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Mopedreise Hamburg - Kapstadt
In 248 Tagen fuhr Florian Rolke von Hamburg bis Kapstadt mit einem 30 Jahre alten Moped. Unterwegs wurde er fast ständig überholt – und begeistert angefeuert. Von seinem Abenteuer berichtet er im Interview

GEO.de: Herr Rolke, sind Sie zum Interview mit der Schwalbe angereist?
Florian Rolke: Nein, heute bin ich mal zu Fuß gegangen.
Nach etlichen Kilometern, Schotterpisten und endlosen Straßen: Wie geht es Ihrem Rücken?
Sehr gut. Ich hatte die ersten zehn Tage zwar ziemliche Rückenschmerzen, aber eigentlich nur, weil es damals in Deutschland kalt war, und ich ständig die Schultern nach oben zog. Aber als es wärmer wurde, und ich mich an das Fahren gewöhnt hatte, ging es gut – ohne Rückenschmerzen.
Wieso kamen Sie überhaupt auf die Idee so eine Wahnsinnsstrecke mit einem Moped zu fahren?
Ich wollte schon immer mal eine längere Reise machen, eine, die mich bis an ein Ende führt. Ich war auf meinen vorherigen Touren immer enttäuscht, wenn an einer Grenze die Reise aufhörte. Der Plan bis ans Ende von Südafrika zu reisen stand also fest. Dann habe ich überlegt, wie ich da wohl hinkommen könnte. Mit dem Auto war es mir zu teuer, für eine Fahrradreise war ich zu faul, und so bin ich auf die Schwalbe gekommen.

Sie sind vorher gar nicht Moped gefahren?
Nein, das 30 Jahre alte Simson Schwalbe Moped hatte ich mir etwa ein halbes Jahr vor der Abreise auf Ebay ersteigert. Für 200 Euro, ein Gerät für Bastler. Netterweise hat mir der Schwalbe Club der IG IFA Güstrow an einem Wochenende das Schrauben beigebracht. Ohne deren Hilfe hätte ich gar nicht gewusst, wo ich anfangen soll. Wir haben Technik gebüffelt und danach fühlte ich mich einigermaßen gut vorbereitet.
Mit Ihrer Reise wollten Sie auf das HIV/Aids-Projekt von Plan International in Uganda aufmerksam machen. War das von Anfang an so geplant?
Ich habe vorher bei Plan International gearbeitet und gemerkt, wie viel Interesse meine geplante Tour in meinem Umfeld weckt. Und dann habe ich beschlossen, diese Aufmerksamkeit für einen guten Zweck zu nutzen.

Ihre Reise wurde also gesponsert?
Ich habe meine Ersparnisse geplündert - und hatte aber auch einige Sponsoren. Etwa 5000 Euro hatte ich auf dem Konto und bin mit rund 20 Euro pro Tag ausgekommen. Viele Nächte habe ich im Zelt verbracht. Das kostete nicht viel. Ich war zwar letztlich länger als die geplanten 200 Tage unterwegs, glücklicherweise hat das Geld trotzdem gereicht.
Wie viel Gepäck hatten Sie dabei? Einen Haufen Ersatzteile vermute ich.
Ich hatte schon viele Teile dabei. Zwei Räder, Lager, Dichtungen, Ersatzkette und Zylinder. Mit Zelt, Kochgeschirr und Ersatzkanister kam ich auf insgesamt 50 Kilo. Was viel zu viel war. Vor allem am Berg und im Schlamm bin ich teilweise nur noch Schritttempo gefahren.

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Wie haben Sie Ihre Strecke geplant?
Ich habe mir immer ein Tagesziel gesetzt, einen Ort, den ich gerne erreichen wollte. Das hat jedoch nicht immer geklappt. Manchmal bin ich auch einfach länger geblieben. Die längste Zeit in Kenia, wo mich Freunde aus der Heimat besucht haben. Das Projekt von Plan in Uganda habe ich auch länger besucht. Ansonsten hatte ich aber den festen Plan, unter einem Jahr Kapstadt zu erreichen. Das hat ja auch geklappt.
Wie war es für Sie, die ganze Zeit allein auf Ihrem Moped zu sein? Wird das nicht etwas langweilig?
Gar nicht! Man freut sich meist über das, was man gerade sieht. Ich musste mich manchmal richtig kneifen, um zu begreifen, dass ich diese ganze Strecke mit dem Moped gefahren bin. Und habe mich immer wieder gewundert, wohin man es damit überall schaffen kann. Unterwegs ist man außerdem damit beschäftigt zu fahren. Horcht, was das für Geräusche an der Schwalbe sind. Fragt sich, ob der Sprit reicht. Manchmal bin ich auch mit anderen gefahren. Allerdings war das schwierig. Für Radfahrer war ich zu schnell, für Motorradfahrer zu langsam. Das Alleinfahren hat mir aber nichts ausgemacht. Es hat mir sogar gefallen und hat Vorteile. Man kann Entscheidungen treffen ohne Absprachen und wird auch von den Leuten am Wegesrand anders wahrgenommen?

Wie denn?
Man kann leichter Kontakte knüpfen. Die Reaktion der Leute auf mich war immer positiv. Jeder hat erstmal ungläubig geguckt, wenn ich erzählt habe, wo ich gestartet bin. Auf der Straße haben mich viele regelrecht angefeuert. Vor allem bergauf. Dort bin ich immer überholt worden. Von den Autos und Lastwagen sowieso, aber auch von den Radfahrern, die sich in Afrika meist an die LKWs hängen. Beim Vorbeifahren haben mir alle immer lachend zugewunken.

Sind Sie unfallfrei bis ans Ziel gekommen?
Zum Glück ja. Nur einmal bin ich haarscharf an einem vorbeigeschlittert. In der Türkei hat mir ein Auto die Vorfahrt genommen und mich um einen Zentimeter verfehlt. Und beim Überholen fahren Autos immer sehr dicht an einem vorbei, ich musste sehr aufpassen. Einige Male bin ich gestürzt, aber passiert ist mir nichts.
Hat Sie die Schwalbe mal im Stich gelassen?
Nicht ein einziges Mal. Zumindest nicht mitten im Nirgendwo. Ich hatte drei bis vier Mal richtige Probleme mit der Schwalbe, aber es hat immer gereicht, um bis zum nächsten Ort weiterfahren zu können. Und insgesamt hatte ich nur sechs Platten. Selbst die zwei Ersatzreifen hätte ich nicht unbedingt austauschen müssen, aber da ich sie schon dabei hatte, habe ich sie dann auch irgendwann aufgezogen.
Haben Sie die Schwalbe wieder mit nach Hause genommen?
Na klar. Ich habe sie verschiffen lassen - und nach dem Abholen sprang sie direkt an.
Florian Rolke (32) lebt in Hamburg und ist derzeit auf Jobsuche. Während seiner Reise hat er regelmäßig einen Blog mit vielen Berichten und Fotos geschrieben. Auch über das HIV-Projekt von Plan International kann man sich darin näher informieren - und für das benötigte CD4-Analyse-Gerät spenden.
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