Archäologie Rätselhafte Felsgravuren der Pueblo-Kultur entschlüsselt

800 Jahre alt sind Felsritzungen der Pueblo-Kultur, deren Geheimnis nun ein polnisches Forscherteam lüften konnte
Mesa Verde

Neben einem Felsvorsprung entdeckten die polnischen Wissenschaftler Spuren von Felsgravuren

Der Nationalpark Mesa Verde im Südwesten der USA ist nicht nur der erste, sondern wohl auch das bedeutendste Unesco-Kulturerbe Nordamerikas. Und gleichzeitig eines der geheimnisumwittertsten überhaupt. Bis heute rätseln Forscher, warum die Ureinwohner am Ende des 13. Jahrhunderts – lange, bevor Kolumbus Nordamerika erreichte – ihre charakteristischen Steinbauten in den Canyons aufgaben.

Einem Geheimnis der Pueblo-Kultur sind nun polnische Wissenschaftler auf die Spur gekommen: Offenbar richteten sich die Ackerbauern bei der Bestellung der Felder nach astronomischen Daten wie den Tagundnachtgleichen und den Sonnenwenden. Ein Archäologenteam von der Universität Krakau hat bislang rätselhafte Felsgravuren als Festkalender entschlüsselt.

Mesa Verde
Eine der bislang rätselhaften Spiralen wird genau am Tag der Wintersonnenwende durch einen Felsschatten geteilt

Für ihre Untersuchungen konzentrierten sich die Archäologen auf ein Gebiet im Nationalpark Mesa Verde an der Grenze zwischen den US-Bundesstaaten Colorado und Utah. Zwischen den Überresten von 40 kleinen Siedlungen hatten die Forscher zahlreiche bislang unbekannte Felsritzungen und -malereien entdeckt – darunter auch Gravuren mit geometrischen Figuren wie Spiralen – und vermuteten eine Kalender-Funktion dahinter. Denn einige der Ritz-Zeichnungen waren an versteckten Stellen in Felsnischen angebracht und nur bei einem bestimmten Sonnenstand beleuchtet.

„Mindestens in sechs der von uns untersuchten Siedlungen gibt es solche Gravuren, und in zwei von ihnen haben wir direkte Beobachtungen über Stunden oder sogar mehrere Tage durchgeführt“, sagt Radoslaw Palonka, der Leiter des Teams.

Vielsagende Schatten

Dabei zeigte sich in einem Beispiel, dass nur während der Wintersonnenwende am 22. Dezember die Sonnenstrahlen die Gravuren durchlaufen – während die geritzte Fläche für den Rest des Jahres im Schatten oder in der prallen Sonne liegt.

Der Sonnen-Kalender könnte, so Radoslaw Palonka, dazu gedient haben, den richtigen Zeitpunkt für Rituale und Zeremonien zu bestimmen, die ihren Höhepunkt während der Wintersonnenwende erreichten. Noch heute, so Palonka, hat die Sonnenwende für Stämme auf dem Gebiet von Arizona und New Mexico eine große religiöse Bedeutung.