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Studie zu Artenvielfalt Bis zu 2200 unentdeckte Fliegen- und Mückenarten in Deutschland

Vertreter ausgewählter Insektenfamilien der "Dark Taxa", die im Rahmen der Studie untersucht wurden (von oben links nach unten rechts): Cecidomyiidae, Phoridae, Sciaridae, und Chironomidae
Vertreter ausgewählter Insektenfamilien der "Dark Taxa", die im Rahmen der Studie untersucht wurden (von oben links nach unten rechts): Cecidomyiidae, Phoridae, Sciaridae, und Chironomidae
© C. Chimeno, SNSB – ZSM
Insektenarten verschwinden nicht nur – es werden auch ständig neue entdeckt. Allein 2200 Fliegen- und Mückenarten warten in Deutschland nach einer aktuellen Studie noch auf ihre wissenschaftliche Beschreibung

Das Artensterben schreitet rasch voran. Bis zum Ende des Jahrhunderts, so fürchten Forschende, könnte weltweit eine Million Spezies vom Erdboden verschwunden sein. Doch gleichzeitig werden immer neue, bislang unbekannte Arten entdeckt. Ein Forschungsteam kommt in einer aktuellen Studie zu dem Ergebnis, dass allein in Deutschland Tausende unbekannte Insektenarten von Blüte zu Blüte surren.

Dabei konzentrierten sich die Forschenden auf nur zwei Gruppen von Insekten, nämlich die Zweiflügler (Diptera) und die Hautflügler (Hymenoptera). Allein in der Gruppe der Zweiflügler, zu denen Mücken und Fliegen gehören, beläuft sich die Zahl der unbekannten Arten der Schätzung zufolge auf 1800 bis zu 2200 Spezies. Wissenschaftler*innen sprechen auch von "Dark Taxa" – gemeint sind damit Spezies, die noch keinen wissenschaftlichen Namen tragen. Zum Vergleich: Insgesamt sind in Deutschland heute rund 9500 Fliegen- und Mückenarten bekannt.

DNA-Sequenzierung ersetzt den Kennerblick

Grundlage dieser Schätzung sind die Ergebnisse eines DNA-Barcoding-Projektes an der Zoologischen Staatssammlung München: Um einen Überblick über die genetische Insekten-Vielfalt in Deutschland zu bekommen, wurden über einen Zeitraum von sechs Jahren 48.000 Insekten eingesammelt und genetisch untersucht. Und zwar an Standorten im Bayerischen Wald, in den Allgäuer Alpen – und auf dem Gelände der Zoologischen Staatssammlung München.

Mit dem Verfahren des DNA-Barcoding lassen sich bekannte Arten zuverlässig und schnell zuordnen – und unbekannte entdecken. "Der hohe Anteil unentdeckter Artenvielfalt in einem vermeintlich gut untersuchten Land hat uns überrascht", sagt Stefan Schmidt von der Zoologischen Staatssammlung München. "Wir kennen in Deutschland etwa 33.000 Insektenarten. Doch unsere Untersuchungen deuten darauf hin, dass es viel mehr Insektenarten bei uns gibt, als wir kennen."

Die Ergebnisse des Münchener Projekts werden in einer globalen Online-Bibliothek sowohl Fachleuten als auch der interessierten Öffentlichkeit frei zur Verfügung gestellt. Ziel ist es, eine Datenbank zu schaffen, die es erlaubt, unbekannte Tiere in Deutschland anhand seiner DNA bestimmen zu können.

Bislang wurden von den Münchener Forschenden schon sogenannte genetische Kennsequenzen von 50.000 Tierarten erstellt.


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