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Hilfe für die Ukraine Wie Sie sinnvoll helfen können und welche Spenden den größten Nutzen haben

Studierende in Passau sammeln Spenden für die Ukraine
In Passau haben Studierende eine große Sammelaktion von Hilfsgütern für die Ukraine gestartet. Die Spenden werden in den Räumen der Universität sortiert
© IMAGO / Dominik Kindermann
Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine ist die Solidarität mit der ukrainischen Bevölkerung weltweit groß. Viele haben das Bedürfnis, den Menschen in ihrer Notlage zu helfen. Doch welche Hilfe ist wirklich sinnvoll, was muss bei der privaten Aufnahme von Flüchtlingen beachtet werden und welche Spenden sind wo am besten eingesetzt? Ein Überblick

Angesichts der aktuellen Nachrichten und Kriegsbilder aus der Ukraine wollen viele Menschen das Land und dessen Bevölkerung unterstützen, anstatt nur hilflos zuzusehen. Der Wunsch, sich zu engagieren und zu spenden, ist groß. Dabei fragen sich jedoch auch viele, welche Unterstützung überhaupt sinnvoll ist, welche rechtlichen Vorgaben bei der privaten Aufnahme von Flüchtlingen beachtet werden müssen und ob die eigene Spende auch wirklich dort ankommt, wo sie gebraucht wird.

Klar ist: der Hilfsbedarf ist groß – in den umkämpften Gebieten in der Ukraine, auf den Fluchtrouten und in den errichteten Notunterkünften in den Grenzregionen. Besonders warme Kleidung, Alltagsmedikamente und Hygieneprodukte, Decken und Kissen, Trinkwasser und Lebensmittel werden benötigt, nachdem die Geflüchteten ihre Häuser und Wohnungen zum Teil Hals über Kopf verlassen mussten.

Ukrainische Krankenhäuser melden einen großen Bedarf an Verbänden, Spritzen und chirurgischem Zubehör. Auch die Nachfrage nach psychosozialer Unterstützung nimmt zu.

In ganz Deutschland sind daher binnen kurzer Zeit zahlreiche private Initiativen aus dem Boden geschossen, die Sachspenden annehmen und in den sozialen Netzwerken mehren sich die Spendenaufrufe. Den Überblick zu behalten, mit welcher Hilfe und bei welcher Organisation das eigene Engagement am besten eingesetzt ist, wird immer schwieriger. Wir geben Tipps.

Geldspenden sinnvoller als Sachspenden

Zwar ist es auf den ersten Blick nachvollziehbar, dass viele Menschen möglichst konkret helfen möchten und aus diesem Grund zunächst Sachspenden bevorzugen, doch Fachleute halten Geldspenden beinahe immer für den besseren Weg als Sachspenden.

Denn Geldspenden lassen sich wesentlich flexibler einsetzen. "Der Bedarf an Hilfe ändert sich aktuell täglich. Und die Hilfsorganisationen beschaffen Hilfsgüter nach dem aktuellen Bedarf vor allem in grenznahen Regionen und in der Ukraine selber", berichtet Birte Steigert vom Bündnis "Deutschland hilft" gegenüber dem WDR.

Hilfsgüter über die Grenze in die Ukraine zu transportieren, gestalte sich aufgrund der angespannten Lage außerdem als zunehmend schwierig. Zudem könnten Sachspenden der Wirtschaft im Zielland sogar schaden, da etwa Lebensmittel oder andere Dinge nicht mehr vor Ort gekauft werden und so kein Geld in die heimische Wirtschaft fließt.

Das bestätigt auch Burkhard Wilke, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), das karitative Organisationen auf die Verwendung ihrer Spendengelder hin prüft: "Sachspenden können wir nur in den Ausnahmefällen empfehlen, bei denen seriöse, kompetente Hilfswerke oder Initiativen gezielt darum bitten. Dann sollten Sie aber wirklich darauf achten, dass diese über funktionierende Kontakte in die Ukraine verfügen, die auch unter den jetzigen Kriegsbedingungen den erfolgreichen Transport der Waren sicherstellen können."

