Camping liegt im Trend: Die größte Messe in Deutschland "Caravan Salon" brach 2019 mit 271.000 Besuchern ihre Rekorde. In der Corona-Krise wollen immer mehr Menschen die Freiheit genießen, die ein Urlaub auf vier Rädern verspricht. Außerdem sollte sich bei einer Camping-Reise auch noch Geld sparen lassen. Der Preis für einen Stellplatz ist bestimmt günstiger als eine Hotelübernachtung. Doch wie viel kostet ein Camping-Urlaub wirklich? Ist mieten oder kaufen besser? Ein Überblick.
Wie teuer ist die Miete?
Für ein Wohnmobil: Der Preis eines Wohnmobils hänge immer vom Fahrzeugtyp, der Ausstattung und der Länge der Vermietung ab. "In der Hauptsaison kostet ein durchschnittliches Familien-Wohnmobil für 14 Tage rund 2.000 Euro. Pro Tag müssen in den Sommerferien rund 130 bis 150 Euro für die Miete einkalkuliert werden", sagt Thomas Kretschmer vom Verbund unabhängiger Wohnmobilvermieter. Wer außerhalb der Sommerferien reisen kann, spart bei der Vermietung 20 bis 40 Prozent.
Für einen Wohnwagen: Wer einen Wohnwagen mietet, muss nur rund die Hälfte von der Miete eines Wohnmobils aufbringen, sagt Kretschmer.
Für einen Bulli: Durchschnittlich sollten Camper 100 Euro pro Tag an Miete für einen Bulli einplanen. "Im Hochsommer kostet unser Top-Modell für sieben Tage 150 Euro pro Tag." In der Nebensaison gibt es die Bullis schon ab 80 Euro pro Tag, sagt Johannes Vieten von der Hamburger Vermietung "Ahoi Bullis". Bei längeren Miet-Zeiträumen gebe es immer Rabatte.
Für ein Dachzelt: "Wer etwas kleiner anfangen möchte, kann auch für das Auto ein Dachzelt mieten – für rund 30 Euro pro Nacht. Es gibt aber nur sehr wenige Anbieter", sagt Kretschmer.
Gibt es eine Mindestmietdauer?
Für einen Kurztrip kann man in der Hauptsaison kein Wohnmobil mieten – in der Regel muss das Fahrzeug für sieben Tage gemietet werden. Außerhalb der Sommerferien mindestens vier bis fünf Nächte, sagt Kretschmer. Bei "Ahoi Bullis" müssen die Bullis in der Hauptsaison von Juni bis August für mindestens sieben Tage gemietet werden. In der Nebensaison kann ein Bulli auch über ein Wochenende für drei Tage gemietet werden.
Wie spontan bekomme ich ein Wohnmobil?
"Im Februar ist bei uns in der Regel der Sommer schon komplett ausgebucht", berichtet Johannes Vieten. In der Nebensaison sei eine spontane Anmietung meist kein Problem. Auch Fachmann Thomas Kretschmer weiß: "Wer in den Sommerferien verreisen möchte, sollte sich frühzeitig um einen Camper kümmern – im Mai ist oft schon alles ausgebucht."
Was sollte ich bei der Anmietung beachten?
Um den Preis von verschiedenen Vermietern vergleichen zu können, sollten Camping-Willige genau schauen, was sie für den Preis bekommen. "Wir liegen eher im höheren Preissegment, dafür ist die komplette Ausstattung – beispielsweise Geschirr, Kabeltrommel, Hängematte, Grill – bei uns mit inbegriffen", sagt Vieten. Bei vielen Anbietern komme noch eine Servicepauschale oder Kosten für Endreinigung dazu, dies sei bei "Ahoi Bullis" nicht der Fall.
Bei einem seriösen Anbieter müsse eine Selbstfahrermietversicherung für das Fahrzeug vorhanden sein, erklärt Kretschmer.
Was sollten Camping-Neulinge beachten?
"Der ganze Urlaub ist in Gefahr, wenn man die falsche Ausstattung hat." Wer noch nie campen war, sollte sich beraten lassen. Welche Ausstattung nötig ist und welche Touren realistisch sind, weiß Johannes Vieten. "Anfänger machen meist den Fehler, dass sie sich viel zu viel vornehmen. Wir bei Ahoi-Bullis bieten eine Touren-Beratung und geben auch Tipps für Stellplätze." Diese zwei Punkte seien für den gelungenen Urlaub sehr wichtig.
