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Ökologie Flusspferde verwandeln ihr Badewasser in einen "erweiterten Darm"

Rund 4000 Flusspferde leben und verdauen entlang des Flusses Mara in Kenia
Rund 4000 Flusspferde leben und verdauen entlang des Flusses Mara in Kenia
© Reise-und Naturfoto / Adobe Stock
In Tümpeln, in denen Flusspferde leben, fanden Forschende die typischen Bestandteile einer Darmumgebung: Bakterien, Schwefelwasserstoff – und enorme Mengen Methan

Flusspferde chillen gerne in Tümpeln. Genau genommen, in Tümpeln, die durch die Fäkalien der Ein- bis Zweitonner völlig verdreckt sind. Die Kolosse finden es offenbar nicht anstößig, sich in das eigene Badewasser zu entleeren – und es so in eine feindliche Umgebung für höheres Leben zu verwandeln.

Forschende haben sich jetzt das Wasser solcher Tümpel genauer angesehen und festgestellt: Es enthält dieselben Bakterien, die auch der Darm der Tiere enthält. Und zwar in so hohen Konzentrationen, dass die Forschenden von einem meta-gut, einem Meta-Darm oder erweiterten Darm, sprechen. Die ausgelagerte Darmflora der Pflanzenfresser könne Auswirkungen auf die Mikrobiome anderer Lebewesen in ihrer Umgebung haben, schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wischenschaftler in ihrer im Fachmagazin "Scientific Reports" erschienenen Studie.

Der Ausgangspunkt der Untersuchungen war eine zunächst rätselhafte Beobachtung: Wie der Hauptautor, Christopher L. Dutton, berichtet, führen Hochwasser entlang des Flusses Mara in Kenia immer wieder zu Fischsterben. Die Ursache: Bei Hochwasser werden auch die höher liegenden Tümpel entlang des Flusses überspült, in denen sich die Flusspferde aufhalten. Mit dem Wasser der Tümpel gelangen enorme Mengen an Fäkalien in den Fluss – wo sie den Sauerstoffgehalt unter kritische Werte sinken lassen und die Kiemen von Fischen verstopfen.

8,5 Tonnen Kot täglich

Die etwa 4000 Flusspferde, die am Fluss Mara leben, produzieren geschätzt rund 8,5 Tonnen Kot täglich. Ihr aquatischer Lebensraum ist im Grunde eine Jauchegrube: Es gibt fast keinen Sauerstoff; stattdessen bilden sich in ihnen – wie in einem Darm – Schwefelwasserstoff und Methan. Die Methan-Konzentrationen im Wasser seien sogar so hoch, schreibt Dutton auf Twitter, dass das Wasser in den USA als "explosiv" klassifiziert werden würde.

Nach einer reinigenden Spülung durch ein Hochwasser, auch das konnte das Forscherteam um Christopher L. Dutton zeigen, stabilisiert sich die "Darmflora" des Tümpelwassers schnell wieder.

Welche Funktion ein solcher "erweiterter Darm" haben könnte – und wie genau er andere Ökosysteme und Organismen beeinflusst –, ist bislang allerdings unbekannt.


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