Langzeitstudie mit Müllfalle Untersuchung: Im Rhein treibt viel mehr Müll als gedacht

Die Müllfalle – genannt "Rheinkrake" – schwimmt an ihrer Position auf dem Rhein in Köln. (Archivbild) Foto: Leandra Hamann/Unive
Die Müllfalle – genannt "Rheinkrake" – schwimmt an ihrer Position auf dem Rhein in Köln. (Archivbild) Foto
© Leandra Hamann/Universität Bonn/dpa
Wie viel Müll treibt im Rhein Richtung Meer? Forschende wollten es genau wissen - und nutzten eine in Köln aufgestellte Müllfalle. Die Ergebnisse überraschen.

Der Rhein transportiert einer Studie zufolge viel mehr Müll als bisher gedacht. An Köln vorbei treiben einer Studie zufolge jedes Jahr zwischen 3.000 und 4.700 Tonnen Müll von mindestens einem Zentimeter Länge. Dies sei drastisch mehr als in manchen früheren Schätzungen, schreiben Forschende der Universitäten Bonn und Tübingen im Fachmagazin "Communications Sustainability". Es gehe um 53.000 Müllteile pro Tag, sagte Studienleiterin Leandra Hamann von der Universität Bonn der Deutschen Presse-Agentur. 

Der meiste Abfall in den Meeren komme über Flüsse dorthin, erläuterte die Biologin. Doch Studien, in denen der Müll entnommen und einzeln vermessen werde, gebe es bisher kaum. Die jetzt in Köln vorgenommene Langzeituntersuchung sei besonders aufwendig gewesen.

Freiwillige spielten bei dem Projekt eine wichtige Rolle

An der Studie waren neben Forschenden auch zahlreiche Freiwillige beteiligt, sogenannte "Citizen Scientists". Möglich wurde dies durch die in Köln auf dem Rhein installierte Müllfalle "RheinKrake". Sie fängt seit Jahren auf einer Breite von drei Metern und einer Tiefe von 80 Zentimetern sogenannten Makromüll auf.

"Die eigentliche harte Arbeit machen die Freiwilligen", erläuterte Hamann. "Das sind Personen, die das in ihrer Freizeit machen. Manche bringen ihre Kinder mit, andere sind Rentner, das ist eine ganz gemischte Truppe, die da jeden zweiten Samstag bei jedem Wetter entweder den Müll aus dem Wasser holt oder zwei bis drei Stunden den Müll sortiert und vermisst, alles wiegt und fotografiert. Diese Handarbeit könnte sonst niemand finanzieren." 

Etwa zehn Prozent aller Gegenstände waren Feuerwerkskörper

Im Laufe eines Jahres wurden mit der Müllfalle 17.523 Abfallstücke mit einer geschätzten Gesamtmasse von 1.955 Kilogramm aufgefangen. Etwa 70 Prozent der einzelnen Teile bestanden aus Kunststoffen, die allerdings nur 15 Prozent des Gewichts ausmachten. Mehr als die Hälfte aller gefundenen Objekte stammten von privaten Verbrauchern, etwa 28 Prozent davon hatten mit Lebensmitteln oder Getränken zu tun. 

"Überraschend fand ich einerseits das reine Volumen, dass es wirklich so viel Müll ist, und dann aber andererseits auch, dass die Müllmenge übers Jahr hinweg stark schwankt", sagte Hamann. Die Studie bezieht sich auf die zwölf Monate zwischen November 2022 und November 2023. Etwa zehn Prozent aller in dieser Zeit aus dem Fluss gefischten Gegenstände waren Feuerwerkskörper.

"Wenn man sich klarmacht, dass das nur an einem einzigen Tag abgefeuert wird, dann ist das schon der Wahnsinn", so Hamann. Daneben finde sich wirklich alles: von Kinderspielzeug bis Sexspielzeug. "Wir haben auch schon mal ein Portemonnaie mit mehreren Personalausweisen gefunden und aufs Fundbüro gebracht." 

"RheinKrake" fischt weiter

Weinflaschen, Sektflaschen und Flaschendeckel machen einen großen Teil des Treibguts aus, teilweise auch Pfandflaschen. "Da ist also noch Luft nach oben", sagte Hamann. "Man könnte das Pfand erhöhen, sodass die Motivation höher ist, die leer getrunkene Flasche eben nicht am Ufer liegenzulassen."

Die "RheinKrake" ist weiterhin in Betrieb, und die Forschenden arbeiten schon an einer weiteren Auswertung. Hamann: "Es kam ja etwa vor zwei Jahren die EU-Vorgabe mit den befestigten Flaschendeckeln. Da wäre es interessant zu schauen, ob und wie stark sich das auswirkt." Die Forschenden weisen darauf hin, dass sich Freiwillige auch weiterhin jederzeit bei dem Verein K.R.A.K.E. melden und helfen könnten. Jeder sei willkommen.