Malaysia Diese Gasse in Kuala Lumpur ist (noch) ein Geheimtipp

Menschen in der Petaling Street in Kuala Lumpur
Nahe der Petaling Street verbindet eine Seitenstraße traditionelles Markttreiben mit moderner Street-Art in Kuala Lumpur
© Genevieve Tan Shu Thung/dpa-tmn
Abseits der Wolkenkratzer lockt eine kleine Nebenstraße im Bezirk Chinatown mit nostalgischem Charme – und bleibt bislang vom großen Trubel verschont 

Die berühmte Petaling Street ist das Herzstück von Chinatown in Kuala Lumpur – und längst ein beliebter Instagram-Hotspot. Rote Laternen über Marktständen, malaysische Delikatessen, halb zerfallene "Shophouses" und Selfie-Jäger vor Street Art: Das alles ist ein faszinierender Kontrast zu den modernen Wolkenkratzern der Glitzermetropole mit dem 679 Meter hohen Merdeka 118 oder den ikonischen Petronas-Zwillingstürmen.

Doch versteckt dahinter liegt ein schmales Gässchen, das lange nur als Abkürzung zum Markt diente – heute aber als atmosphärischer Geheimtipp in Kuala Lumpurs Chinatown gilt. Einst als "Drury Lane" bekannt, erstrahlt sie inszwischen nach jahrelanger Restaurierung als "Jalan Sang Guna" in neuem Glanz. Sie gehört zu den ältesten Siedlungsgebieten der Stadt und ist als Teil des pulsierenden Basarviertels ordentlich aufpoliert worden. 

Anspielung auf Theaterstraße in London

Historikerinnen und Historiker führen ihren Spitznamen "Drury Lane" auf das späte 19. und frühe 20. Jahrhundert zurück, als hier provisorische Theater und chinesische Opernbühnen standen – eine Anspielung auf Londons berühmte gleichnamige Theaterstraße in Covent Garden. Später kamen ein kleines Kino, Garküchen und ein Markt hinzu, sodass die Gasse zu einem typischen Alltagsort mit Gemüseständen, Geflügelhändlern und einfachen Läden wurde. Die Theaterromantik wich damit dem Geruch von Fisch und Gemüseabfällen.

Street Art Santana San Francisco
© Solvejg Hoffmann / GEO.de
Street Art in San Francisco

Mit dem Boom moderner Hochhäuser ringsum geriet sie zunehmend in Vergessenheit und so verfiel mit der Zeit auch die Bausubstanz. Viele Geschäfte schlossen, und die Gasse verkam zur reinen Service- und Lieferzone hinter den touristischeren Straßen wie der Petaling Street. Hinzu kamen mangelhafte Entwässerung und häufige Überschwemmungen, die Besucher eher abschreckten als anzogen.

Sanfte Aufwertung

Im Jahr 2019 startete dann ein umfassendes Aufwertungsprojekt, getragen von Stadtverwaltung, Stadtentwicklern und lokalen Initiativen, das Infrastruktur, Erscheinungsbild und Nutzungen der Gasse gleichzeitig in den Blick nahm. Und so wurde in den vergangenen Jahren die Jalan Sang Guna schrittweise und aufwendig instand gesetzt. 

Entwässerungssystem und Bodenbelag wurden erneuert, Fassaden repariert und in gedeckten, historischen Farbtönen neu gestrichen, während Straßenbeleuchtung und Möblierung auf den Maßstab der schmalen Lane abgestimmt wurden. Das Wellblechdach des früheren Marktes wurde entfernt, sodass nun wieder Sonnenlicht auf die über 100 Jahre alten Geschäftshäuser fällt, die in Pastellfarben erstrahlen. 

Wandgemälde und trendige Cafés

Heute verbindet die Gasse Geschichte, Streetfood und kreative Szene auf engem Raum. Originale Holzbalken und Tonziegel auf den Dächern blieben erhalten. Kopfsteinpflaster, Nostalgie-Lampen sowie Wandgemälde und Informationstafeln erzählen von Theaterzeiten und Markttagen. Im Inneren der bunten Häuschen warten trendige Geschäfte. "Die Gasse hat kaum noch Ähnlichkeit mit dem düsteren Durchgang, der sie einst war", schrieb das Nachrichtenportal "Malay Mail" kürzlich. 

Streetart in China Town in Kuala Lumpur in Malaysia
Der Bezirk Chinatown in Kuala Lumpur ist bekannt für seine Street Art
© Anthony Shaw Photography / Adobe Stock

Wer heute vom Trubel der Petaling Street herüberbummelt, steht plötzlich in einer ruhigen Passage mit Bänken und gedämpftem Straßenlärm. In einigen der alten Ladenlokale haben Boutique-Cafés eröffnet, darunter das Drury Heritage Café, das alte Dachbalken und Holzdetails integriert und auf ein bewusst malaiisches, warmes Design setzt.

Dazwischen erinnern noch einfache Geschäfte und der Zugang zum Markt daran, dass dies immer auch Arbeits- und Versorgungsraum für die Nachbarschaft war. Viele Besucher entdecken die Gasse zufällig, wenn sie aus Neugier beim Bummeln dem Weg in die Straße folgen – und erleben sie eher als stille Kulisse zum Durchatmen, nicht als überlaufene Sehenswürdigkeit.

Ein Mann verkauft traditionelles Street Food in Kuala Lumpur
An vielen Imbissständen in Chinatown wird traditionelles Street Food verkauft
© Elena Ermakova / Adobe Stock

Die Behörden haben rund um die Petaling Street zudem farbenfrohe Murals anbringen lassen, um neue Instagram-Motive zu schaffen – ganz in der Nähe der ikonischen Wolkenkratzer.  Bisher ist die charmante Seitenstraße noch ein Geheimtipp – die meisten Besucherinnen und Besucher verirren sich eher zufällig hierher.

sho

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