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Glücksforschung Neue Studie zeigt, in welchem Alter wir am zufriedensten sind

Mann sitzt im Stuhl und bewundert den Sonnenuntergang am Meer
Im Rahmen einer Studie wurden 17.000 Menschen zwischen 50 und 80 Jahren befragt
© kite_rin - Adobe Stock
Ob Kind, Erwachsener oder Rentner – für jede Lebensphase schwingen gewisse Stereotypen mit: Kinder seien unbeschwert, Erwachsene hätten Geld und Freiheit und Rentner jede Menge Zeit für Hobbys. Bleibt die Frage: In welchem Alter sind wir wirklich am glücklichsten? Eine neue Studie liefert Antworten

Die beste Zeit des Lebens – wann ist die eigentlich? In welcher Phase genießen Menschen ihr Leben am meisten? Dieser Frage sind spanische Forscherinnen und Forscher der Universität Vigo nachgegangen.

So viel vorweg: Angst vor dem 30. Geburtstag braucht niemand zu haben, wenn man der im Fachjournal Springer Social Indicators Research veröffentlichten Studie Glauben schenken möchte. Dann beginnt für viele nämlich die schönste Zeit ihres Lebens – allerdings begreift man das erst einige Jahre später.

Daten von fast 30.000 Erwachsenen ausgewertet

Ein Forschungsteam um die Ökonomin Begoña Álvarez analysierte die gesammelten Daten der Langzeitstudie "Sharelife", für die fast 30.000 Personen zwischen 50 und 80 Jahren aus 13 europäischen Ländern zu persönlichen Erlebnissen und Ereignissen sowie der eigenen Verfassung befragt worden waren.

Bei der Auswertung konzentrierten sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor allem auf eine Frage: "Wenn Sie auf Ihr Leben zurückblicken, gab es einen Zeitraum, in dem Sie glücklicher waren als in ihrem restlichen Leben? Wenn ja, wann fing diese Phase an und wann hörte sie auf?"

Wie die Forschenden feststellten, gaben weniger als die Hälfte der Studien-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer an, rückblickend eine besonders herausragende, glückliche Phase in ihrem Leben gehabt zu haben. Frauen gaben hier zudem öfters als Männer an, sich an eine sehr glückliche Episode in ihrem Leben erinnern zu können.

Glücklichste Phase zwischen 30 und 34

Während die Kindheit vergleichsweise selten als die glücklichste Phase eingestuft wurde, schnitten die Lebensjahre zwischen 40 und 50 gut ab. Am häufigsten aber wurde die Zeit zwischen 30 und 34 Jahren als die glücklichste Episode im Leben von den Befragten genannt. Spätere Lebensabschnitte wurden der Studie zufolge nur sehr selten als die glücklichsten Jahre bezeichnet, dies war besonders häufig in Ländern mit einem schwächeren Sozialsystem der Fall.

Betrachtet man jedoch alle Länder, Altersgruppen und Geschlechter zusammen, lassen sich die Auswertungen der Studie als eine Kurve veranschaulichen: Ab Anfang 20 steigt das Wohlbefinden der Teilnehmenden der Studie, zwischen Anfang und Mitte 30 erreicht die Zufriedenheit ihren Höhepunkt, bevor die Kurve danach wieder langsam abfällt.

Diese Erkenntnis könnte wegweisend für die Glücks- und Verhaltensforschung sein. Bislang stellte man sich das Wohlbefinden von Menschen als u-förmige Kurve vor. Im Jugend- und frühen Erwachsenenalter und im höheren Alter (bis etwa 60 Jahre) seien Menschen besonders glücklich, zwischen 40 und 50 Jahren dafür eher weniger zufrieden.

Daten beruhen auf subjektiven Aussagen

Die Analyse des spanischen Forschungsteams legt hingegen nahe, dass die Kurve genau umgekehrt verläuft: Aufgrund der Freiheiten, die Menschen mit der Volljährigkeit neu erlangen, verändere sich nach der Kindheit das Verständnis von Glück. Dadurch steige die Zufriedenheit immer weiter an, bis man in den 30ern die beste Zeit des Lebens genießt. Danach könne die Zufriedenheit wieder schwinden.

Dabei ist wichtig zu beachten, dass die analysierten Daten aus der Umfrage auf den subjektiven Eindrücken und Aussagen der teilnehmenden Personen basieren. Begoña Álvarez betont, es sei nicht leicht einzuschätzen, inwieweit die Befragten sich an frühere Ereignisse richtig erinnerten. Außerdem könnten sich die heutigen Lebensumstände sowie sozialer Druck auf die Interpretation der eigenen Vergangenheit auswirken.


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