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Erfolgreiches Projekt Hightech bewahrt Pottwale im Mittelmeer vor Kollisionen mit Schiffen

Ein männlicher Pottwal beim Luftholen an der Meeresoberfläche
Ein männlicher Pottwal beim Luftholen an der Meeresoberfläche
© mauritius images / Reinhard Dirscherl
Pottwale sind im östlichen Mittelmeer stark bedroht – vor allem vom Schiffsverkehr. Nun haben Forschende gezeigt, dass ein Hightech-Ortungssystem Kollisionen verhindern kann

Eine der größten Gefahren für Pottwale im Mittelmeer sind Schiffe. Beim Auftauchen oder Ausruhen kommt es immer wieder zu Kollisionen der friedlichen Giganten mit schnell fahrenden Frachtschiffen. Viele enden mit tödlichen Verletzungen durch den Aufprall oder die Schiffsschraube.

Beispiel östliches Mittelmeer: Rund 30.000 Schiffe durchqueren pro Jahr den Lebensraum der Pottwale. Und jedes zweite Tier, das tot an die Küsten Griechenlands gespült wird, weist Verletzungen durch Schiffe auf.

Möglicherweise nur noch 110 Pottwale im östlichen Mittelmeer

Für die Pottwal-Population im östlichen Mittelmeer ist das existenzgefährdend. Schätzungen zufolge leben hier nur noch 200 bis 300 Tiere. Es gibt aber auch Hinweise darauf, dass sich die Population in den vergangenen Jahren noch einmal halbiert hat. Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft die Pottwale im Mittelmeer inzwischen als "stark gefährdet" ein.

Um die Meeressäuger vor Kollisionen zu schützen, hat die Tierschutzorganisation Ocean Care nun ein Ortungssystem getestet – mit Erfolg. Das berichten Forschende im Fachblatt "Frontiers in Marine Science".

Das Herz des Systems bilden Hightech-Bojen auf hoher See, die die Tiere mit Unterwassermikrofonen anhand ihrer Klicklaute orten und die Position via Satellit melden. Die Daten werden dann in Echtzeit mit den Bewegungen von Schiffen abgeglichen – und an deren Kapitän*innen gemeldet. Die können dann entsprechend von der vorgesehenen Route abweichen und Pottwale sicher umfahren.

Die griechischen Behörden müssen noch zustimmen

Getestet wurde das System in je drei Sommermonaten in den Jahren 2020 und 2021. Nach Angaben der NGO habe es sich dabei als "effektiv und erfolgreich" erwiesen. Selbst bei Entfernungen von bis zu sieben Kilometern habe es nur geringe Unsicherheiten bei der Positionsbestimmung der Wale gegeben.

Besonders dort, wo eine Verlegung der Schifffahrtsrouten nicht möglich ist, sei das System "das fehlende Glied für einen wirksamen Schutz der Pottwale vor Schiffskollisionen", sagt Nicolas Entrup von Ocean Care. Die wichtigste Maßnahme neben der Verlegung von Routen bleibe aber die Drosselung der Schiffsgeschwindigkeiten. Immerhin: "Wir wissen jetzt, dass die Rettung der Pottwale dank dieser bahnbrechenden Technologie machbar ist", sagt Alexandros Frantzis vom Pelagos Cetacean Research Institute.

"Nun liegt der Fokus darauf, die griechischen Behören vom Einsatz des Systems zu überzeugen", ergänzt Nicolas Entrup. "Und die Behörden anderer Staaten, deren Pottwale ähnlichen Risiken ausgesetzt sind."


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