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Sprache Warum verschiedene Völker unterschiedlich viele Begriffe für Farben haben

Das menschliche Auge kann unzählbar viele verschiedene Farben erkennen. Und dennoch haben wir nur wenige Worte, um sie zu beschreiben. Wir erklären, wieso das so ist und warum es dabei sogar Unterschiede in den verschiedenen Sprachen gibt
Farben international

Warum haben Völker unterschiedlich viele Begriffe für Farben?

Weil die Entwicklung von Sprache davon abhängt, worüber wir uns unterhalten (müssen). Obwohl das Auge unzählige verschiedene Farben erkennen kann, verwenden wir nur eine begrenzte Anzahl von Wörtern für sie. Während englischsprachige Menschen durchschnittlich mit elf Farbbegriffen klarkommen, kennt die indigene bolivianische Sprache Tsimané nur schwarz, weiß und rot.

Eine gängige Theorie aus den 1960er Jahren besagt, dass Schwarz, Weiß, Rot besonders auffällig und wahrnehmbar für das Auge sind und daher vor allen anderen einen Namen erhalten. Dass also insbesondere unser angeborenes Sehvermögen eine Rolle spielt, wenn es um die Entwicklung unseres Farbvokabulars geht.

Doch die US-Neurowissenschaftler Edward Gibson und Bevil Conway haben eine andere Erklärung gefunden. Sie gehen davon aus, dass Farbdefinitionen wichtig für eine effiziente Kommunikation sind und vor allem kulturelle Gründe haben. Und in einer industrialisierten Welt mit variantenreichen Farbpaletten am Computer und für Gegenstände werden mehr Begriffe gebraucht.

Gibson und Conway überprüften das in mehreren Schritten. Zunächst legten sie Angehörigen verschiedener Sprachen (Tsimané, Englisch und Spanisch) eine Tabelle mit 80 Farben vor. Die Probanden mussten diese beschreiben, sodass ein Gegenüber sie identifizieren konnte. Die Beschreibung von warmen Farben wie Rot, Gelb, Orange gelang den Testpersonen deutlich leichter und präziser als die von kalten Blau- und Grüntönen. Eine Analyse des World Colour Survey, der systematisch Begriffe aus 110 Sprachen erfasst, bestätigte, dass die warmen Töne über die Kulturen hinweg genauer beschrieben werden als die kalten.

Als Nächstes werteten die Forscher das Vorkommen der 80 Farben anhand eines Datensets von 20.000 Fotos aus. Mit diesem Set lernen Computer, Objekte und Hintergründe zu unterscheiden. Erstaunlich dabei: Über Objekte mit warmen Farben reden wir wesentlich häufiger. Eine mögliche Erklärung ist, dass Objekte, die uns intensiv beschäftigen, eher in warmen Farben gehalten sind: Menschen, Tiere, die Orange am Baum oder das Blut einer Wunde.

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