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No Mow May Warum Sie das Gras im Mai einfach wachsen lassen sollten

Gänseblümchen im Gras mit herannahendem Rasenmäher im Hintergrund
Die Aktion "No Mow May" ruft dazu auf, das Grün im Mai wachsen zu lassen. Gänseblümchen und Löwenzahn bieten Insekten wichtige Nahrungsquellen
© Johanna Mühlbauer - Adobe Stock
Mit etwas Faulenzen der Natur Gutes tun und den Insekten helfen – der Trend zum "lazy gardening" trifft vor allem bei jüngeren Generationen einen Nerv. Nun ruft die Aktion "No Mow May" dazu auf, den Rasenmäher im Mai stehen zu lassen

Mit bestem Gewissen die Faulheit genießen und dabei noch die Umwelt schützen? Das geht dank der Aktion "No Mow May", oder zu Deutsch "Mähfreier Mai", zu der die Gartenakademie Rheinland-Pfalz und die Deutsche Gartenbau-Gesellschaft 1822 in diesem Jahr zum ersten Mal aufgerufen haben. Ihren Ursprung hat die Aktion – ausgerechnet – in Großbritannien, dem Land, das für seine feine Rasenkultur bekannt ist.

Dort lassen viele Gartenbesitzerinnen und Hobbygärtner schon seit einigen Jahren ihre Rasenmäher im Mai in der Garage stehen: Einen ganzen Monat lang wird dann der Rasen nicht gemäht. Ziel der Aktion ist es, den Insekten genügend Nahrungsquellen und Nistmöglichkeiten zu bieten, indem man Wildkräutern und Blumen wie Gänseblümchen die Chance gibt, sich zu vermehren.

Wer den Rasen nach dem Winter möglichst spät schneidet, schützt außerdem zahlreiche Tierarten, die starr und gut versteckt in Ritzen, Totholz, im Laub oder im Boden überwintern. Im Mai sind viele von ihnen noch schutzlos, da sie erst jetzt aus der Winterruhe kommen. Wer hingegen frühzeitig den Rasen mäht und das Schnittgut abräumt, entfernt die Tiere und schadet damit der Artenvielfalt. Ein frisch gemähter Rasen bietet keine ökologische Vielfalt.

Dass sich weniger Gartenarbeit durchaus positiv auf die Natur auswirken kann, haben auch wissenschaftliche Untersuchungen bewiesen. So zeigte sich, "dass sich der Anteil an nektarreichen Blüten um ein Zehnfaches erhöht, wenn man den Rasenmäher häufiger stehen lässt", so Bettina de la Chevallerie, Geschäftsführerin der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft.

Zum ökologischen Gärtnern ist ein Umdenken nötig

Gerade der Rasen nimmt in vielen deutschen Gärten einen Großteil der Fläche ein – eine Fläche, auf die Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer aktiv Einfluss nehmen und nützliche Lebensräume für Insekten schaffen können.

Um sich mit dem Anblick eines Gartens anzufreunden, in dem Löwenzahn und Gänseblümchen im Rasen wachsen, ist jedoch ein Umdenken nötig. Bei vielen sind solche Pflanzen oft als Unkraut verschrien. Dabei ist "Unkraut" ein menschengemachter Begriff, es handelt sich dabei schlicht um Wildkräuter mit einem hohen ökologischen Wert für Insekten. Je größer das Wissen über diese Pflanzen ist, desto eher wächst auch die Akzeptanz.

Wem eine große Fläche ungemährter Rasen zu unordentlich erscheint, kann zumindest einen Teil ungemäht stehen lassen. Einzelne "wilde Ecken" oder eine ungemähte Stelle inmitten des gepflegten Rasens ist für Insekten und andere Tiere bereits eine große Hilfe. Andere Teiles des Gartens lassen sich dann zum Spielen oder Grillen nutzen.

Und wer noch einen Schritt weitergehen möchte, kann selbst aktiv werden und Samenbomben selber machen, mit denen sich ödes Grün in blühende Wiesen verwandeln lässt. Oder aber einfach direkt eine ganze Wildblumenwiese im Garten anlegen, Tipps dafür liefern wir hier. Schon vier Quadratmeter Wildblumenwiese können eine wertvolle Oase für Insekten sein.


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