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Photovoltaik Wann lohnt sich eine eigene Solaranlage?

Solarstrom vom eigenen Dach lohnt sich vor allem dann, wenn möglichst viel davon selbst verbraucht wird
Solarstrom vom eigenen Dach lohnt sich vor allem dann, wenn möglichst viel davon selbst verbraucht wird
© Alessandro2802 / Adobe Stock
Solaranlagen auf dem eigenen Dach sind immer ein Gewinn für die Energiewende. Ob sie sich auch finanziell lohnen, das hängt von vielen Faktoren ab. Wir erklären die wichtigsten

Inhaltsverzeichnis

Rechnet sich die Anschaffung einer Photovoltaik (PV)-Anlage?

Die Frage ist nicht pauschal zu beantworten. Denn ob und ab wann die Erträge einer Anlage ihre Anschaffungskosten und die Unterhaltung übersteigen, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Dazu zählen die Anschaffungskosten und die Größe der Anlage, die Ausrichtung des Daches, die tatsächlichen Sonnenstunden in einer Region, die Höhe des selbst verbrauchten Strom-Anteils, die Strompreisentwicklung, aber auch die Einspeisevergütung. Interessentinnen und Interessenten sollten sich gründlich informieren, zum Beipiel auf den Seiten der Verbraucherzentrale NRW – und zumindest einen der im Internet angebotenen Kostenrechner ausprobieren, zum Beispiel den der Stiftung Warentest.

Was sich vorab schon sagen lässt: Ein Gewinn für die Energiewende und die Unabhängigkeit von Braunkohle-Strom ist die Elektrizität vom eigenen Dach immer.

Welche Rolle spielt die Einspeisevergütung?

Eine wichtige Größe ist die staatlich garantierte Einspeisevergütung für selbst erzeugten Solarstrom. Sie wird für 20 Jahre festgelegt – und sinkt aktuell im Monatsrhythmus. Der aktuelle Satz von 6,63 Cent pro Kilowattstunde gilt nur für Anlagen, die noch im April 2022 in Betrieb gehen. Die Bundes­netz­agentur legt die Vergütungs­sätze Ende April, Ende Juli, Ende Oktober und Ende Januar jeweils für die folgenden drei Monate fest. Bei den Kalkulationen zur Rantabilität sollte man darum auch die aktuell längeren Installateur-Wartezeiten berücksichtigen.

Kritik an der Erosion der Einspeisevergütung kommt auch vom Umweltbundesamt (UBA). Denn die Kosten für die Errichtung einer PV-Anlage sinken nicht im gleichen Maß wie die staatlich garantierte Vergütung. Anlagen von bis zu 100 Kilowatt, die ab Juni 2022 in Betrieb genommen werden, ließen sich daher kaum noch wirtschaftlich betreiben, warnt das UBA. Und zwar selbst dann nicht, wenn sie teilweise der Eigenversorgung dienen.

Zurzeit (März 2022) plant die Bundesregierung, die Absenkung der Vergütung bis Februar 2023 auszusetzen. Ab 2023 soll sich die Vergütung denn nur noch halbjährlich verringern.

Selbst verbrauchen oder einspeisen?

Eine selbst erzeugte Kilowattstunde kostet im Schnitt rund 14 Cent. Für den Strom vom Energieversorger müssen Kundinnen und Kunden ungefähr das Doppelte berappen. Die Einspeisevergütung dagegen liegt zurzeit (März 2022) nur bei 6,63 Cent für Anlagen mit einer Leistung bis zu 10 kWp (Kilowatt Spitzen­leistung).

Einen großen Teil des erzeugten Stroms selbst zu verbrauchen, lohnt sich also. Wer zusätzlich einen Stromspeicher nutzt, kann den Anteil des selbst verbrauchten Stroms noch wesentlich erhöhen – auf bis zu 70 Prozent.

Welche Rolle spielt die Größe?

Wer die eigene PV-Anlage vor allem unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit betreiben will, sollte groß denken: Je mehr Leistung installiert ist, desto günstiger wird der selbst erzeugte Strom.

Welches Dach ist geeignet?

Die Stellung zur Sonne ist für Solarmodule entscheidend. Perfekt ist eine Dachausrichtung nach Süden und eine Neigung von 30 bis 45 Prozent. Grundsätzlich sind auch andere Ausrichtungen möglich, allerdings verringert sich dann die Strom-Ernte. Ist der Neigungswinkel kleiner als 25 oder größer als 60 Prozent, muss mit Einbußen von zehn Prozent und mehr gerechnet werden.

Was müssen Mieter*innen beachten?

Wer zur Miete wohnt, muss nicht auf Photovoltaik verzichten. Mieter und Mieterinnen sollten aber auf jeden Fall vorher mit den Vermietern abklären, was erlaubt ist. Unabdingbar ist auch für Stecker-Solargeräte eine Außensteckdose, eine moderne Hauselektrik – und selbstverständlich eine sichere Befestigung der Module, zum Beispiel am Balkon.

Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie empfiehlt eine Rücksprache mit dem Vermieter oder der Eigentümergemeinschaft bei der Montage "an oder auf Gemeinschaftsflächen wie Fassaden, Brüstungen oder auf Dächern".

Wo gibt es schon eine Solardach-Pflicht?

Als erstes Bundesland hat Hamburg eine Solardach-Pflicht für Neubauten beschlossen, die ab 2023 in Kraft tritt. Weitere Bundesländer werden folgen. Zwei Jahre später tritt in der Hansestadt dann auch ab 2025 eine Pflicht für Bestandsbauten in Kraft, deren Dach neu eingedeckt wird.

Welche Fördermöglichkeiten gibt es?

Wer Solarstrom selbst erzeugen möchte, kann auf Zuschüsse vom Staat rechnen. Die staatliche Förderbank KfW etwa bietet zinsgünstige Darlehen und zum Teil sogar Zuschüsse an. Voraussetzung ist allerdings, dass der erzeugte Strom zumindest teilweise ins Netz eingespeist wird.

Weitere Förderprogramme haben Kommunen und Bundesländer aufgelegt. Allerdings sind die Mittel wegen der enormen Nachfrage teilweise schon erschöpft, mit längeren Bearbeitungszeiten muss gerechnet werden.

Wichtig: Um KfW-Fördermittel zu erhalten, muss ein Hand­werks­unter­nehmen mit den Arbeiten beauf­tragt werden. Der Antrag auf Förderung muss eingereicht werden, bevor Verträge abgeschlossen werden.

Kann man eine PV-Anlage auch selbst bauen?

Kann man. In einigen Bundesländern werden für kleines Geld Workshops für die Do-it-yourself-PV-Anlage angeboten. Der Vorteil: Das Warten auf den Installateur entfällt. Via Internet werden vermehrt gebrauchte, ältere Module aus Großanlagen angeboten, die immer noch ihren Zweck erfüllen: Untersuchungen haben gezeigt, dass selbst 20 Jahre alte Module immer noch 80 bis 90 Prozent ihrer ursprünglichen Leistung erzeugen können. Einen guten Einstieg ins Thema Stecker-Solaranlagen bietet die Verbraucherzentrale NRW.


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