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Hatschepsut: Die Frau, die Pharao war
Eine bisher unbeachtete Mumie entpuppte sich jüngst als Hatschepsut, die legendäre Herrscherin über das alte Ägypten. GEO.de stellt sie vor
Pharao zu sein, das war das gewaltigste, das heiligste Spiel unter der Sonne Ägyptens. Der Pharao war der Sohn der Sonne. Er sprach mit den Göttern, er ließ den Regen fallen und den Nil fruchtbar über die Ufer treten. Denn er stand für "maat", die göttliche Wahrheit, die Ordnung aller Dinge. Als Mann. Mit Bart und mit Hoden. Stets ging die Herrschaft über vom Vater auf den Sohn oder einen engen Vertrauten - oder auch Konkurrenten. Auf jeden Fall aber vom Mann auf den Mann - und zwar endgültig dann, wenn der alte Pharao starb und seine Jenseitsreise antrat, um sich mit Osiris zu verbinden, dem Herrscher des Totenreichs.
Herrschaft in Altägypten war Männersache
So geschah es auch im Jahre 1479 v. Chr., als Pharao Thutmosis II. starb: Sein Sohn Thutmosis III. folgte ihm nach. Doch dann riss ein anderer die Macht an sich. Pharao Maatkare. So jedenfalls lautete sein Thronname: "Gerechtigkeit und Lebenskraft, ein Re". Das Grab von Pharao Maatkare im Tal der Könige ist halb verschüttet, seine Mumie verschollen, und die Hieroglyphen seines Namens sind von Obelisken geschlagen, auf Tempelwänden ausgekratzt und von Säulen geschabt worden. Für mehr als 3000 Jahre ist er aus der Geschichte verschwunden. Denn Maatkare, der Gott gewordene Mensch, war eine Frau.
"Die erste der Damen" hieß sie: Hatschepsut. Ein weiblicher Pharao, der sich einfach die Macht über die Beiden Länder nahm, Ober- und Unterägypten, das war ohne Beispiel im Staat. Ein unglaublicher Vorgang. Hatschepsut war die mächtigste Frau, die je am Nil gelebt hat. Nach dem Tod ihres Mannes Thutmosis II. stand sie zwei Jahrzehnte lang an der Spitze Ägyptens, an Stelle des noch unmündigen Thutmosis III.
Hatschepsut, die mächtigste Frau am Nil
Frauen, die vorübergehend als Regentinnen für kindliche Thronfolger herrschten, hatte es am Nil auch schon vor Hatschepsut gegeben. Doch irgendwann zwischen dem 2. und 7. Jahr ihrer Regentschaft nahm sich Hatschepsut etwas Ungeheuerliches vor: Sie machte sich selbst zum Pharao; aus der Königin wurde ein König - Pharao Maatkare. Zwar ließ sie den Thronfolger offiziell stets als Mitherrscher aufführen. Doch die Politik Ägyptens bestimmte von nun an nur noch sie allein.
Gleich drei archäologische Teams forschen und arbeiten gegenwärtig an den Monumenten, die mit ihren sprechenden Steinen von Hatschepsut und deren Zeitalter erzählen. Polnische Wissenschaftler rekonstruieren ihren Totentempel in Deir el-Bahari. Franzosen haben die Rote Kapelle wiederaufgebaut. Und Amerikaner deuten die Reliefs im Kleinen Tempel von Medinet Habu. Sie alle - Ägyptologen, Archäologen, Kunsthistoriker, Restauratoren, Architekten, Steinmetze - versuchen mit Hatschepsut zu reden. Jener Frau, die für die Macht im Land ihr Geschlecht symbolisch wechselte und Pharao wurde.
Steine erzählen vom weiblichen Pharao
Der Aufstieg der thebanischen Könige an die Spitze Ober- und Unterägyptens beginnt etwa 50 Jahre vor Hatschepsuts Geburt, um das Jahr 1550 v. Chr. Damals, zu Beginn des Neuen Reiches, erlebt Theben einen großen Aufschwung. Denn es sind thebanische Fürsten, denen es gelingt, jene fremden Herrscher aus dem Raum Palästina zu vertreiben, die seit etwa 100 Jahren Ägyptens Norden regieren. Allen voran stürmt Ahmose, den die Listen der Könige später als ersten Pharao der 18. Dynastie aufführen werden.
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Kommentare zu "Hatschepsut: Die Frau, die Pharao war"
Für mich war der Artikel, besonders interessant, da ich als Frau im Büro tätig, eine Art "Vorgesetzte" sein muß. Ohne Kenntnisse der praktischen Arbeit unserer Ägypter.Ich bin sehr dankbar hier einen Einblick über die Mentalität erhalten zu haben. Dies ist im Umgang "Miteinander" sehr hilfreich, obwohl ich bisher auch keinerlei probleme hatte, ausser dem unterschiedlichen Zeitverständnis... Danke für den schönen Bericht
Ich bin fasziniert von diesen geschichtlichen Tatsachen. Leider haben wir aus dieser über dreitausendjährigen Entwicklung der menschlichen Kultur nichts gemacht.
Mich interessiert diese altägyptische Mythologie sehr, da ich auch zu meiner Matura eine Fachbereichsarbeit im Umfang von 48 Seiten zum Thema "Totenkult im Alten Ägypten" verfasste und ich auch in dieser Arbeit die Eigenschaften und die religösen und weltlichen Bedeutungen des Pharaos beschrieb. Ich habe mir einige GEO-Ausgaben zu diesem Thema besorgt und dabei ist mir schon damals dieser Artikel positiv aufgefallen. Mir hat dieser Artikel sehr gut gefallen, da er sehr ausführlich die erste ägyptische Pharaonin beschreibt und ich freue mich schon auf den nächsten ägyptischen Artikel in den folgenden GEO- Ausgaben.