Vor Sachenspenden den tatsächlichen Bedarf klären

Wer Sachspenden abgeben möchte, informiert sich am besten bei lokalen karitativen Einrichtungen oder bei örtlichen Verbänden und Vereinen. Überall in Deutschland organisieren Initiativen bereits Transporte von Hilfsgütern in die Ukraine und in die angrenzenden Nachbarländer.

Außerdem sollten Spendenwillige sich vorab erkundigen, welche Hilfsgüter die Organisationen tatsächlich benötigen, bevor sie mit Kisten und Kartons zur Spendenstelle aufbrechen. In den letzten Tagen meldeten viele Verbände beispielsweise ein Überangebot an Altkleidern, dafür aber fehlende medizinische Produkte.

Spendenwillige sollten zudem prüfen, zu welchen Zeiten Sachspenden von der jeweiligen Initiative angenommen werden können – und nicht außerhalb der Öffnungszeiten etwas vor der Tür abstellen.

Erst prüfen, dann Geld spenden

Facebook, Instagram, WhatsApp, TikTok – in den sozialen Netzwerken begegnen einem momentan überall Spendenaufrufe. Die Aufforderungen werden in Postings verlinkt und in Storys geteilt – oft mit der Möglichkeit, direkt in der jeweiligen App und mit nur wenigen Klicks einen Geldbetrag zu spenden.

Man sollte sich jedoch nicht allzu schnell zu einer Überweisung verleiten lassen. Denn insbesondere in Krisensituationen treten neben großer Hilfsbereitschaft und Anteilnahme auch Trittbrettfahrer an die Öffentlichkeit, die mit unseriösen Spendenaufrufen werben und deren Einnahmen zur privaten Bereicherung dienen.

Misstrauisch werden sollte man zum Beispiel bei Spendenaufrufen, die jede Menge Emotionen wecken, aber wenige Informationen zu konkret geplanten Hilfsmaßnahmen bereitstellen.

Burkhard Wilke warnt deshalb vor Impulsspenden: "Bei Spendenaufrufen, die man nicht persönlich einschätzen kann, sollte man zumindest einen kurzen Selbstcheck vornehmen, anhand der vom DZI herausgegebenen Checkliste für sicheres Spenden."

Besser eine große Spende als mehrere kleine Beträge

Wer sich entschieden hat, einen Geldbetrag spenden zu wollen, sollte diesen am besten einer oder maximal zwei Organisationen zukommen lassen. Das erleichtert die Seriositätsprüfung und mindert den Werbe- und Verwaltungsaufwand der Organisationen.

Burkhard Wilke erklärt: "Jede Spende löst einen Verwaltungsvorgang aus, und wer sehr vielen unterschiedlichen Hilfswerken spendet, wird von den meisten von diesen auch zukünftig Spendenwerbung erhalten. Die Fokussierung der Spende trägt also auch zur Verringerung der Spendenwerbung bei, die man zukünftig erhält."

Auf Spendensiegel achten

Eine gute Orientierung bieten außerdem sogenannte Spendensiegel. Die Stiftung Warentest und die Verbraucherzentralen empfehlen das DZI-Siegel klar als Entscheidungshilfe, da es alle wesentlichen Vertrauenskriterien für Spender und Spenderinnen umfassend abdeckt und die Einhaltung regelmäßig, fachkompetent und neutral überprüft.

Eine Auflistung aller aktuell in der Ukraine engagierten Hilfsorganisationen hält das DZI online auf dem neuesten Stand. Sie können hier das PDF herunterladen.

Die Menschen in den von Krieg und Gewalt betroffenen Gebieten in der Ukraine brauchen unsere Hilfe. Die Stiftung stern arbeitet mit Partnerorganisationen vor Ort zusammen, die von uns geprüft wurden. Wir leiten Ihre Spende ohne Abzug weiter. Über diesen Link kommen Sie direkt zu unserem Spendenformular.
Die Menschen in den von Krieg und Gewalt betroffenen Gebieten in der Ukraine brauchen unsere Hilfe. Die Stiftung stern arbeitet mit Partnerorganisationen vor Ort zusammen, die von uns geprüft wurden. Wir leiten Ihre Spende ohne Abzug weiter. Über diesen Link kommen Sie direkt zu unserem Spendenformular.

