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Einflussreicher Karolinger Wie Karl der Große zum mächtigsten Herrscher des Mittelalters aufstieg

Karl der Große
Karl der Große war der erste abendländische Kaiser des Mittelalters
© mauritius images / Memento
Ob es nun seine ungewöhnliche Körpergröße war oder die Größe seine Reiches: Karl der Große trug seinen Beinamen zu recht. Als erster Kaiser des mittelalterlichen Abendlandes herrschte der Karolinger nicht nur über ein Gebiet von der Nordsee bis nach Spanien, sondern wurde auch zu einer Leitfigur für die kulturelle Blüte im 9. Jahrhundert

An ein Europa in den heutigen Grenzen war zu Lebzeiten Karls des Großen nicht zu denken. Die Frage, ob er denn nun Deutscher oder Franzose war, lässt sich deshalb schnell beantworten: Weder noch. Selbst, wann und wo Carolus Magnus – so der lateinische Name – geboren wurde, steht nicht genau fest. Als Geburtsjahr für Karl den Großen wird oft das Jahr 747 genannt. Der Grund für den nebulösen bis nicht vorhandenen Geburtseintrag ist einfach.

Als Sohn des Frankenkönigs Pippin III. ist Karl der Große wahrscheinlich in einer der Residenzen seines Vaters irgendwo zwischen Loire und Rhein zur Welt gekommen. Denn feste verortete Königshöfe als ständigen Sitz gab es zu der Zeit in Europa nicht. Die Könige zogen mit ihrem Gefolge durchs Land und verweilten an unterschiedlichen Plätzen in ihren Residenzen – bis sie wieder weiterzogen.

Karl der Große erklärt sich selbst zum Frankenkönig

Dass Karl der Große überhaupt alleinregierender König im Frankenreich wird, hat er drei Tatsachen zu verdanken:

  • 751 schickt sein Vater den damaligen Merowingerkönig Childerich kurzerhand ins Kloster und erklärt sich mit dem Aufsetzen der Königskrone selber zum Frankenkönig.
  • Nach Pippins Tod im Jahr 768 teilen sich Karl und sein Bruder Karlmann die Königskrone.
  • Nur drei Jahre später im Jahr 771 stirbt Karlmann. Karl wird zum alleinigen Herrscher und König über das Frankenreich, das auch zu der Zeit immerhin schon von der Nordsee bis an die französische Atlantikküste reicht.

Wer so viele Grenzen hat, der bekommt auch Besuch von vielen Nachbarn – unter anderem, um die Grenzen mit Militärunterstützung zu Ihren Gunsten neu festzulegen. Karl der Große führt jahrelang an mehreren Fronten Krieg und schafft es, sein Reich immer weiter zu vergrößern.

Der Karolinger führt Kriege gegen Langobarden und Sachsen

Im Süden besiegt er zusammen mit Papst Hadrian I. die Langobarden. Im Westen drängt Karl der Große über die Pyrenäen und verdrängt die Mauren. Im Nordosten bekämpft er die Sachsen, die ihm mit einzelnen Scharmützeln im norddeutschen Sumpfland am längsten zu schaffen machen.

Erst im Jahr 804 gibt das unbeugsame Volk seinen Widerstand gegen die Christianisierung auf und sich geschlagen. Karl der Große gewinnt die Sachsenkriege, der Widerstand ist vollends gebrochen.

Papst Leo III. erhebt Karl den Großen vom König zum Kaiser

Zu dem Zeítpunkt ist Karl der Große schon längst vom Papst Leo III. zum Kaiser gekrönt worden – als erster westeuropäischer Herrscher seit der Antike. Allerdings hat der damals amtierende Papst die Krönung im Jahr 800 nicht ganz uneigennützig vorgenommen.

Bereits zuvor war Leo III. nach Paderborn geflohen und hatte Karl den Großen um Hilfe ersucht. Feinde hatten versucht, Papst Leo III. bei einem öffentlichen Auftritt in Rom zu blenden und ihm die Zunge herauszuschneiden. Als Grund dafür werden sein weltlicher und lasterhafter Lebenswandel angeführt.

Allianz zwischen dem Frankenreich und Rom

Dass die Wortführer des Aufstandes gegen den Papst aus der Familie von Leos Vorgänger Papst Hadrian I. stammen, mag dabei nicht ganz unbedeutend gewesen sein. Die Krönung von Karl dem Großen zum Kaiser sichert somit die Allianz zwischen Rom und dem Frankenreich und gleichzeitig das Leben von Papst Leo III.

