Mörder des Jahrhunderts: Leopold und Loeb
Nathan Freudenthal Leopold Jr. und Richard Albert Loeb werden Anfang des 20. Jahrhunderts in Chicago geboren. Beide stammen aus wohlhabenden deutsch-jüdischen Familien und verkehren schon als Kinder in denselben gehobenen Kreisen. 1920 freunden sich die jungen Männer an der Universität von Chicago an. Der Geschichtsstudent Loeb und der Jurastudent Leopold verlieben sich ineinander. Das Paar philosophiert gern – besonders die Werke des deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche begeistern sie. Leopold und Loeb planen das perfekte Verbrechen. Am 21. Mai 1924 entführen und töten sie den 14-jährigen Bobby Franks, einen entfernten Cousin von Loeb. Danach verstecken sie die Leiche und legen falsche Hinweise und Spuren aus, unter anderem stellen sie anonym eine Lösegeldforderung an Franks Familie. Doch ihr Plan scheitert. Am 22. Mai finden Ermittler die Leiche. In der Nacht auf den 31. Mai verhaften sie Leopold und Loeb. Unter Druck gesteht Leopold die Tat und belastet auch seinen Geliebten. Das Mörderduo versteht seine Tat als intellektuelles Experiment, inspiriert durch Nietzsches Idee des "Übermenschen", die über die konventionelle menschliche Moral hinausweist. Sie sind von ihrer eigenen intellektuellen Überlegenheit überzeugt: Mit Mord ungestraft davonzukommen hätte sie ihrer Ansicht nach zu "Übermenschen" werden lassen. Im September 1924 verurteilt ein Richter die jungen Männer zu lebenslanger Haft plus 99 Jahre. Zeitungen betiteln den Fall damals als "Verbrechen des Jahrhunderts". Er inspiriert ein Theaterstück und später einen Film von Alfred Hitchcock. In getrennten Gefängnissen sitzen die Liebenden ihre Strafe ab, trotzdem bleiben sie ein Paar. 1936 wird Loeb von einem Mitgefangenen getötet. 1958 kommt Leopold auf Bewährung frei.
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