Geflüchteten eine Unterkunft bieten

Neben dem Sammeln und Organisieren von Spenden ist auch die Aufnahme von Geflüchteten eine Möglichkeit, um den Menschen aus der Ukraine zu helfen. Die Zahlen der Ukrainerinnen und Ukrainer, die sich auf der Flucht in die EU-Länder befinden, steigt täglich. Raum für deren Unterbringung ist knapp.

Auf der Wohnungsbörse des Elinor-Netzwerks für Geflüchtete können sich alle registrieren, die Menschen aus der Ukraine für eine Dauer von mindestens zwei Wochen eine Unterkunft anbieten wollen. Auch die Berliner Plattform Wunderflats hat eine Webseite freigeschaltet, auf der Schlafplätze in ganz Europa vermittelt werden.

Auch auf Bundesländer-Ebene entwickeln sich immer mehr Strukturen, über die sich private Unterkünfte vermitteln lassen. In Hamburg beispielsweise sammelt auch das Bündnis Hamburger Flüchtlingsinitiativen Angebote von Menschen, die Platz für Flüchtlinge zu vergeben haben. Und wer in Brandenburg private Wohnunterkünfte für Geflüchtete anbieten möchte, für den hat das Integrationsministerium des Landes eine E-Mail-Adresse eingerichtet: unterkunftsangebote.ukraine@msgiv.brandenburg.de. Die dort einlaufenden Unterkunfts-Angebote werden an die jeweiligen Landkreise und kreisfreien Städte weitergeleitet, die die Unterbringung direkt vor Ort koordinieren.

Wer nicht über ein Online-Portal gehen möchte, erkundigt sich am besten bei der örtlichen Kreisverwaltung oder dem Bezirksamt nach Möglichkeiten der Organisation.

Private Aufnahme von Menschen ohne Genehmigung des Vermieters möglich

Wer zur Miete wohnt und Geflüchteten einen Platz geben möchte, muss dafür rechtlich gesehen auch keine Genehmigung des Vermieters einholen. "Wenn ich Menschen in meine Wohnung oder in mein Haus als Gäste aufnehmen möchte, ist das vier bis sechs Wochen lang problemlos möglich, auch ohne dass ich den Vermieter informieren oder um Erlaubnis fragen muss", sagt Jutta Hartmann, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Mieterbund.

Ganz genau lasse sich der Zeitraum, für den ein solcher Aufenthalt als Besuch gelte, aber nicht eingrenzen. Rechtlich sei man hier in einer Grauzone, so Jutta Hartmann. Wenn der Besuch aber länger als drei Monate dauere, dann sprenge dies definitiv den üblichen Besuchsrahmen. Dann sollten Mieterinnen und Mieter die Erlaubnis ihrer Vermieter einholen.

Hartmann empfiehlt aber ohnehin allen Mieterinnen und Mietern, ihre Vermieter generell über den Plan in Kenntnis zu setzen, Menschen bei sich aufzunehmen. In aller Regel werde der Vermieter auch sein Einverständnis geben, da sich für ihn dadurch keine Nachteile ergeben. Wichtig ist allerdings zu bedenken: Als Mieter haftet man für alle Personen, die man in den eigenen vier Wänden aufnimmt, egal wie lange sie bleiben und unabhängig davon, ob sie für die Unterbringung zahlen oder nicht.

"Was man ebenfalls im Hinterkopf haben sollte, ist, dass die Nebenkosten während der Besuchszeit natürlich steigen: Höhere Ausgaben bei den Heiz-, Strom- und Wasserkosten sollte man mit einkalkulieren", ergänzt Jutta Hartmann vom Deutschen Mieterbund.


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