Für viele Amphibien wird es immer schwieriger, hierzulande einen sicheren Lebensraum zu finden. In Deutschland gehen die Bestände vieler Amphibienarten seit Jahren zurück – nicht nur, weil ihre Lebensräume schwinden, sondern auch, weil der Straßenverkehr zur tödlichen Falle geworden ist. Besonders Frösche und Kröten leben zu Beginn des Frühjahrs gefährlich. Auf dem Weg zu ihren Laichgewässern müssen Erdkröten, Grasfrösche oder verschiedene Molcharten oft mehrere Straßen queren.
Für Kröten und Frösche sind die steigenden Temperaturen das Signal, zu den bevorzugten Wasserstellen aufzubrechen. Schon Ende Februar bis Mitte März verlassen die Tiere ihre Winterquartiere, zum Beispiel den schützenden Gartenschuppen, und machen sich auf den Weg zu ihren Laichplätzen. "Sobald es nachts mehr als fünf Grad Celsius warm wird, kommt bei ihnen Hochzeitsstimmung auf. Die Tiere begeben sich zu ihren Laichgewässern, um sich zu paaren", sagt Sascha Schleich, Sprecher des NABU-Bundesfachausschusses Feldherpetologie und Ichthyofaunistik.
Die Wanderzeit erstreckt sich je nach Region und Witterung in der Regel über zwei bis drei Monate. Die Erdkröte zählt dabei zu den ersten Amphibien, die ab Ende Februar ihre Winterquartiere verlassen und zu ihren Laichgewässern starten. Die Weibchen folgen den männlichen Tieren etwas später.
Auf ihrer Wanderung werden jedes Jahr leider viele Tiere auf den Straßen getötet. In der Dämmerung werden die kleinen Tiere oft schlichtweg übersehen. Zudem sind Kröten und Frösche ziemlich langsam unterwegs und nicht dazu in der Lage, Autos schnell auszuweichen. Im Gegenteil: Die Tiere verharren bewegungslos, wenn Gefahr droht. "Anstatt vor anrollenden Autos davon zu hüpfen, bleiben sie meist sitzen oder nehmen eine Drohstellung ein und blähen sich dabei auf. Dieses Verhalten hilft gegen Fressfeinde wie zum Beispiel Schlangen - nicht aber gegen ein Auto", so Biologin Sophia Lansing von der Wildtier-Stiftung.
Hinweisschilder ernst nehmen
Besonders gefährlich wird es für die Tiere an milden, feuchten Abenden und Nächten, wenn die Temperaturen über etwa fünf Grad liegen und sich leichter Regen ankündigt oder bereits fällt. Dann sind viele Kröten und Frösche gleichzeitig unterwegs – vor allem in der Dämmerung, in den frühen Morgenstunden und rund um Mitternacht. In dieser Zeit lohnt es sich, auf bekannten Wanderstrecken bewusst langsamer zu fahren, auf entsprechende Warnhinweise zu achten aufmerksam und auch den Fahrbahnrand im Blick zu behalten.
Viele Kommunen richten während der Krötenwanderung temporäre Tempo-30-Zonen ein oder sperren besonders kritische Abschnitte sogar zeitweise ganz für den Durchgangsverkehr. Die niedrigere Geschwindigkeit verschafft Autofahrenden mehr Reaktionszeit, verkürzt den Bremsweg und erhöht so die Chance, die Tiere rechtzeitig zu erkennen und nicht zu überfahren. Wer regelmäßig auf einer bekannten Wanderroute unterwegs ist, kann seine Fahrten in diesen Wochen außerdem – wenn möglich – auf den Tag verlegen oder alternative Strecken wählen. So lassen sich viele gefährliche Situationen von vornherein vermeiden.
Krötenzäune bauen
Jedes Jahr veranstalten Umwelt- und Tierschutzverbände wie der BUND Mitmachaktionen, um entlang vielbefahrener Straßen Krötenzäune zu errichten. Die dort gestoppten Tiere werden an den Zäunen eingesammelt und auf die andere Straßenseite gebracht. Interessierte erkunden sich am besten beim örtlichen Naturschutzbund oder auf den regionalen Seiten des NABU. Bis zum Ende der Amphibienwanderung, meist Ende April, betreuen ehrenamtliche Helferinnen und Helfer hunderte Straßenabschnitte deutschlandweit.
Krötenzäune sind eine einfache, aber sehr wirkungsvolle Methode, um Amphibien an gefährlichen Straßenübergängen zu schützen. Entlang der Fahrbahn wird dafür eine niedrige Folie aufgestellt, hinter der in Abständen von meist fünf bis zehn Metern Eimer im Boden eingegraben sind. Die wandernden Tiere laufen am Zaun entlang, fallen in die Eimer und werden von Helferinnen und Helfern eingesammelt, gezählt und sicher über die Straße getragen. Damit das funktioniert, müssen die Eimer täglich kontrolliert werden – idealerweise früh morgens und am Abend, wenn besonders viele Tiere unterwegs sind.
Vorkenntnisse für den Bau des Krötenzauns und das Einsammeln der Amphibien braucht es keine: Vor Ort zeigen erfahrene Ehrenamtliche, wie man Kröten und Frösche richtig anfasst, transportiert und wieder aussetzt, und geben einen groben Überblick über die wichtigsten Arten. Wer mitmachen möchte, sollte lediglich wetterfeste Kleidung, festes Schuhwerk und etwas Zeit in der zwei- bis dreimonatigen Wanderperiode mitbringen, deren Höhepunkt meist im März liegt.
