Amsel, Fink und Star Warum wir fast nie tote Vögel sehen

Vögel werden meist nur wenige Jahre alt. Warum sieht man trotzdem nur so wenige tote?
Tote Blaumeise

Seltener Anblick: eine tote Blaumeise

In jedem Frühjahr und Herbst ziehen Hunderttausende von Vögeln über unsere Köpfe hinweg; in der Stadt und auf dem Land leben Drossel, Fink und Star in unserer unmittelbaren Nachbarschaft. Und trotzdem sehen wir nur sehr selten einen toten Vogel – meist Tiere, die gegen Fensterscheiben geflogen sind oder auf der Straße von Autos angefahren wurden. Einen Vogel, der einfach so an Altersschwäche gestorben ist, haben wohl die wenigsten Menschen einmal zu Gesicht bekommen. Warum eigentlich? Schließlich werden Vögel nur in Ausnahmefällen begraben.

Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen werden die meisten Vögel, bevor sie ihr Höchstalter erreicht haben, Opfer eines Beutegreifers. Etwa eines Greifvogels oder einer Katze. In diesem Fall bleibt von dem Federknäuel, das – wie das heimische Goldhähnchen – nur wenige Gramm auf die Waage bringt, nichts übrig. Oder nur ein paar Federn.

Die meisten landen im Magen von Räubern und Aasfressern

Auch verunglückte und sterbende Tiere, die etwa in ein Windrad geraten sind, locken Fleischfresser an. "Man weiß", sagt der Vogelkundler Wolfgang Fiedler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell, "dass ein kleinerer Vogel an einem warmen Tag innerhalb von zwölf Stunden komplett verschwinden kann. Etwa durch Aasfresser oder Käfer, die ihn eingraben." Auch viele alte und kranke Tiere, die sich versteckt haben, verschwinden auf diese Weise fast spurlos.

Aber auch Zufall und menschliche Beobachtungsgabe spielen eine Rolle. "Wir versehen Störche mit Sendern, um ihre Flugrouten verfolgen zu können", sagt Wolfgang Fiedler. "Und ich staune immer, wenn einer mal eine Woche tot herumliegt, ohne entdeckt zu werden. Dabei ist es doch ein schneeweißer, großer Vogel, mitten in der Landschaft."

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