Karl der Große unterwirft
Der Sachsenführer Widukind, Hauptgegner Karls des Großen während des ersten Abschnitts des Sachsenkrieges, kapituliert im Jahr 777
© mauritius images / Memento

Karl der Große stabilisiert sein Reich durch Reformen

Karl der Große nutzt seine neue Macht nicht nur außenpolitisch, sondern vor allem auch für den Erhalt seines riesigen Herrschaftsgebietes, das inzwischen von der Nordsee bis nach Mittelitalien und von den Pyrenäen bis nach Ungarn reicht. Zu den Neuerungen seiner stabilen Reichsstruktur gehören

  • Grafschaften mit eingesetzten Grafen als seine Stellvertreter. Sie waren ihm direkt unterstellt, bekamen für ihre Treue Landbesitz.
  • Vasallen, die ihm zum Kriegsdienst verpflichtet sind. Auch die Vasallen erhalten als Entlohnung Grund und Boden.
  • Einführung einer einheitlichen Währung mit festgelegtem Tauschkurs: der Denar entspricht im gesamten Reich und darüber hinaus bis in den Orient dem Wert von 1,7 Gramm Silber.
  • Neuordnung der Klöster und der Kirche mit der Verpflichtung, korrektes Latein als Bildungssprache zu pflegen und vorhandenes Wissen zu sammeln.

Karl der Große sorgt mit seiner Herrschaft für eine Bildungsreform

Ganz wesentlich im Zusammenhang mit dem letzten Punkt sind die Verdienste Karls des Großen beim Bewahren der Geschichte. Er ordnet Abschriften von vielen tausend antiken Handschriften auf haltbares Pergament an. Dafür wird als neuartige Schrift die sogenannte karolingische Minuskel genutzt – eine Schriftart, die sich durch einfache Gestaltung und Handhabung auszeichnet und später die Grundlage für die Kleinbuchstaben der deutschen Druck- und Schreibschriften ist.

Hier im Dom steht auch der steinerne Thron Karls des Großen. Die schlichten Platten sollen aus der Geburtskirche Jesu in Betlehem stammen. Noch bis 1531 wurden hier die deutschen Könige gekrönt. Die Gebeine von Karl dem Großen sind ebenfalls im Aachener Dom – im Karlsschrein, der mit vergoldetem Silber, Kuper und Edelsteinen verziert hier zu sehen ist.

Thron von Karl dem Großen in Aachen
In der Pfalzkapelle, das Zentrum des heutigen Aachener Doms, steht der Aachener Königsthron. Der Thron Karls des Großen wurde in den 790er Jahren errichtet
© mauritius images / Stefan Auth / imageBROKER

Die Regentschaft von Karl dem Großen führt zu einer Bildungsreform, einem Aufschwung von Dichtung und Baukunst. In der Stadt Aachen ist noch heute das 1200 Jahre alte Oktogon zu sehen – ein reich verzierter, achteckiger und 31 Meter hoher Kuppelbau, der als ursprüngliche Kapelle heutzutage das Zentrum des Aachener Doms bildet.

Karl der Große lässt sich in Aachen nieder

Denn Aachen ist die Stadt, die Karl der Große letztendlich zu seiner Hauptresidenz auserkoren hat. Auch wenn es zu der Zeit so etwas wie feste Königshäuser nicht gab, so gab es doch die sogenannte Königspfalz. Das waren Bauten und Paläste, in denen sich Könige zeitlich begrenzt mit ihrem Hofstaat aufhielten.

Solange sie dort waren, war eben dieser Ort aktuell die Hauptstadt. Eine große Ehre für die jeweilige Region und die Stadt. Der Nachteil: Alle diese Menschen mussten verpflegt werden und allein der Hofstaat zu Zeiten Karls des Großen hatte rund 2000 Angehörige.

In Aachen errichtet Karl der Große seine eigene Königspfalz und wurde vom Reisekaiser zum sesshaften Kaiser. Die Pfalzkapelle des Doms ist ein erhaltener Teil der ursprünglichen Königspfalz Karls des Großen. Sie wurde 1978 als erstes Bauwerk in Deutschland in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.

Warum der Kaiser speziell Aachen ausgewählt hat, dazu gibt es verschiedenen Meinungen und Theorien. Tatsache ist, dass bereits sein Vater Pippin III. hier eine Königspfalz hatte und Karl der Große dementsprechend Aachen eventuell aus seiner Kindheit und Jugend kannte.

Als wahrscheinlicher wird angesehen, dass Karl der Große sich auch wegen seines Rheumas und seiner Gicht für Aachen entschieden hat. In den natürlichen, heißen und schwefelhaltigen Quellen haben schon die Römer gebadet und etwas für ihre Gesundheit getan.

Karl der Große als Vater Europas?

Ob die heißen Quellen der Grund für sein ungewöhnlich langes Leben in mittelalterlichen Zeiten und seine beachtliche Herrschaft von 46 Jahren sind, lässt sich nicht sagen. Verbrieft aber ist, dass Karl der Große am 28. Januar 814 in Aachen gestorben ist - an den Folgen einer Erkältung und Lungenentzündung, die er sich bei einem Jagdausflug geholt hat.

Unter seiner Regierung entstand mitten in Europa das größte Reich seit dem Untergang des Römischen Imperiums. 1100 Jahre später gehören die Länder und Regionen aus seinem Frankenreich zu den Gründungsländern des ersten europäischen Wirtschaftraumes. Ob seine Untertanen im Mittelalter vielleicht schon etwas geahnt haben, als sie Karl dem Großen seinen Beinamen gaben: Pater Europae – der Vater Europas?


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