Reisebericht

Reisebericht: Nationalpark Gesäuse, Steiermark

Reisebericht: Nationalpark Gesäuse, Steiermark

Im Herbst 2011 unternahmen wir eine Reise in die Steiermark mit zwei Stationen, dem Nationalpark Gesäuse und der Oststeiermark. Hier soll von der Umgebung Admonts die Rede sein, eine Landschaft Österreichs, die ein paar Besonderheiten bietet.

Seite 3 von 3

Bergsteigerfriedhof Johnsbach

 
 
 
 
 

(15 Stimmen)

(Zum Bewerten bitte anmelden)

Als wir das Johnsbachtal hinauf fuhren, suchten wir nach einem Wanderweg, der keine besonderen Anforderungen an untrainierte Flachländer stellt. Schon beim unteren Parkplatz an der Enns konnten
wir drei Gruppen Jugendlicher beobachten, die sich für eine Bergtour mit Führer bereit machten, Helme trugen, Seile und Karabinerhaken bereit hielten, nur das Schuhwerk sah nicht immer angemessen aus.

Zwischen mächtigen Felswänden hindurch gelangten wir, wie durch ein riesiges schützendes Tor zum Ort Johnsbach, der in einem weiten grünen Tal, umstanden von den Bergen des Gesäuses, so dass wir sofort verstanden, warum dies ein Bergsteigerdorf ist.

Wir sahen auch gleich weitere Gruppen Kinder, die sich zum Klettern bereit machten. Da es früher Morgen war, also eigentlich Schulzeit, nahmen wir an, es gehört hier zum Sportunterricht. Da wächst
die nächste Generation Bergsteiger heran. Wenn auch nicht alle, so werden doch einige Gefallen
daran finden. Das Gesäuse hat nicht umsonst den Beinamen „Hochschule des Bergsteigens“, es gibt hier offenbar sehr schwierige und somit für Bergsteiger reizvolle Touren.
Wie schwierig sie sein können und somit auch lebensgefährlich, erfuhren wir sogleich an Ort und Stelle auf dem Bergsteigerfriedhof. Über 500 Namen sind hier verzeichnet von Menschen, die seit 1810 ihr Leben in den Bergen gelassen haben. An den Friedhofswänden waren auch Tafeln zu sehen von bis heute Vermissten. Mit dem wunderschönen Blick auf den Großen Ödstein, der angesichts der vielen Gräber nun ein wenig unheimlich wirkte, ging ich betroffen durch die Reihen. Auf den Grabsteinen und Kreuzen sind Hinweise zu finden, wo und wodurch die meist sehr jungen Menschen in dieser Bergregion ums Leben kamen. Mehr als einmal war es ein plötzlicher Wetterumschwung, Kälteeinbruch, Schneefall, Eis aus kurz zuvor heiterem Himmel, der zum Tod im Berg führte. Mein sowieso schon großer Respekt vor den Bergen wuchs hier noch einmal angesichts der herzzerreißenden Schicksale. Es waren ja alles junge und gesunde, tatkräftige und ausdauernde Menschen, deren Leben durch den Drang, die Berge zu besteigen, beendet wurde. Ich sah auf einem Familiengrab, dass Mann und
Tochter einer Frau in den Bergen umkamen, während sie selbst 94 Jahre alt wurde.

Einer der Gesäuse-Berge heißt Totenköpfle, ich habe drei „Opfer“ dieses Berges hier gefunden. Sie
sind sich des Risikos bewusst, die Bergbegeisterten, und gehen es dennoch ein.

Welche Leidenschaften treiben die Menschen an, dafür alles aufs Spiel zu setzen. Sehr nachdenklich verließen wir die letzte Ruhestätte zwischen den Bergen. Die Zahl der Unglücke mit tödlichem Ausgang scheint rückläufig zu sein, das Material ist besser geworden, die Ausbildung wohl auch, wie wir eingangs gesehen hatten.

Wir wählen anschließend einen leichten Almenweg. Nicht nur die versierten Bergsteiger verunglücken, häufig auch unbedarfte, leichtsinnige Touristen, die ihre Kräfte über- und die Bergwelt unterschätzen.






 
 
 
 
 

(16 Stimmen)

(Zum Bewerten bitte anmelden)



 
Machen Sie aufmerksam auf diesen Reisebericht!
Das könnte Sie ebenfalls interessieren
Verwandte Reiseberichte
Im August in der Steiermark  Österreich: Oberspitz | von Elisabetta | Ø Bewertung: 4.5
Fürstlich erholen im Gröbminger Land   Österreich: Gröbming | von Gerd-Krauskopf | Ø Bewertung: 4.9
Ausseerland - Entdeckungen zwischen Steinsalz...  Österreich: Bad Aussee | von Gerd-Krauskopf | Ø Bewertung: 5.0
Kommentare
  • agezur 17.02.2012 | 21:26 Uhr

    Eine kleine Hymne ans Gesäuse - ich kann nur einstimmen! Dein Bericht ist eine Einladung an alle denen Natur und Bergwelt etwas bedeutet.
    Danke!
    LG Christina

  • Christa60 18.02.2012 | 18:17 Uhr

    Nationalpark Gesäuse - ein Gebiet, welches noch nicht vom Massentourismus verschandelt wurde. Christa

  • ingepeter (RP) 18.02.2012 | 18:36 Uhr

    Liebe Erika, es freut mich sehr, dass Dir diese Gegend so gefällt. Nach meinem ersten Besuch vor vielen Jahren muß ich regelmäßig immer mal wieder dorthin. Es ist einfach wunderschön ruhig, wenig touristisch und das zu jeder Jahreszeit. Sicherlich hast Du in Admont neben der Fliegensammlung auch die bemerkenswerte Bibliothek besucht.
    Ein paar Fotos von Admont habe ich hier auch schon einmal veröffentlicht (Bild 364,369 - 372) u.a. und es finden sich auch noch ein paar andere Liebhaber dieser Landschaft hier in der RC. Danke für Deinen schönen Bericht - Gruss Inge

  • Karu24 18.02.2012 | 18:50 Uhr

    Oh ja, über die Bibliothek sollte ich auch unbedingt noch berichten. Kann ich das noch hinzuzfügen?

