Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben.
Reisebericht: 28 Tage in Argentinien
Wenig Zeit, viel Wasser und eine neue Liebe!
Mensch, bin ich beliebt in Argentinien! Wo man hinschaut, überall hängen Poster mit der Aufschrift 'Cristina for President'! Nun ja, ich war zwar noch nie Präsidentin, aber wenn die Argentinier das wollen - bitte schön, das kriegen wir auch noch hin! Die Ernüchterung folgte den nächsten Tag, als wir aus den Nachrichten erfuhren, dass die letzten Monate in Argentinien ein harter Kampf um das neue Präsidentschaftsamt herrschte. Mit 45,29 Prozent der Stimmen ging Cristina Fernandez de Kirchner aus dem Rennen hervor. Seit 28. Oktober regiert also - ebenso wie in Chile - eine Frau das Land. In Argentinien scheiden sich jedoch wieder einmal die Geister. Erstes Manko: es ist eine Frau! Zweites Manko: es ist die Frau des vorherigen Präsidenten Nestor Kirchner. Am Anfang seiner Präsidentschaftszeit von 2003 bis 2007 erzielte Kirchner außergewöhnlich hohe Umfragewerte, doch nach und nach kam Kritik an seiner Amtsführung auf. Vorgeworfen wurden ihm unter anderem undemokratisches Verhalten, Einschränkung der Pressefreiheit (Entlassung von Journalisten, Programmverbote), Drogenhandelskandale und Korruption.
Das Wahlergebnis entschied zwar eindeutig für Cristina Kirchner, doch es war geographisch sehr uneinheitlich. Während sie in Patagonien und im Norden des Landes Stimmenanteile von mehr als 70% erhielt, belegte sie in den drei größten Städten des Landes - Buenos Aires, Cordoba und Rosario - lediglich Platz 3. Die Bevölkerung ist also skeptisch und die Zeit wird zeigen, ob sie das Land weiter vorwärts bringen kann. In einem Interview äußerte sie, dass die „Wiedererlangung unseres Selbstwertgefühls, Arbeit und Arbeitsplätze' die größten Ziele seien. Immer wieder verweist sie dabei auf Deutschland. Nun gut, hoffen wir einmal, dass den Argentiniern Hartz IV-Reformen erspart bleiben!
Argentinien ist der achtgrößte Staat der Erde mit ca. 40 Millionen Einwohnern, 60% davon wohnen im zentralen Teil des Landes, also in der Stadt und Provinz Buenos Aires - übrigens nach Sao Paulo der zweitgrößte Ballungsraum Südamerikas -, sowie in den Provinzen Cordoba und Santa Fe. Argentinien gehörte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem der reichsten Länder der Welt, wurde jedoch zwischen 1998 und 2002 von einer schweren Wirtschaftskrise heimgesucht. 2001/02 kollabierte das Finanzsystem des Landes und nach dem Rücktritt des damaligen Präsidenten Fernando de la Rua folgte eine Periode großer politischer Instabilität. Das Bruttoinlandseinkommen Argentiniens sank um insgesamt 21%, viele Argentinier verloren ihre sämtlichen Ersparnisse; die Armutsrate stieg auf 57%; die Arbeitslosenrate erreichte 23%. Auch wenn die Auswirkungen der Krise bis 2005 spürbar waren, erholt sich die Wirtschaft des Landes langsam wieder. Touristisch gesehen machte die Argentinien-Krise das Land für Reisende wieder sehr erschwinglich. Lediglich an den Geldautomaten wird man immer wieder an jene schweren Jahre erinnert. Nach wie vor kann man lediglich 320 Argentinische Pesos abheben, das sind umgerechnet knapp 70 Euro (Stand 12/2007).
Lesezeichen für diesen Reisebericht setzen bei ...
-
Mister Wong
-
Google Bookmarks
-
YiGG
-
del.icio.us
-
Digg
-
StumbleUpon
-
Magnolia
-
Webnews
Bookmark in Ihrem Browser speichern Schließen