Sif Island Neue Insel vor der Küste der Antarktis entdeckt

Die Hitzewellen in der Antarktis hinterlassen deutliche Spuren. Jetzt entdeckten Forscher eine Insel, die bislang unter Eis verborgen lag
Sif Island

Die neu entdeckte Insel "tarnte" sich bislang mit Resten von Gletschereis

Schon zum dritten Mal in diesem antarktischen Sommer erlebt der Südkontinent eine extreme Hitzewelle. Mit ungewöhnlichen Folgen: Forscher entdeckten mit einem Expeditionsschiff eine Insel, die noch auf keiner Karte eingezeichnet ist.

Der Grund: Sie lag bislang unter der dicken Eisschicht des Pine Island Gletschers. Und der gehört zu denjenigen Gletschern der Antarktis, die am schnellsten an Masse verlieren: In jedem Sommer geht mehr Eis im Meer verloren, als von der Landseite nachrücken kann. Erst kürzlich, Anfang Februar, war ein Eisberg von der doppelten Größe Washingtons abgebrochen.

Sif Island

Der Granit des Untergrunds wurde über Jahrhunderte vom Gletscher rundgeschliffen

Zu der Entstehung der Insel könnte auch ein geologischer Effekt beigetragen haben: Dutzende Meter dicke Eispanzer senken durch ihr schieres Gewicht den Grund ab. Schmelzen sie, hebt er sich wieder.

Eine solche schnelle Hebung, erklärt Lauren Simkins von der University of Virginia in Charlottesville in der Online-Ausgabe des Magazins "nature", könne dazu führen, dass das Eis der Antarktis-Gletscher schneller zerbricht. Andererseits könne es Eismassen aber auch festhalten und am Abdriften in das offene Meer hindern.

Sif Island besteht aus vulkanischem Gestein

Entdeckt hatten die unbekannte Insel Forscher des Projekts Thwaites Offshore Research (THOR) bei einer Erkundungsfahrt durch die abgelegene Pine Island Bay. Das Eiland, das aus abgeschliffenen Granitblöcken besteht, tauften sie Sif – nach der Frau des Donnergottes Thor der nordischen Mythologie.

Das Team entnahm Gesteinsproben und erhofft sich nach Abschluss der Expedition Aufschlüsse über die geologischen Bewegungen des Kontinents. "Wir waren die ersten Besucher", twitterte die Geologin Julia Wellner, "und können bestätigen, dass die Insel aus Granit besteht, mit Resten von Gletschereis bedeckt und von einigen Robben bewohnt ist."

Forscher beobachten zurzeit vor allem auf der Antarktischen Halbinsel extreme Temperaturen und Schmelzwasserteiche. Am 9. Februar las das Team der argentinischen Forschungsstation Marambio eine Temperatur von 20,75 Grad Celsius vom Thermometer ab – erstmalig in der Geschichte der Wetteraufzeichnungen in der Antarktis.

Die jüngsten Hitzeperioden passen ins große Bild. Allein in den vergangenen 50 Jahren hat sich die Halbinsel um rund drei Grad Celsius erwärmt. Und 2019 war das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.