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Leseprobe: Tempelritter

Die geheimnisvolle Bruderschaft ist ebenso fromm wie kriegerisch - und eine Macht im Nahen Osten


Templerorden: Um 1120 schließen sich
fromme Adelige zu einer
Bruderschaft zusammen und
geloben Gehorsam, Armut,
Keuschheit. Anders als
Mönche jedoch kämpfen sie
gewaltsam gegen Ungläubige.
Im 13. Jahrhundert
zählt der nach seinem Sitz in
Jerusalem benannte Orden
mehrere Tausend Kämpfer
und besitzt Dutzende
Burgen, auch in Europa (Foto von: Osprey)
© Osprey
Templerorden: Um 1120 schließen sich fromme Adelige zu einer Bruderschaft zusammen und geloben Gehorsam, Armut, Keuschheit. Anders als Mönche jedoch kämpfen sie gewaltsam gegen Ungläubige. Im 13. Jahrhundert zählt der nach seinem Sitz in Jerusalem benannte Orden mehrere Tausend Kämpfer und besitzt Dutzende Burgen, auch in Europa

Tortosa, Frühjahr 1152. Die Stadt an der syrischen Küste liegt in Trümmern. Ihre Altäre sind verwüstet, viele Menschen geflohen. Muslimische Krieger haben den Ort eingeäschert. Und sie können jederzeit wiederkommen. Hilflos und verzweifelt angesichts der fortbestehenden Gefahr trifft Tortosas Bischof eine weitreichende Entscheidung. Er bittet die mächtigsten Herren seiner Diözese um Hilfe: die "Arme Ritterschaft Christi vom salomonischen Tempel". Den Templerorden. Eine Gemeinschaft von Gotteskriegern.

In seiner Not bietet der Bischof dem Ritterorden großzügige Steuernachlässe an, zudem ein drei Hektar großes Areal im Nordwesten der Stadt: damit die Templer dort eine Festung errichten, stark genug, um Tortosa zu sichern.

Wenig später rücken die Ritter in die Stadt ein. Es sind harte, sonnenverbrannte Männer, die gestutzten Bärte und das Haar struppig, staubbedeckt. Gehüllt in rohe, weiße Mäntel mit einem roten Kreuz als einzigem, stolzem Prunk. Sie beten zu den festen Zeiten der Mönche – und sind verpflichtet, anschließend nach ihrem kostbarsten Besitz zu sehen, den Pferden. Sie wollen das Himmelreich erlangen: doch nicht auf dem Weg stiller Einkehr, sondern im Kampf gegen die Ungläubigen.

Kaum jemand versteht mehr vom Krieg in Outremer, dem Heiligen Land "jenseits der See". Ihre muslimischen Gegner fürchten und hassen die fromme Elitetruppe: Gefangene Templer werden in der Regel enthauptet.

Die Brüder nehmen es hin als ein Martyrium, das ihnen das Paradies öffnet. Eine entschlossene, geheimnisvolle Gemeinschaft, die der Nachwelt Anlass zu unzähligen Spekulationen und Legenden geben wird.

In Tortosa errichten die Templer auf dem Felsgrund direkt an der Küste zwei gewaltige Ringmauern aus grob gehauenen Kalksteinquadern, versehen mit Wehrtürmen, gesichert durch einen zwölf Meter breiten Graben, in dem Meerwasser flutet. An der Seeseite führen geschützte Gänge zu Anlegestellen. Innen reihen sich Ställe, Arsenale, Mannschaftsräume an den Mauern.

Es ist die erste große Festung, die der Orden aus eigener Kraft im Nahen Osten baut. Sie bekundet den Stolz und den Anspruch einer Gemeinschaft, die entschlossen zu Macht und Geltung drängt.

Der Preis, den der Bischof für den Schutz zahlt, ist denn auch hoch: Zukünftig muss er die Gewalt in seiner Stadt und Diözese mit den Rittern teilen. Der Graf von Tripolis, zu dessen Herrschaft Tortosa gehört, gewährt ihnen umfassende weltliche Privilegien.

Die Stadt wird zum Zentrum eines ausgedehnten Herrschaftsgebiets, in dem die Brüder des Templerordens auf eigene Rechnung Abgaben einziehen und Recht sprechen, Vieh züchten und Gärten kultivieren: ein weitgehend autonomer Machtbereich, der später eine der Säulen ihrer Vorrangstellung im lateinischen Orient bilden wird (den einzurichten und zu sichern indes gewaltige Mittel erfordert).

Die Macht der Templer beruht nicht nur auf militärischen Fähigkeiten, sondern ebenso auf sagenhaftem Reichtum, der schließlich den Neid von Königen wecken wird. Ihre Geschichte handelt von erbitterten Schlachten, von gnadenloser Disziplin und religiösem Eifer, aber auch von der Logistik des Krieges, von ökonomischer Raffinesse und Besitzanhäufung im Namen des Herrn.



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