Thomas Kretschmer rät, bei der ersten Reise kein zu langes Wohnmobil zu mieten, um ein besseres Fahrgefühl zu bekommen. Um es mit einem Pkw-Führerschein fahren zu können, darf es nicht mehr als 3,5 Tonnen wiegen.
Wie viel kosten Stellplätze?
Das ADAC Campingportal "PiNCAMP" hat die Preise für 2021 von mehr als 5.500 Campingplätzen in Deutschland und Europa analysiert.
Europaweit sind Deutschland mit 35,43 Euro im Schnitt pro Nacht und Schweden mit durchschnittlich 34,35 Euro für eine Übernachtung die günstigsten Camping-Länder. Am teuersten ist ein Stellplatz in der Schweiz für 54,63 Euro pro Nacht. Innerhalb von Deutschland lässt es sich in Thüringen für 29,76 Euro und in Nordrhein-Westfalen für 32,38 Euro pro Nacht im Schnitt am günstigsten campen.
Wann lohnt sich der Kauf?
1,5 Millionen Euro kostet das teuerste Wohnmobil, das Besucher der Messe "Caravan Salon" 2020 sehen konnten, und 8.900 Euro ein Mini-Wohnwagen. Bei einem Standardwohnmobil rechne sich der Kauf schon schon ab vier Wochen Urlaub im Jahr mit dem Camper gegenüber der Anmietung in der Hauptsaison, sagt Daniel Rätz vom Caravaning Industrie Verband (CIVD). Ein kompaktes Wohnmobil für zwei Personen gibt es ab 30.000 Euro. Modelle, die für eine vierköpfige Familie geeignet sind, starten bei 40.000 Euro. "Der Wertverlust bei Wohnmobilen ist wesentlich geringer als bei Autos. Nach zehn Jahren beträgt der Restwert noch rund ein Drittel des Neupreises." Wohnwagen sind deutlich günstiger und ab 12.000 Euro erhältlich. "Wer das Fahrzeug im Winter abmeldet, muss bedenken, dass er für die kalte Jahreszeit einen Stellplatz braucht. Es muss vielleicht ein Platz in einer Halle angemietet werden. Das Wohnmobil kann nicht an der Straße abgestellt werden", sagt Rätz.
Worauf muss ich bei der Versicherung achten?
Beim eigenen Wohnmobil: Um auf den Straßen unterwegs sein zu können, braucht man eine Kfz-Haftpflichtversicherung, sagt Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg.
Für Wohnmobile gibt es spezielle Tarife – die Einteilung in die Schadenfreiheitsklassen unterscheide sich von der bei normalen Pkws. "Eine Teilkasko- oder Vollkasko ist über eine Haftpflichtversicherung hinaus sinnvoll, um Schäden am eigenen Fahrzeug erstattet zu bekommen."
Ob ein ausgebauter Bulli für eine Versicherung als Wohnmobil oder Pkw gelte, sei davon abhängig, was in den Fahrzeugpapieren stehe. Für eine Foto – oder Tauchausrüstung, die im Wohnmobil liegt, brauche es eine zusätzliche Inhaltsversicherung.
Beim gemieteten Fahrzeug: "Wer ein Wohnmobil mietet, sollte genau auf die Versicherung schauen. Bei vielen Anbietern müssen Verbraucher im Schadensfall einen Selbstbehalt zahlen. Selbstbehalte sollten möglichst gering sein", rät Becker-Eiselen. Die Übergabe sollte möglichst zu zweit stattfinden. "Alle Schäden, die am Fahrzeug bestehen, müssen unbedingt in das Übergabeprotokoll aufgenommen werden und am besten auch mit Datum fotografiert werden – so schützen sich Verbraucher davor, dass sie für Schäden aufkommen sollen, die sie nicht verursacht haben."
Wie finde ich eine günstige Versicherung?
Eine gute Möglichkeit, um Tarife zu vergleichen, bietet der Online-Preisvergleich der Stiftung Warentest (kostenpflichtig), sagt Becker-Eiselen. Laut Stiftung Warentest gibt es bei den Versicherungstarifen sehr hohe Preisunterschiede. Für dasselbe Wohnmobil koste die teuerste Versicherungspolice dreimal so viel wie die günstigste.