Revolution der Gesetzgebung Grundrechte für Affen, Schweine und Wälder: Wie viel Moral trauen wir uns zu?

Revolution der Gesetzgebung: Grundrechte für Affen, Schweine und Wälder: Wie viel Moral trauen wir uns zu?
In Basel könnten Primaten bald eigene Rechte in der Verfassung haben. Es wäre eine Revolution. Und ein Durchbruch für noch weitaus größere Fragen: Was, wenn die Natur über Rechte verfügen würde? Schon lange denken Forschende etwa nach über ein Klagerecht für Wälder und Flüsse – oder Tiere in den Parlamenten

Schließen Sie für einen Moment die Augen und stellen Sie sich eine Welt vor, in der Affen ebensolche Grundrechte besäßen wie wir Menschen. In der Homo sapiens und seine nächsten Verwandten vor Gerichten und Parlamenten auf einer Ebene stünden.

Gehen Sie noch einen Schritt weiter: Eine Welt, in der auch die Würde von anderen Tieren unantastbar wäre, in der deren Heimat, etwa Wälder oder Flüsse, nicht nur vor dem Zugriff des Menschen geschützt wären – sondern ein Anrecht hätten auf ein gutes, unversehrtes Dasein.

Eine Initiative aus dem Kanton Basel-Stadt in der Schweiz will sich eine solche Welt nicht länger ausmalen, sondern Fakten schaffen. An diesem Sonntag. Etwas mehr als 100.000 Bürgerinnen und Bürger können darüber abstimmen, ob die kantonale Verfassung ergänzt wird um einen Passus für das "Recht von nichtmenschlichen Primaten auf Leben und auf körperliche und geistige Unversehrtheit".

Angestoßen hat das Volksbegehren der Verein "Sentience Politics". Die Organisation kämpft nach eigenen Angaben für "die Interessen nicht-menschlicher Tiere", vor allem auf Grundlage der Empfindungsfähigkeit (engl. sentience). Ihr Anliegen fand Unterstützung; der Beistand der weltweit bekannten Affenforscherin Jane Gododall etwa hat der Initiative Aufmerksamkeit verschafft.

So darf die stimmberechtigte Bevölkerung in Basel nun entscheiden – in einer Stadt, in der es einen Zoo mit Affen gibt sowie verschiedene Pharma-Firmen, die auch an nichtmenschlichen Primaten geforscht haben. In einem Land, das sich schon 1992 ausdrücklich den Schutz der "Würde der Kreatur" in die Verfassung schrieb.

Jane Goodall mit Menschenaffe
Jane Goodall wurde als Affenforscherin (hier 1988) weltbekannt. Heute setzt sie sich auch für die Primaten-Initiative im Kanton Basel-Stadt ein
© Imago/Michael Neugebauer

In dem Schweizer Kanton geschieht gewissermaßen ein politischer Laborversuch. Denn was auf den ersten Blick wie ein kleines, lokales Referendum ohne Tragweite wirken mag, könnte weltweit für Aufsehen sorgen. Mit einem neuen Satz in der Verfassung müssten auch neue Gesetze entstehen, müsste sich eine andere Praxis in Zoos und Forschungseinrichtungen im Umgang mit nichtmenschlichen Primaten entwickeln, mithin bei den Gerichten. 

Die Schweizer Initiative will also konkret einen Weg bahnen, den Philosophinnen und Soziologen, aber auch Juristen und Staatsrechtlerinnen seit Jahrzehnten theoretisch ebnen: Tiere sollen endlich einen Platz in Gerichtsgebäuden und Plenarsälen bekommen. Sie sollen sich rechtlich wehren können gegen die räuberische Ausbeutung des modernen Menschen, natürlich vermittelt und vertreten durch Menschen, etwa Anwälte oder Bürgerinnen. 


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