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Spritpreise Diesel teurer als Benzin: Heizöl-Nachfrage sorgt für seltenes Phänomen an Tankstellen

Auf der Anzeige einer Tankstelle kostet der Liter Diesel 1,989 Euro und der Liter Benzin E10 1,959 Euro
Tanken ist derzeit in Deutschland so teuer wie nie. Diesel ist dabei sogar teurer als Super E10
© Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
Die Spritpreise an den deutschen Tankstellen brechen momentan alle Rekorde. Diesel ist derzeit sogar teurer als Super E10 – trotz der niedrigeren Steuer

In den vergangenen zweieinhalb Monaten haben Super E10 und Diesel eine rasante Preissteigerung hingelegt: Bei Super E10 beträgt der Anstieg fast 24 Cent je Liter, was einer Steigerung von rund 15 Prozent entspricht. Diesel verzeichnet einen Anstieg von 25 Cent und wurde damit um mehr als 16 Prozent teurer. Bei einer Tankfüllung von 40 Litern entspricht dies einer Preisdifferenz von bis zu 10 Euro.

Als Haupttreiber der immer teurer werdenden Spritpreiser sehen Marktberichterstatter die weiter steigenden Ölpreise, die durch den russischen Angriff auf die Ukraine auf Mehrjahres-Höchstständen notierten. Zusätzlich sorgt der momentan starke Dollar gegenüber dem Euro für eine zusätzliche Verteuerung von Diesel und Benzin. Öl wird in Dollar gehandelt, Deutsche müssen jedoch in Euro ihre Tankrechnung bezahlen.

Nun ergibt sich eine weitere, ungewöhnliche Situation: An vielen Tankstellen ist Diesel-Kraftstoff neuerdings sogar teurer als Super E10. Und das, obwohl die Steuer auf Diesel wesentlich niedriger ist, was üblicherweise zu einen niedrigeren Preis an der Zapfsäule führt. Die steuerliche Differenz bei der Bepreisung liegt laut ADAC bei 20 bis 21 Cent pro Liter.

Für den Liter Diesel mussten Verbraucherinnen und Verbraucher am Sonntag mehr bezahlen als für Super E10, wie der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e. V (ADAC) am Montag, den 7. März 2022, mitteilte. Bundesweit kostete ein Liter Super E10 demnach am Sonntag im Durchschnitt 1,965 Euro. Diesel war noch zwei Cent teurer als Super und stieg auf 1,984 Euro je Liter. Zwei Tage später, am Mittwoch, den 9. März, kostete Superbenzin der Sorte E10 laut ADAC im Tagesdurchschnitt schon 2,008 Euro je Liter, bei Diesel waren es 2,032 Euro je Liter.

Dass der Abstand der Preise für Diesel und Benzin ab und an schwanke, sei normal, so der ADAC. Wenn im Winter viel geheizt wird, steigen die Preise für Diesel an, weil die Herstellung von Diesel und von Heizöl zusammenhängen. Wenn im Sommer der Reiseverkehr zunimmt, ist hingegen Super E10 oft teurer. Aber dass Diesel nach Steuern noch teurer ist als Benzin, das ist ungewöhnlich.

Nachfrage nach Heizöl lässt Preise an der Zapfsäule steigen

Dass Diesel derzeit teurer als Super E10 ist, liegt nach Einschätzung des ADAC an der im Moment sehr hohen Nachfrage nach Heizöl. "Das ist eigentlich saisonuntypisch aber offenbar kaufen die Leute derzeit Heizöl, weil sie nicht wissen, wie es im kommenden Winter wird", erklärte ein ADAC-Sprecher in München gegenüber der Deutschen Presseagentur.

Diese Unsicherheit hänge vor allem mit dem russischen Angriff in der Ukraine zusammen. Viele Privathaushalte ziehen ihre Heizölbestellungen vor, weil sie noch höhere Preise im kommenden Herbst und Winter befürchten.

Auch Oliver Klapschus von Internetportal Heizoel24, an das 500 Ölhändler ihre Preise melden, berichtete auf Anfrage der Frankfurter Allgemeinen, die Nachfrage nach Heizöl sei an manchen Tagen zeitweise viermal so hoch gewesen wie normal.

Entspannung und ein Ende der Preisspirale sind angesichts der Eskalation der Kämpfe in der Ukraine aktuell nicht in Sicht. Ein möglicher Importstopp für Öl aus Russland hat die Ölpreise zum Wochenauftakt auf den höchsten Stand seit 2008 getrieben. Im frühen Handel stieg der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent um bis zu knapp 18 Prozent auf 139,13 Dollar und lag damit in der Nähe des Rekordniveaus von fast 150 Dollar aus dem Sommer 2008. Damit beschleunigte sich der Anstieg des Ölpreises der vergangenen Tage.

US-Außenminister Antony Blinken hatte zuvor wegen der weiteren Eskalation des Ukraine-Kriegs neue Strafmaßnahmen gegen Russland ins Spiel gebracht: Washington berate mit europäischen Verbündeten über einen möglichen Importstopp für Öl aus Russland.

mit dpa

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