Tierbegegnungen Faszinierendes Videomaterial: Seltene Tiefseehaie gefilmt

Tierbegegnungen: Faszinierendes Videomaterial: Seltene Tiefseehaie gefilmt
© Minderoo-UWA Deep-Sea Research Centre; Inkfish; Kelpie Geoscience
Video: Minderoo-UWA Deep-Sea Research Centre; Inkfish; Kelpie Geoscience
Gleich zwei Mal in kurzer Zeit sind Forschende Tiefseehaien begegnet – vor der Küste Kaliforniens und in antarktischen Gewässern. Begegnungen mit diesen Tieren sind äußerst selten

Zwei außergewöhnliche Begegnungen mit seltenen Tiefseehaien sorgen derzeit in der Meeresforschung für Aufsehen: Vor der Küste San Diegos, USA, traf ein Taucherteam auf eines der Tiere, und auch in den eisigen Gewässern der Antarktis dokumentierte eine Forschungskamera eine Sichtung (zu sehen oben im Video). Beide Beobachtungen liefern wertvolle Einblicke in das Verhalten und die Verbreitung von Haiarten, die in ihren jeweiligen Lebensräumen nur höchst selten beobachtet werden.

Schlafhai im Südpolarmeer gefilmt

Das australische Forschungsteam veröffentlichte jüngst Videoaufnahmen, die nach aktuellem Wissensstand den ersten Hai zeigen dürften, der jemals in seinem natürlichen Lebensraum im Südpolarmeer dokumentiert wurde. Das Video entstand mithilfe einer mit Köder bestückten Kamera während einer Expedition des Minderoo-UWA Deep-Sea Research Centre in der Nähe der Südlichen Shetlandinseln vor der Antarktischen Halbinsel. Es zeigt einen Schlafhai, der in rund 490 Meter Tiefe durch das Wasser gleitet.

"Das war unerwartet, da es sich um die ersten Aufnahmen eines Somniosidae (Schlafhais) oder überhaupt eines Elasmobranchiers in situ im Südpolarmeer handelt", sagte die Ozeanografin Dr. Jessica Kolbusz gegenüber ABC News, die die Expedition leitete.

Tiefsee: So lang wie ein Bus: Forschende filmen seltene Riesenqualle vor Argentinien
© ROV SuBastian / Schmidt Ocean Institute
So lang wie ein Bus: Forschende filmen seltene Riesenqualle vor Argentinien
© Video: ROV SuBastian / Schmidt Ocean Institute

Das Filmmaterial wurde während einer Expedition im Jahr 2025 aufgenommen und wirft Fragen zur Verbreitung von Haien in extremen Umgebungen auf. Die Forschenden stellten fest, dass der Hai in einer unter der Oberfläche liegenden Schicht relativ wärmeren Wassers entdeckt wurde, was auf einen "Wärmekorridor" in etwa 500 Meter Tiefe hindeutet, der es Haien ermöglichen könnte, weiter nach Süden vorzudringen als bisher angenommen.

Auch außerhalb des Forschungsteams stießen die Aufnahmen auf Interesse. Peter Kyne, außerordentlicher Naturschutzbiologe an der Charles-Darwin-Universität, der nicht an der Expedition beteiligt war, bezeichnete die Entdeckung als potenziell bedeutenden Nachweis eines Südlichen Schlafhais. "Der Südliche Schlafhai ist die am weitesten südlich vorkommende Haiart, und ich glaube, dies ist der erste Nachweis dieser Art – und überhaupt eines Hais – in der Antarktis selbst", sagte er gegenüber der Presse.

Stachelhai überrascht in La Jolla

Unterdessen begegnete vor der Küste von La Jolla Cove, einem bekannten Tauchrevier bei San Diego, eine Meeresbiologin während eines nächtlichen Tauchgangs einem Stachelhai – einer Art, die normalerweise in mehreren Hundert Meter Tiefe lebt und sich nur selten in küstennahen Gewässern zeigt.

Cali Lingle, Doktorandin an der Scripps Institution of Oceanography, befand sich gemeinsam mit einer Kollegin unter Wasser, als sie den Hai bemerkte. Zunächst hielten die beiden Frauen ihn für einen Siebenkiemerhai, doch die zwei Rückenflossen ließen sie schnell umdenken. "Er schien fast zwei Meter lang zu sein – ein atemberaubender Anblick", schrieb Lingle später auf Instagram. Für Taucherinnen und Taucher gilt eine solche Begegnung als wissenschaftliche Rarität, da Stachelhaie normalerweise in der Dunkelheit der Tiefsee bleiben.

Stachelhaie verdanken ihren Namen den dornartigen Fortsätzen auf ihrer Haut. Die gemächlich schwimmenden Bodenbewohner bevorzugen kalte, tiefere Gewässer und zeigen ein charakteristisches Wanderungsverhalten: Tagsüber halten sie sich meist in großen Tiefen auf, während sie in der Dämmerung in flachere Regionen aufsteigen, um dort nach Beute zu suchen.

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