Bosnien Sogar aus dem All sichtbar: Fluss Dirna erstickt im Abfall

Bosnien : Sogar aus dem All sichtbar: Fluss Dirna erstickt im Abfall
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Video: AP, reuters; Bild: getty images
Tausende Quadratmeter groß ist eine schwimmende Müllhalde in Bosnien. Das Drama wiederholt sich jedes Jahr und zeigt die großen strukturellen Probleme in der Region

Es ist so gut wie jeden Winter das Gleiche: Die Regenzeit und die Schneeschmelze führen im Osten Bosniens zu Hochwasser. Doch nicht die Überschwemmungen bereiten der Region starke Probleme, es sind die illegalen Mülldeponien. In vielen ländlichen Regionen Bosniens fehlt eine funktionierende Abfallentsorgung. Häufig wird der Müll illegal flussaufwärts an den Ufern entsorgt. Auch in den Nachbarländern Serbien und Montenegro beseitigen viele ihren der Unrat in der Natur. 

Wenn die Regenzeit kommt, reißen die Wassermassen den Schmutz mit sich, die kleineren verdreckten Flüsse münden in die Drina. Oberhalb der Stadt Višegrad kommt der Strom zum Erliegen, ein Wasserkraftwerk und Staudämme dienen dort als Barriere, sodass sich eine tausend Quadratmeter große Abfallfläche bildet. Der EU-Dienst Copernicus zeigt diese sogar auf Satellitenbildern – ein schockierender Anblick: Die smaragdgrüne Wasseroberfläche ist dicht bedeckt mit Plastikflaschen, Möbelresten, Haushaltsgeräten und sogar medizinischen Abfällen. Die Anwohner sprechen von der „Müllsaison“. 

Eine ökologische Katastrophe  

Die Umweltfolgen sind massiv. Der Müll gefährdet Fische, Vögel und andere Lebewesen, zudem gelangen Schadstoffe und Mikroplastik ins Flusssystem. Die Drina fließt 346 Kilometer durch Bosnien und Serbien. Wenn die Verschmutzung weiter zunimmt, könnte sie sich über die Region hinaus ausweiten.  

Monatelange Abfallbeseitigung 

Jedes Jahr entfernen Arbeiter wochenlang Müll aus der Drina. Anwohnern zufolge wird er in einer Deponie verbrannt, wobei giftige Partikel in die Luft entweichen. Ohnehin leiden die Bewohner von Višegrad, wenige Kilometer von den Müllbergen entfernt, unter einer extrem hohen Luftverschmutzung. 

Um dem Umweltproblem entgegenzuwirken, trafen sich die drei Anrainerstaaten Bosnien, Serbien und Montenegro bereits 2019, allerdings ohne ausschlaggebenden Erfolg. Das Eurasian Research Institute nennt die konsequente Durchsetzung von Abfallgesetzen, den Ausbau der kommunalen Abfallwirtschaft sowie höhere Gebühren zur Finanzierung einer besseren Entsorgung als wichtige Maßnahmen. In einer Analyse forderte die Internationale Kommission zum Schutz der Donau (ICDPR) eine enge Koordination der drei Länder.  

Der Fluss Drina ist eigentlich ein Sommerparadies 

Denn im Sommer schimmert die Wasseroberfläche der Drina smaragdgrün, der Fluss zieht viele Urlauber in die idyllische Region. Die Taraschlucht im Drina-Becken ist die mit 1800 Metern zweittiefste Schlucht der Welt und als UNESCO-Welterbe geschützt. Laut Nachrichtendienst AP zieht es besonders viele Rafting-Begeisterte in das Naturparadies – nur eben nicht im Winter, denn dann verwandelt es sich in einen Müllalbtraum.