Unterschlupfmöglichkeiten geben
Wer einen eigenen Garten hat, kann auch dort einiges tun, um die Amphibien zu unterstützen. Frösche und Kröten benötigen Verstecke, um sich vor Fressfeinden und starker Sonneneinstrahlung zu schützen. Pflanzen, aufgeschichtete Steine und Froschhäuser können hier einen Beitrag leisten und können auch als Winterquartier genutzt werden. Auch Holzhaufen oder Komposthaufen sorgen dafür, dass Amphibien einen feuchten Rückzugsort haben, wenn das Wetter sehr warm wird.
Platz im Gartenteich anbieten
Ein Gartenteich wird für Frösche, Kröten und Molche erst dann wirklich wertvoll, wenn er als sicheres Laichgewässer funktioniert. Dafür ist wichtig, dass das Wasser möglichst fischfrei bleibt, denn viele Fischarten fressen den empfindlichen Laich und die Kaulquappen oder konkurrieren mit ihnen um Nahrung. Idealerweise sind die Ufer flach und strukturreich angelegt, etwa mit seichten Zonen, Steinen und Pflanzen, damit die Tiere leicht ein- und aussteigen und sich zwischendurch sonnen oder verstecken können. Es muss nicht sofort ein großer Teich sein – auch kleine Wasserstellen können bei wenig Platz ein gutes Laichgebiet abgeben.
Die Wasserstelle sollte überwiegend sonnig bis halbschattig liegen, denn für die Entwicklung von Eiern und Larven sind gut erwärmte, lichtreiche Wasserbereiche wichtig – gleichzeitig sorgen einzelne beschattete Zonen dafür, dass das Wasser im Hochsommer nicht überhitzt. Heimische Wasser- und Sumpfpflanzen wie Schwertlilie, Blutweiderich oder Wasserminze bieten Deckung und Lebensraum für Insekten, die wiederum als Nahrung dienen. Wichtig ist außerdem, Amphibien nicht aktiv aus der Natur in den eigenen Teich umzusetzen: Viele Arten stehen unter Schutz, und sie prägen sich ihr Laichgewässer selbst ein – geeignete Teiche werden in der Regel von allein besiedelt.
Gefahrenstellen im Garten entfernen
Viele Gefahren für Frösche und Kröten im Garten lassen sich mit wenigen Anpassungen deutlich verringern. Zu steile Abgründe oder Löcher können für Frösche und Kröten schnell zum unüberwindbaren Hindernis werden – vor allem, wenn sie hineinfallen. Solche Tiefen sollten mit Kletterhilfen versehen werden, beispielsweise einer Froschleiter. So können sich die Tiere selbst wieder befreien. Auch Regenfässer und Pools, die nicht über einen geeigneten Ein- und Ausstieg verfügen, können für Amphibien zur Falle werden. Steine, Pflanzen oder schräg aufgestellte, mit Drahtgitter versehene Holzbretter helfen den Tieren wieder aus dem Wasser hinaus.
Auch dauerhaft helle Gartenbeleuchtung ist problematisch: Künstliches Licht stört den Tag-Nacht-Rhythmus, irritiert Insekten als wichtige Nahrungsquelle und kann Amphibien beim Jagen und bei der Partnersuche behindern. Besser sind sparsame, warmweiße Leuchten mit Bewegungsmelder, die nur dann angehen, wenn sie wirklich gebraucht werden
Zusätzlich hilft es, den Garten insgesamt weniger "steril" zu halten: Kleine Wildstaudeninseln, Totholz, Laub- und Komposthaufen, aufgeschichtete Steine oder dicht bewachsene Ecken bieten Verstecke, Feuchtigkeit und Nahrung – und machen das Grundstück für Amphibien deutlich lebensfreundlicher.
Chemikalien vermeiden
Amphibien reagieren besonders empfindlich auf Gifte, weil ihre feuchte, sehr durchlässige Haut Schadstoffe direkt aus Boden und Wasser aufnimmt – das gilt für erwachsene Tiere genauso wie für die im Wasser lebenden Eier und Kaulquappen. Gelangen Pestizide, Herbizide oder andere Pflanzenschutzmittel in Pfützen, Gräben oder Gartenteiche, treffen sie daher zuerst den Laich und die Larven und können zu Fehlentwicklungen oder hohen Sterblichkeitsraten führen. Problematisch sind aber nicht nur klassische "Unkrautvernichter": Auch stark dosierte Rasendünger, Schneckenkorn, aggressive Reinigungsmittel für Terrassen sowie Algizide und andere "Teichchemie" können das biologische Gleichgewicht im Wasser stören und Amphibien indirekt schädigen.
Wer seinen Garten amphibienfreundlich gestalten möchte, verzichtet deshalb möglichst ganz auf Pestizide und Chemikalien oder setzt auf mechanische und natürliche Alternativen – davon profitieren nicht nur Frösche und Kröten, sondern auch Insekten, Igel und viele andere Gartenbewohner. Umweltverträgliche Mittel gegen Unkraut finden sich in jedem Haushalt – man muss sie nur kennen! Welche das sind, verraten wir Ihnen in diesem Artikel.