Karminrote Berghänge, Alpentäler in schimmerndem Violett und elektrisch leuchtendem Pink: Auf den ersten Blick sehen die Landschaftsfotografien von Zak van Biljon manipuliert aus, wie digitale Erfindungen einer künstlichen Intelligenz. Aber die Bilder sind keine Werke technischer Fantasie. Sie zeigen die Wirklichkeit – und beweisen, dass die Welt deutlich reicher und vielfältiger ist, als wir Menschen mit unseren Sinnen erfassen können.
Für einen neuen Blick auf die Wunder in der Natur überschreitet der in der Schweiz lebende Fotograf in seiner Serie "Modernising Nature" bewusst die Grenzen des für uns Sichtbaren: Er zeigt die Landschaften seiner Alpenheimat im Infrarotlicht.
Parallelwelten, für die das menschliche Auge blind ist
Die Technik dafür wurde ursprünglich für militärische Aufklärung und landwirtschaftliche Analysen entwickelt. Die Kamera registriert Wellenlängen zwischen dem sichtbaren Rot und dem thermischen Infrarot – also jenen Bereich von elektromagnetischer Strahlung, der für das menschliche Auge unsichtbar bleibt. Viele Tierarten aber können ihn wahrnehmen: Lachse, Piranhas und Goldfische etwa sehen die Welt auch in Infrarot und nutzen dies für die Jagd unter Wasser. Klapperschlangen und einige Pythonarten erspüren "Ferninfrarot" als Wärmestrahlung und orten so ihre Beute.
Pflanzen reflektieren das rote Lichtspektrum besonders stark. Ihr Blattpigment Chlorophyll absorbiert sichtbares Licht für die Photosynthese. Doch die Zellstruktur der Blätter strahlt langwelliges, "nahes" Infrarot beinahe vollständig wieder ab.
Farbe ist mehr als nur Licht. Sie ist eine Sprache!
Zak van Biljon nutzt dies in seiner Fotografie, um uns als Betrachter herauszufordern und uns einen neuen, modernen Blick auf die Welt zu vermitteln: "Farbe ist mehr als nur Licht", sagt er. "Sie ist eine Sprache." Eine neue Facette der Realität zu erschließen verändert unsere Beziehung zu unserer Umwelt: Es führt uns vor Augen, wie reich die Natur ist. Sie birgt Parallelwelten jenseits der menschlichen Wahrnehmung. "Wir brauchen einen neuen Weg, um die Natur im 21. Jahrhundert zu betrachten", meint van Biljon.
Und so lassen uns seine Bilder vor allem staunen – nicht über Fremdes, sondern über das Verborgene im Vertrauten.