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Energie-Suffizienz Warum ein geringerer Energieverbrauch den Wohlstand nicht schmälert

Solarenergie
Der Bedarf an zusätzlicher regenerativer Energie könnte geringer ausfallen als bislang angenommen
© agnormark / Adobe Stock
Wie viel Energie brauchen wir für ein gesundes, glückliches Leben? Weniger als wir denken. Das zeigt eine globale Studie der Stanford University

Immer mehr Konsum macht nicht unbedingt immer glücklicher. Das ist inzwischen bekannt. Weitaus weniger erforscht ist die Frage: In welchem Verhältnis stehen der Energieverbrauch und das private Glück zueinander?

Energie steckt in fast allem, was uns heute umgibt. Wir verheizen sie, sie steckt in unseren Nahrungsmitteln ebenso wie in unserer Mobilität, in unserer Bildung ebenso wie in unserem Gesundheitswesen, in unserer Verwaltung und unserer Landesverteidigung.

Mehr Glück geht nicht: Bei 75 Gigajoule ist die "Energie-Suffizienz-Schwelle" erreicht

Ein Forscherteam der Standford University hat nun statistische Daten von 140 Nationen aus den Jahren zwischen 1971 und 2018 ausgewertet. Dabei setzten sie den Pro-Kopf-Verbrauch an Primärenergie in Beziehung zu neun Parametern, darunter Lebenserwartung, Kindersterblichkeit, Glück, Nahrungsmittelversorgung und Hygiene. Das Ergebnis der in der Fachzeitschrift "Ecosphere" veröffentlichten Studie: Zwischen 10 und 75 Gigajoule (GJ) pro Person steigt der individuelle Wohlstand steil an – um sich danach auf einem Plateau zu stabilisieren. Die Forscher*innen sprechen auch von einer Energie-Suffizienz-Schwelle: Ist sie überschritten, bringt ein Mehr an Energie kaum noch eine Verbesserung der Lebensqualität.

Zum Vergleich: Eine mittlere Windkraftanlage erzeugt an einem Tag durchschnittlich 86 GJ oder 24 Megawattstunden (MWh).

Gleicher Wohlstand mit deutlich weniger Energie

Der durchschnittliche weltweite Pro-Kopf-Verbrauch von 79 GJ im Jahr würde demnach – theoretisch – den meisten Menschen ein glückliches und gesundes Leben ermöglichen. Da Energie in den Ländern der Welt allerdings sehr unterschiedlich verfügbar ist, ergeben sich zwei Schlussfolgerungen: Die Menschen im globalen Süden brauchen den Annahmen des Wissenschaftlerteams zufolge für ein gutes Leben weitaus weniger zusätzliche Energie als bislang angenommen.

Auf der anderen Seite könnten Milliarden Menschen in den reichen Ländern des globalen Nordens mit weitaus weniger Energie auskommen, ohne auf Gesundheit und Glück verzichten zu müssen. Ein Beispiel: Im Jahr 2020 verbrauchte jede*r Deutsche rechnerisch 143 GJ. Folgt man den Autor*innen der Studie, ist das fast das Doppelte von dem, was für ein gutes Leben notwendig wäre.

Die Frage der Energie-Suffizienz ist keine rein akademische: Während die reichen Nationen regelmäßig ihre Klimaziele reißen, leben etwa 1,2 Milliarden Menschen ohne Elektrizität. Und 3,5 Millionen Menschen sterben jedes Jahr vorzeitig, weil sie den Rauch von offenen Feuerstellen im Haus einatmen.


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