar die Lebenserwartung erhöhen kann.

Auch die Hirnstruktur scheint auf den Grad unserer Selbstlosigkeit zu wirken, großzügiges Verhalten und Glücksgefühle sind in unserem Gehirn miteinander verknüpft. Forschende vom Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Zürich fanden im Rahmen einer Studie heraus, dass die Menge an grauer Substanz an einer bestimmten Stelle im Gehirn Auswirkungen darauf hat, wie selbstlos wir uns gegenüber anderen verhalten. Die gleiche Hirnregion scheint zuständig für die Verarbeitung von Mitgefühl zu sein.

Mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen, dass Handlungen wie Schenken oder Spenden im Gehirn Glücksgefühle auslösen. Interessanterweise machte das Geben den Forschenden zufolge sogar glücklicher als die Selbstbelohnung – entgegen der landläufigen Meinung.

"Wenn man Menschen fragt, glauben die meisten, dass das Glückgefühl größer ist, wenn man Geld für sich selbst ausgibt. Im Alltag unterschätzen die meisten Menschen demnach die Verbindung zwischen Großzügigkeit und Glück – und übersehen damit die Vorteile des prosozialen Gebens", so die Studienautorin Park und ihre Kollegen.

Das sollten wir uns alle zum Anlass nehmen, ab und zu anderen etwas Gutes zu tun. Es ist nämlich ganz einfach: Es macht uns glücklich.


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