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Corona-Impfung Mediziner klären auf: Weshalb Bedenken vor Langzeitfolgen unbegründet sind

Coronavirus, Illustration
Manche Menschen zögern, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen – aus Angst vor Spätfolgen
© peterschreiber.media - Adobe Stock
Aus Angst vor möglichen Spätfolgen zögern manche Menschen, sich mit einem der zur Verfügung stehenden Vakzine gegen Corona impfen zu lassen. Die Medizin liefert Argumente dagegen – Nebenwirkungen bei Impfungen, die erst nach Monaten auftreten, seien nicht bekannt

Wir stehen vor dem zweiten Winter in der Corona-Pandemie. Die Corona-Fallzahlen steigen, die deutschlandweite Inzidenz – also die Zahl der Infektionen in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner – hat gerade den Wert von 100 überschritten. Währenddessen ist das Impfen ins Stocken geraten. Die Zahl der Erstimpfungen geht zurück, obwohl genügend Impfstoff vorhanden ist.

Zwar gelten den offiziellen Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) zufolge 66 Prozent der deutschen Bevölkerung als vollständig geimpft. Doch mit dem Aufkommen der höchst ansteckenden Delta-Variante geht die Medizin nicht mehr – wie noch zu Beginn der Coronapandemie – davon aus, dass mit diesem Wert eine Herdenimmunität erreicht werden kann. Keine ungeimpfte Person kann sich also sicher sein, durch ein weitgehend geimpftes Umfeld vor einer Infektion mit dem Coronavirus geschützt zu sein.

Jüngst stieß der Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich eine öffentliche Debatte ums Impfen an. Im TV-Sender Sky sagte Kimmich, er habe "persönlich noch ein paar Bedenken, gerade, was fehlende Langzeitstudien angeht" und gab an, bislang nicht gegen Covid-19 geimpft zu sein. Mit seiner Impfskepsis ist der Fußballprofi nicht allein. So mancher macht sich angesichts der rasend schnell entwickelten Impfstoffe Gedanken, wie sicher eine solche Impfung tatsächlich sein kann.

Die Logik dahinter: Die Corona-Impfstoffe sind noch relativ neu. Während die möglichen, kurzfristigen Nebenwirkungen weitgehend bekannt sind, hält sich die Angst vor den langfristigen Folgen – also Nebenwirkungen, die möglicherweise erst nach Monaten oder Jahren bei Geimpften auftreten. Doch eben diese Angst ist unbegründet, sagen Expertinnen und Experten.

Angst vor Langzeitfolgen liegt einem Irrtum zugrunde

Denn wissenschaftlicher Konsens ist das, was der Immunologe Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, so formulierte: "Was offensichtlich viele Menschen unter Langzeitfolgen verstehen, nämlich dass ich heute geimpft werde und nächstes Jahr eine Nebenwirkung auftritt, das gibt es nicht, hat es noch nie gegeben und wird auch bei der Covid-19-Impfung nicht auftreten."

Auch der Kardiologe Jonas Zacher von der Deutschen Sporthochschule Köln sagte dem TV-Sender Sky: "Die Wahrscheinlichkeit, dass unerwartete Langzeitfolgen auftreten, ist extrem gering, fast nichtig." Nebenwirkungen einer Impfung treten immer innerhalb von wenigen Wochen nach der Impfung auf. Danach sei die Immunreaktion abgeschlossen und der Impfstoff aus dem Körper verschwunden.

Stattdessen handele es sich bei möglichen Langzeitfolgen, vor denen viele sich fürchten, um ein "Missverständnis", das sich hartnäckig hält. "Was man bei Impfungen unter Langzeitfolgen versteht, sind Nebenwirkungen, die zwar innerhalb von wenigen Wochen nach der Impfung auftreten, die aber so selten sind, dass es manchmal Jahre braucht, bis man sie mit der Impfung in Zusammenhang gebracht hat", so Immunologe Carsten Watzl.

Große Zahl an Impfungen liefert große Datenmengen

"Wenn es heißt, wir wüssten noch nicht ausreichend viel über Langzeitwirkungen, ist das nicht korrekt: Wir haben diese Vakzine 100-millionenfach unter den Augen der Wissenschaft verimpft. So gelang es, die seltensten Nebenwirkungen herauszufinden. Es haben sich auch keine weiteren gezeigt als nun die Zulassungsstudie von BioNTech nach sechs Monaten weiter ausgewertet wurde", sagte Carsten Watzl im Interview mit GEOplus.

"Hätten wir jedes Jahr nur zehn Millionen Impfungen durchgeführt, könnte es sein, dass man diese Nebenwirkungen erst viel später erkannt hätte", sagte Watzl und betonte: "Wenn überhaupt sind die Covid-19 Impfstoffe in Bezug auf Langzeitfolgen, also sehr seltene Nebenwirkungen, bereits besser erforscht als andere Impfungen."

mit dpa

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