ISS Sieben Fragen zum Leben im kosmischen Wohnmobil

Rund 16-mal jeden Tag kreist die ISS um die Erde, meist sind sechs Raumfahrer mit an Bord. Ihr Alltag erinnere an den „einer Wohngemeinschaft auf Erden“, sagt Alexander Gerst. Aber wie kommt man hin, wie zurück - und wer bringt den Müll raus?
Leben im All

Alexander Gerst übt ein letztes Mal vor seiner Mission 2014 einen Weltraumfrachter mit dem Roboterarm der ISS einzufangen. Diese Frachter enthalten Nachschub für die Astronauten wie Nahrung, Wasser und Sauerstoff.

In diesem Artikel
Wer sind die Gäste?
Wie gelingt die Anreise?
Was kostet die ISS?
Was passiert im kosmischen Labor?
Wie kommt Nachschub auf die ISS?
Wer bringt den Müll raus?
Wie kommen die Astronauten zur Erde zurück?

Wer sind die Gäste?

Mehr als 200 Menschen aus 18 Nationen haben die ISS schon besucht: Die meisten bleiben sechs Monate.

Wie gelingt die Anreise?

Der einzige Weg zur ISS führt über die russischen „Sojus“-Kapseln und ihre Trägerraketen. Sie wurden bereits für mehr als 1700 Starts eingesetzt. Vom Weltraumbahnhof in Baikonur, Kasachstan, aus erreicht das „Sojus“-Raumschiff schon nach rund zehn Minuten die Flughöhe von 210 Kilometern in einer Position nahe der ISS. Jetzt heißt es: einparken und abwarten. Die Annäherung an die ISS und das automatische Andocken dauern in der Regel etwa sechs Stunden. Es ist eines der risikoreichsten Manöver der ganzen Mission.

Was kostet die ISS?

Seit 1998 wurde das Grundgerüst der Station immer wieder durch neue Module erweitert, die auf der Erde erbaut und erst im Orbit zusammengefügt wurden. Entwicklung, Konstruktion und Wartung der ISS haben bislang etwa 100 Milliarden Euro gekostet. Die ESA trägt davon rund neun Milliarden; jeder Einwohner der 22 ESA-Staaten zahlt damit grob zwei Euro pro Jahr für Leben und Forschung im All.

Was passiert im kosmischen Labor?

Forschung und Alltag liegen auf der Station eng beieinander: Im Durchschnitt führt jede Crew etwa 300 Experimente aus. Jedes Regal des europäischen Forschungsmoduls „Columbus“ entspricht einem eigenen Universitätslabor. An Dutzenden Hightechgeräten untersuchen die Astronauten unter anderem, wie Flammen, Flüssigkeiten und biologische Zellen auf die Schwerelosigkeit reagieren. Bei seiner ersten Mission vergaß Alexander Gerst manchmal während der Arbeit, an welch besonderem Ort er sich dabei befand - bis er mal wieder am Fenster vorbeischwebte und unter sich den Pazifik oder Europa vorbeiziehen sah.

Wie kommt Nachschub auf die ISS?

Um Raumtransporter mit Nachschub an die Station anzukoppeln, müssen die Astronauten die Frachter zunächst mit dem Roboterarm der ISS einfangen. Ein kniffeliges Manöver: eine einzige überhastete Bewegung mit den Joysticks, und sie könnten den Transporter zerstören oder (noch schlimmer) ein Loch in die Außenwand der Raumstation schlagen.

Wer bringt den Müll raus?

Auf der ISS gibt es Unmengen neuester Technik, aber keine Waschmaschine. Denn Wasser und Platz sind zu kostbar. Daher bekommen die Astronauten ihren Vorrat an Kleidung für die gesamte Mission zur Station geliefert. Dreckwäsche wird in geleerte Raumtransporter gepackt. Nach dem Abkoppeln von der Station verglühen sie in der Erdatmosphäre.  Auch in der Toilette gibt es kein Wasser. Ein Unterdruckschlauch dient als Spülung, der Urin wird anschließend als Trinkwasser aufbereitet. 

Wie kommen die Astronauten zur Erde zurück?

Das Packen geht schnell. Die Astronauten dürfen nur 1,5 Kilogramm mitnehmen. Zum Rand der Erdatmosphäre brauchen die Rückkehrer drei Stunden. Dann bremst das Raumschiff, zwei der drei „Sojus“-Teile verglühen. Die Passagiere sind durch den Hitzeschild ihrer Kapsel geschützt. Fallschirme und Bremsraketen federn die Landung in der Kasachischen Steppe zwar ab, aber der Aufprall auf dem Boden fühlt sich für die Insassen dennoch an wie ein Verkehrsunfall. Hilfskräfte befreien die Astronauten aus ihrer Kapsel. Willkommen zurück!

Sieben Fragen zum Leben im kosmischen Wohnmobil

Mehr zum Leben im Weltraum: In seinem Bildband „166 Tage im All“, aufgezeichnet von Lars Abromeit, blickt Alexander Gerst auf die spannendsten Augenblicke im Kosmos zurück: 5., erweiterte Auflage 2018

Foto: VYACHESLAV OSELEDKO/AFP/Getty Images, Alexander Gerst
Horizons
Verfolgen Sie hier die Mission von Alexander Gerst
Zum zweiten Mal fliegt der deutsche Astronaut Alexander Gerst zur Internationalen Raumstation ISS, diesmal als Kommandant. Ein Online-Special von GEO.de