  • agezur 18.02.2012 | 18:56 Uhr

    Hallo Erika!
    Ja das geht ganz einfach - Bericht bearbeiten und an der gewünschten Stelle weiterschreiben (Oder einen Tipp zusammenstellen und zum Bericht verlinken)
    Ich freu mich auf die Ergänzung!
    LG Christina

  • Karu24 18.02.2012 | 19:07 Uhr

    Danke, das mache ich gleich.

  • Karu24 18.02.2012 | 19:39 Uhr

    Wie verlinke ich denn den Tipp Schloss Röthelstein als Unterkunft mit meinem Bericht. Ich finde einfach nicht den Schalter dafür. Wäre dankbar für einen Hinweis.

  • nach oben nach oben scrollen
  • Karu24 18.02.2012 | 19:44 Uhr

    Sorry, ich habe es gefunden. Wieder was dazu gelernt.

  • Blula 19.02.2012 | 19:10 Uhr

    Die schöne Oststeiermark, das Gesäuse und das berühmte Kloster Admont sind wohl ein Begriff für mich, jedoch kennengelernt habe ich diese Landschaft und ihre Sehenswürdigkeiten bisher leider noch nicht. Das soll sich ändern!!
    Vielen Dank für Deinen sehr guten Bericht.
    LG Ursula

  • ingepeter (RP) 19.02.2012 | 20:17 Uhr

    Hallo Erika, super Dein Nachtrag! Ich hatte das Glück in einem unbeobachteten Moment
    doch ein Foto mit meiner Kamera (ohne Blitz) zu stehlen. Es ist sicherlich auch darum eines meiner Lieblingsfoto, doch werde ich mich hüten es zu veröffentlichen. Sicherlich ist es auch richtig, zum Schutz der wertvollen Inventrien, das Fotografieren zu verbieten.
    Du hast übrigens sehr genau hingeschaut, den Teufel mit der Brille haben viele Besucher nicht selbständig entdeckt. Gruss Inge

  • fevi27 (RP) 24.02.2012 | 16:26 Uhr

    Schöner Bericht, ich kann deine Liebe für das Gesäuse und Stift Admont, vorallem die Bibliothek und der Kräutergarten nur teilen. Und für alle begeisterten Mountainbiker gibt es unzählige Höhenmeter zu bewältigen, wunderschöne Ausblicke und Abfahrten. Ein tolles Stücken Steiermark. Danke für den virtuellen Kurzurlaub. Alles liebe Eva

  • Zaubernuss 26.02.2012 | 05:54 Uhr

    Liebe Erika
    Ganz begeistert bin ich über Deinen schönen Bericht, der mich sehr bereichert hat. In der Oststeiermark war ich noch nie, aber dies kann sich ja noch ändern... Schön auch, wie Du über die Fliegensammlung, die Bibliothek und das Stift Admont geschrieben hast. Solche Reiseberichte helfen, mit wachen Sinnen die Schönheiten dieser Welt aufzunehmen.
    LG: Ursula

  • moho 26.02.2012 | 09:13 Uhr

    Da müßte ich glatt beim nächsten Weg an die Salza, mit den Schifferl aufm Autodach einen größeren Stop an Kummberbrücke und Gesäuse einlegen :-)
    Würde sich lohnen, wenn ich deinen Bericht lese. Aber ich bin mir sicher, daß der Weg zum Bach kürzer sein wird.
    Paddeln!
    LG Moni

  • nach oben nach oben scrollen
  • Karu24 28.02.2012 | 15:20 Uhr

    Das Gesäuse liegt in der Obersteiermark, um das richtig zu stellen, was ich etwas missverständlich in der Überschrift formulierte. Die Oststeiermark haben wir danach besucht. Bericht folgt.
    @Moho: Ob die Enns zu bepaddeln ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Da ich keine Bootsführerin bin, kann ich nicht sagen, ob diese trudeligen, schäumenden Stellen über den Felsen an den engen Stellen mit einem Boot zu bewältigen sind. Ich würde es mich jedenfalls nicht trauen.
    Danke an alle für das Interesse. Die Oststeiermark folgt noch.

  • moho 28.02.2012 | 16:39 Uhr

    @Karu24
    das ist eine klasse Kataraktstrecke :-) LG Moni

  • Christa60 05.03.2012 | 19:41 Uhr

    Rafting ist im Gesäuse angesagt, Paddeln, eher nicht.

  • Pinky3 14.12.2012 | 15:57 Uhr

    ........sehr interessanter und informativer Beitrag mit wunderschönen Bildern...........lg Gaby

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben.

Nationalpark Gesäuse, Steiermark 4.81 16