Heutige Krokodile laufen auf vier Beinen und sind perfekt an ein Leben im und am Wasser angepasst. Doch das war nicht immer so. Ein US-amerikanisches Forschungsteam hat jetzt Millionen Jahre alte Fossilien unter die Lupe genommen – und kommt zu dem Ergebnis: Urahnen der heutigen Krokos waren etwa so groß wie ein Pudel, liefen als Jugendliche auf vier – und als Erwachsene auf zwei Beinen. Die Studie erschien im Fachmagazin "Journal of Vertebrate Paleontology".
Die Fossilien stammen aus einer Fundstelle im Petrified Forest National Park im Nordosten des US-Bundesstaats Arizona, der für seine versteinerten Baumstämme bekannt ist. "Bei der Analyse der Proportionen der Skelette der Gliedmaßen verschiedener Tiere stellten [wir] fest, dass seine zweibeinige Haltung möglicherweise das Ergebnis eines unterschiedlichen Wachstumsmusters war", erklärt der Hauptautor der Studie, Elliott Armour Smith in einer Pressemitteilung.
Anders gesagt: Während die Hinterbeine bei jugendlichen Tieren noch zu schwach ausgebildet waren, befähigten die voll ausgebildeten Knochen und die Muskulatur erwachsene Tiere zu einem aufrechten, zweibeinigen Gang. Das sei "besonders merkwürdig", ergänzen die Forschenden vom Department of Biology der Universität von Washington und des Burke-Museums.
Die Grabungsstätte hat sich bislang als ungewöhnlich ergiebig erwiesen: Seit 2014 haben Grabungsteams mehr als 3000 fossile Knochen freigelegt und präpariert. Darunter, neben Fischen, Amphibien, Dinosauriern und anderen Reptilien, die Skelette von 36 Vertretern der Art Sonselasuchus cedrus.
Die Urahnen der Krokodile waren zweibeinige Waldbewohner
Die Forschenden gehen davon aus, dass das Tier im späten Trias lebte, vor etwa 225 bis 21 Millionen Jahren. Und dass es – wie sein Artname vermuten lässt – in Wäldern umherstreifte, die heutigen Zedernwäldern ähnelten.
Dass Sonselasuchus cedrus vor 65 Millionen Jahren den Einschlag eines etwa zehn Kilometer großen Meteoriten auf der heutigen Halbinsel Yucatán überlebten, der das Ende der Dinosaurier besiegelte, führen Forschende auf die Vielseitigkeit und Anpassungsfähigkeit der Krokodilahnen zurück: Sie waren beim Fressen nicht wählerisch und konnten als Kaltblüter zudem lange ohne Nahrung auskommen.
Während es heute etwa 25 Arten von Krokodilen gibt, war die Artenvielfalt vor Millionen Jahren um ein Vielfaches größer. Fossilienfunde zeigen, dass während der vergangenen rund 250 Millionen Jahre mehr als 700 verschiedene Krokodilarten die Erde bevölkerten – darunter längst ausgestorbene Meeresbewohner, Saurier fressende Riesen, Vegetarier und schlangenartige Reptilien.
Und größer waren sie auch: Ein in Nordamerika gefundenes Fossil lässt auf eine Länge von fast zwölf Metern schließen. Heutige Krokodile erreichen nur die Hälfte.