Wildtiere Eichhörnchen erobern die Städte: Das ist der traurige Grund

Immer mehr Eichhörnchen fühlen sich in Städten wohl. Auslöser der Landflucht ist die Veränderung von Wald, Feld und Flur
Eichhörnchen

Immer mehr Eichhörnchen fühlen sich in Städten wohl

Einst ein scheuer Waldbewohner, sieht man Eichhörnchen immer öfter auch in Großstädten. Die auffällig rostroten Nager mit dem weißen Latz und dem buschigen Schwanz fühlen sich offensichtlich auch im Großstadtdschungel wohl. Beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) sieht man darin einen langfristigen Trend: "Noch in den 60er Jahren waren die Bestände auf dem Land deutlich höher“, sagte die NABU-Biologin Stefanie Zimmer der Presseagentur dpa. „Seitdem verlagert sich der Lebensraum der Tiere auch in die Großstadt hinein."

Für viele Bewohner eng bebauter Siedlungen mit einem Anteil an Buschwerk und Bäumen ist das ein Gewinn. Denn es gibt außer Vögeln nicht viele Wildtiere in der Stadt, die auch noch so unterhaltsam sind. Etwa, wenn sich zwei Artgenossen akrobatisch durch die Baumkronen, um einen Stamm herum oder über eine Grünfläche jagen - oder Nüsse für den Winter verstecken.

Monokulturen treiben Eichhörnchen in die Städte

Das erhöhte Aufkommen hat allerdings einen traurigen Grund: Denn in den sich ausbreitenden Monokulturen und schrumpfenden Mischwäldern des Umlands finden die Tiere immer weniger protein- und fettreiche Nüsse oder Samen. In der Stadt hingegen, vor allem in Parks und Gärten mit abwechslungsreichem, alten Baumbestand, gibt es reichlich davon. "Es gibt immer wieder Hinweise, dass es ihnen in der Stadt sogar besser geht als auf dem Land", sagt die Umweltpädagogin Stefanie Zimmer. Hinzu kommt ein Grund, der auch Vögel immer öfter in bebaute Gebiete zieht: Sie werden gefüttert.

Eichhörnchen füttern - aber richtig!

Die NABU-Expertin rät aber dringend, nur artgerechte Nahrung zu verfüttern – also etwa Hasel- und Walnüsse. Wer Eichhörnchen füttern wolle, so Zimmer, sollte die Nüsse zum Beispiel auf ein Futterbrett legen, das etwas erhöht in einem Baum befestigt ist. So können sich die Kletterer schnell mit ihrer „Beute“ zurückziehen – und werden nicht selbst zu Opfern von Katze, Marder, Habicht und Co.

Die Zufütterung von Vogel, Eichhörnchen und anderen Wildtieren – ob nun im Winter oder ganzjährig –, wird unter Experten kontrovers diskutiert. Eines sollten Vogelfans jedenfalls wissen: Eichhörnchen ernähren sich immer Sommer auch von einer (für geschickte Kletterer) leicht zur Verfügung stehenden Proteinquelle: Eier und Jungvögel. Und je größer die Eichhörnchenpopulation, desto höher das Risiko für Singvögel im selben Revier, ihren Nachwuchs zu verlieren.