Geschlechterklischees Warum die Farbe Rosa einst Männersache war

Blau für Jungen, Rosa für Mädchen. So sehen es die Geschlechterklischees vieler Modeschöpfer und Produktdesigner noch häufig vor. Doch das war nicht immer so – bis in die 40er-Jahre war die Farbe Rosa besonders bei Jungen beliebt
Rosa Superhero

Besonders bei Kinderkleidung gilt bis heute eine strikte Farbenlehre: Rosa für die Mädchen, Blau für die Jungs. Dabei war das "kleine Rot" einst Ausdruck purer Männlichkeit

Die Vorliebe von Mädchen für die Farbe Pink gilt bei vielen Eltern heutzutage noch immer als naturgegeben. Doch noch vor rund hundert Jahren war die Farbe Rosa ausschließlich Jungen vorbehalten. Mädchen hingegen wurden in Himmelblau gekleidet.

Rosa für Jungen, Blau für Mädchen

Die Signalfarbe Rot galt in vielen Kulturen als Zeichen der Männlichkeit und Stärke, weshalb der Farbton Rosa, bekannt als "kleines Rot", ausschließlich für Buben genutzt wurde. Der zarte Rotton ähnelte den blutigen Flecken, die sich auf den Hemden heimkehrender Kriegssoldaten wiederfanden und wurde im Bekleidungssegment vieler Kaufhäuser zur männlichen Konvention.

1897 spielten die Herren des neu gegründeten Fußballvereins Juventus Turin in rosafarbenen Trikots und das Ladie’s Home Journal, ein ehemals führendes Frauenmagazin in den USA, schrieb 1918: "Die allgemein akzeptierte Regel ist Rosa für Jungen und Blau für die Mädchen. Der Grund dafür ist, dass Rosa als eine entschlossenere und kräftigere Farbe besser zu Jungen passt, während Blau, weil es delikater und anmutiger ist, bei Mädchen hübscher aussieht."

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In den 40er-Jahren wurden die Geschlechterfarben vertauscht

Zu den Gründen, warum sich die Farbklischees letztlich wandelten, gibt es mehrere Ansätze: Eine verbreitete Theorie besagt, dass die Arbeitskleidung von Matrosen und Handwerkern den Farbton Blau "vermännlichten". Andere glauben, auch der sogenannte "Rosa Winkel" habe zur Verbreitung der neuen Blau-Rosa-Farbenlehre beigetragen. Diesen mussten im Nationalsozialismus jene Häftlinge auf dem Ärmel tragen, die unter dem Verdacht homosexueller Neigungen in KZs verschleppt wurden.

Zementiert wurde das neue Geschlechterklischee, nachdem 1959 die erste Barbie-Puppe in einer grell pinkfarbenen Verpackung den Spielzeugmarkt eroberte und Rosa schnell zur Lieblingsfarbe kleiner Mädchen mutierte.

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