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Tierschutz Geschmacklos oder aufrüttelnd? PETA eröffnet Fake-Shop mit Mode aus Menschenhaut

Webseite von Urban Outraged (PETA)
Mit der Kampagne will PETA auf die Verwendung von tierischen Materialien in der Mode aufmerksam machen
© PETA / Urbanoutraged.com
Die Tierschutzorganisation PETA hat ein fiktives Online-Shoppingportal eröffnet und bietet darauf Klamotten aus menschlichem Leder an. Die Kampagne sorgt weltweit für Aufsehen und wirft Fragen auf

"Human skin is 'in'" lautet der Slogan des fiktiven Online-Shops, den die Tierschutzorganisation PETA ins Leben gerufen hat. Das Portal Urban Outraged ist aufgezogen wie ein gewöhnlicher Onlineshop, hier gibt es Mode und Accessoires für Männer und Damen im Angebot. Wäre da nicht ein wichtiges Detail, das ihn signifikant von allen anderen unterscheidet – alle Produkte sind aus "menschlichem Leder" gefertigt.

Die Produkte tragen Namen wie "The Richard Loafers" oder "The Sofie Dress", benannt nach den fiktiven Personen, aus denen sie angeblich gefertigt worden sind. Zu jedem Modeartikel finden sich weitere Informationen, darunter Hintergründe zum Leben der verstorbenen Person sowie Grafiken, die zeigen, aus welchen Teilen des Körpers die Haut für das entsprechende Produkt vermeintlich entnommen wurde.

PETA-Kampagne ist verstörend

Reste menschlichen Bluts seien leider nicht vermeidbar, heißt es auf der Webseite. Schließlich seien die Produkte "aus feinstem Leder" alle handgemacht. Fiktive Kundenbewertungen liefern dazu weitere Informationen: "Diese Jacke ist so bequem. Avery muss genau meine Größe habt haben! Es ist unheimlich."

Produkte im Shop "Urban Outraged"
Die Produkte im Shop tragen Namen wie "The Dan Pants" oder "The Avery Jacket"
© PETA / Urbanoutraged.com

Und als ob das nicht schon makaber genug wäre, bietet der Shop noch einen weiteren Serivce: Mit der "Afterlife Collection" können sich Kundinnen und Kunden aus verstorbenen Verwandten und Freunden ein individuelles Mode-Accessoire schneidern lassen. "Ihre Familienmitglieder immer in der Nähe zu haben, war nie einfacher", titelt Urban Outraged dazu.

Tierschutzorganisation nimmt populäre Mode-Anbieter ins Visier

Die fiktive Onlineshopping-Webseite "Urban Outraged" der Tierschutzorganisation PETA ist ein Seitenhieb auf die Marke Urban Outfitters sowie die beiden Schwesterunternehmen Anthropologie und Free People. In einer Mitteilung ruft PETA auf seiner Webseite dazu auf, die Produktion und den Verkauf von Mode aus tierischen Materialien, zum Beispiel Lederjacken oder Mäntel mit Pelzkrägen, sofort einzustellen.

"Jedes Jahr leiden und sterben Milliarden Tiere für die Herstellung von Wolle, Kaschmir, Leder, Daunen, Mohair, Seide und Alpaka-Fleece. [...] Und bei einigen der größten Lieferanten werden Kühe routinemäßig geschlagen und Elektroschocks für Leder ausgesetzt", schreibt PETA.

Gegenüber der New York Post sagte Tracy Reiman, geschäftsführende Vizepräsidentin von PETA: "Urban Outraged von PETA fordert Käufer heraus, das Individuum hinter jedem Stück Tierhaut im Laden zu sehen." Und sie führt weiter aus: "Die Haut einer Kuh gehört ihr, und sie empfindet Angst und Schmerz in einem Schlachthof genauso wie Sie oder ich."

Für Kritiker ist die Aktion "mehr als ungeschickt"

Das Ziel, das PETA mit dieser Aktion verfolgt, ist klar. Die Tierschutzorganisation, die bereits in der Vergangenheit mehrfach mit einigen extremen Kampagnen auffiel, möchte branchenweit das Bewusstsein für Tierquälerei schärfen.

Für seine aktuelle Kampagne greift PETA dazu Modeunternehmen, die tierische Materialien für ihre Produkte verwenden, direkt an und versucht so, zu einem Umdenken zu bewegen und den Verkauf zu stoppen. Mit dem fiktiven Online-Shop soll Konsumentinnen und Konsumenten das Leid, das hinter vielen Modeprodukten aus Leder, Pelz und anderen tierischen Materialien steckt, klar vor Augen geführt werden.

Auch wenn das Ziel der Kampagne durchaus seine Berechtigung hat, so schlägt sich doch die Art und Weise, wie PETA für sein Ziel wirbt, nicht gerade in Begeisterung nieder. Besonders im Sozialen Netzwerk Twitter rollte eine Welle der Entrüstung los. Viele Userinnen und User meinen, die Organisation sei mit der tiefschwarzen Satire-Webseite einen Schritt zu weit gegangen.

"Ich verstehe den schockierenden Gedanken dahinter, aber wir sehen der Menschheit seit zwei Jahren buchstäblich beim Sterben zu. Und das hier ist sicher nicht der richtige Ansatz. Macht es besser, PETA", schrieb ein Twitter-Nutzer. Andere wiesen darauf hin, dass die PETA-Kampagne in jeder Hinsicht mehr als ungeschickt ist.

"Etwas unsensibel, wenn man bedenkt, dass dies während des Holocaust buchstäblich Juden passiert ist“, schrieb ein anderer und spielt damit auf Vorgänge im KZ Buchenwald an, wo die SS laut Augenzeugen Lampenschirme aus Menschenhaut anfertigen ließ.


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