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Die Weimarer Republik: Buchtipps

Empfehlungen der GEOEPOCHE-Redaktion für eine vertiefende Lektüre


DIE WEIMARER REPUBLIK - GESAMTDARSTELLUNGEN

Eberhard Kolb, Die Weimarer Republik (Oldenbourg Grundriss der Geschichte, 6. Auflage München 2002), 347 Seiten, 24,80 Euro.
Wie alle Bände aus der Reihe „Grundriss der Geschichte“ bietet auch dieser eine knappe, klare Darstellung des Themas und eine ausführliche Diskussion des Forschungsstandes – unentbehrlich für jeden, der sich näher mit der Weimarer Republik beschäftigen möchte. Denn auch heute noch ist die erste deutsche Demokratie Gegenstand ausgedehnter Kontroversen in der Geschichtswissenschaft: etwa über vergebene Chancen einer durchgreifenden Demokratisierung in der Revolution 1918/19 oder über Handlungsspielräume der Regierung unter Reichskanzler Heinrich Brüning in der Weltwirtschaftskrise nach 1930.


 (Foto von: Suhrkamp)
© Suhrkamp

Detlev J. K. Peukert, Die Weimarer Republik. Krisenjahre der klassischen Moderne (Suhrkamp Taschenbuch, Frankfurt a. M. 1987), 312 Seiten, 12 Euro.
In der Weimarer Republik seien, so deutet es der 1990 verstorbene Peukert, die im Kaiserreich angelegten sozialen Modernisierungstendenzen zur vollen Entfaltung gelangt. Gleichzeitig aber sei die deutsche Industriegesellschaft in ein Reihe von tiefgreifenden Krisen geraten: Die schwerwiegenden Belastungen des Friedensschlusses etwa, der die Deutschen als Alleinschuldige des verlorenen Krieges demütigte und mit hohen Reparationen belud; die Enttäuschung der Linken über die „unvollendete Revolution“; Hyperinflation und Weltwirtschaftskrise. Vor diesem Hintergrund schildert der Autor gesellschaftliche, ökonomische und politische Entwicklungslinien eines Staatswesens, das außerordentlich modern und belastbar war – und doch an dem Umfang der Krisen scheiterte. Das Buch ist weniger geeignet für die Erstlektüre. Demjenigen jedoch, der sich schon ein wenig mit der Weimarer Republik beschäftigt hat, bringt es überraschende und neue Einsichten.


 (Foto von: Verlag C.H. Beck)
© Verlag C.H. Beck

Heinrich August Winkler, Weimar 1918-1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie (Verlag C.H. Beck, 4. Auflage München 2005), 709 Seiten, 39,90 Euro.
Das Standardwerk zur Weimarer Republik, geschrieben von ihrem profiliertesten Kenner, dem emeritierten Berliner Professor für Neueste Geschichte, Heinrich August Winkler. Er beleuchtet die Schicksalsjahre der deutschen Geschichte von 1918 bis 1933 ausführlich und beschränkt sich dabei nicht auf die politischen Entwicklungen: Wirtschaft und Gesellschaft, Kunst und Kultur werden ebenfalls einbezogen bei der differenzierten Suche nach einer Antwort auf die Frage: Musste Weimar scheitern? Das Buch ist glänzend geschrieben, auch für Laien verständlich, die Interpretationen sind mit zahlreichen Zitaten aus den Quellen belegt – der einzige schwerwiegende Mangel ist das Fehlen eines Sachregisters, das dem Leser eine schnelle Orientierung erleichtern würde.




FRIEDRICH EBERT - DAS GESICHT DER REPUBLIK


 (Foto von: Verlag J. H. W. Dietz)
© Verlag J. H. W. Dietz

Walter Mühlhausen, Friedrich Ebert 1871-1925. Reichspräsident der Weimarer Republik (Verlag J. H. W. Dietz, Bonn 2006), 1064 Seiten, 48 Euro.
Friedrich Ebert hat die Weimarer Republik entscheidend geprägt: Als letzter Kanzler des Kaiserreichs (für wenige Stunden), als Vorsitzender des Rates der Volksbeauftragten in der Revolution im November 1918, als Reichspräsident. Mühlhausen liefert (81 Jahre nach dessen Tod!) die erste umfassende Biografie des ersten demokratischen Staatsoberhauptes in Deutschland. Seine These: Ebert habe sich von seiner parteipolitischen Herkunft aus der SPD freigemacht und sich ganz in den Dienst der Republik gestellt, für die er sich aufopferte. Dies belegt der Autor, der große Sympathie für seinen „Helden“ hegt, in seinem umfangreichen, bisweilen zu detailreichen Werk mit einer Vielzahl von Quellen.




DADAISMUS - DAS ENDE DER SCHÖNHEIT

George Grosz, Ein kleines Ja und ein großes Nein. Sein Leben von ihm selbst erzählt (Rowohlt Verlag Hamburg, 1955/1974), 289 Seiten, nur noch antiquarisch erhältlich.
Die besten Geschichten aus seinem ereignisreichen Künstlerleben erzählt der Zeichner, Maler und Bühnenbildner George Grosz selbst: Wie er den Ersten Weltkrieg erlebte – und ihm gleich darauf entkam. Wie er im Berliner „Hotel Kempinski“ den Kellner mit Dada-Sprüchen verwirrte. Und wie er 1933 in die USA floh und wenige Tage später die Nationalsozialisten in Berlin sein leeres Atelier stürmten. Grosz’ Autobiografie liefert wichtige Hintergrundinformationen, um seine Kunst und ihr politisches und künstlerisches Umfeld zu verstehen.


 (Foto von: Reclam Verlag)
© Reclam Verlag

Karl Riha (Hrsg.), Dada Berlin. Texte, Manifeste, Aktionen (Reclam Verlag, Ditzingen 1994), 184 Seiten, 4,40 Euro.
Niemand attackiert den „deutschen Spießer“ so furios und virtuos wie der Installationskünstler und Schriftsteller Raoul Hausmann. In dem gehaltvollen kleinen Quellenband sind nicht nur seine Pamphlete zu finden, sondern auch die Manifeste, Zeitungsartikel und Lautgedichte der anderen Berliner Dadaisten und ihrer Weggefährten. Immer noch vergnüglich lesen sich die Beobachtungen von Kurt Tucholsky. Der Kritiker besuchte die „Erste Internationale Dadamesse“ und nannte sie einen „ganz putzigen Kramladen“. Später verfolgte er im Gerichtssaal den Prozess gegen den Zeichner George Grosz, der wegen Beleidigung des Militärs verurteilt wurde.



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