Gefährlicher Beautytrend Wie Tanlines unserer Haut schaden

Frau mit Bräunungsstreifen am Rücken
Tanlines signalisieren einen medizinisch bedenklichen Umgang mit UV-Strahlung
© Maite Pons / Stocksy / Adobe Stock
Früher wurden Bräunungslinien eher kaschiert, heute rücken viele sie ganz bewusst ins Rampenlicht: So genannte "Tanlines" dürfen in den sozialen Netzwerken für einige Menschen kaum extrem genug ausfallen. Ein Dermatologe ordnet die Risiken für die Haut ein

Dort, wo zuvor der Stoff von Bikini oder Badeanzug lag, zeichnen sich nun helle Streifen ab, daneben deutlich dunklere Haut: Unter dem Hashtag #tanlines (englisch für Bräunungslinien) präsentieren Sonnenfans auf Plattformen wie Instagram und TikTok den Kontrast zwischen blasser und gebräunter Haut als Stilmittel.

Gebräunte Haut steht für viele nach wie vor für Sommer, Urlaub, Entspannung und eine gewisse Form von Luxus. Sichtbare, helle Hautpartien vor einem stark gebräunten Körper gelten in diesem Kontext für immer mehr Menschen als Zeichen von Lifestyle und Status.

Hautkrebs
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Bräune ist bereits Hilferuf der Haut

Den Trend zu Tanlines halten viele Hautärzte aber für sehr gefährlich. Denn auch wenn viele Bräune mit guter Gesundheit und Attraktivität verbinden: "Gesunde Bräune gibt es nicht", warnt Afschin Fatemi, der als Dermatologe in der S-Thetic Clinic Düsseldorf arbeitet. "Tanlines signalisieren einen medizinisch bedenklichen Umgang mit UV-Strahlung."

Denn hinter Bräune verbirgt sich nichts anderes ein Hilferuf der Haut. Als Reaktion auf die schädliche UV-Strahlung der Sonne produziert die Haut vermehrt das Pigment Melanin. Dieser Farbstoff hat eine Funktion: Er nimmt die UV-Strahlung in sich auf, damit weniger von ihr in tiefere Hautschichten eindringen kann.

Wichtig zu wissen: Nicht nur durch Sonnenbrände entstehen Hautschäden, sondern auch durch das Bräunen: Bräune kann nicht nur zur vorzeitigen Hautalterung führen, sondern hat im schlimmsten Fall auch Hautkrebs zur Folge.

Ebenfalls bedenklich: Sonnenbrand-Tattoos

Nicht nur Tanlines sind in sozialen Netzwerken immer wieder zu sehen: Es gibt auch Nutzerinnen, die sich sogenannte Sonnenbrand-Tattoos verpassen. Dafür legen oder kleben sie sich Schablonen auf die Haut und gehen damit in die pralle Sonne – zum Teil, ohne sich mit Lichtschutzfaktor einzucremen. Am Ende des Tages ist dann das Motiv auf der Haut zu sehen. 

Einen Sonnenbrand sollte man aber nie bewusst riskieren. "Er ist eine Verbrennungsreaktion der Haut, die mit einer Entzündung der oberflächlichen Hautschichten einhergeht", erklärt Fatemi. Und nicht nur das: Mit einem Sonnenbrand kann man sich neben Zellschäden, auch Narben und Pigmentstörungen einkaufen. 

Dermatologen raten generell von exzessiven Sonnenbädern ab. Wer sich in der Sonne aufhält, sollte sich gut schützen - mit einer Kopfbedeckung, einer Sonnenbrille und einer Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor für die Hautpartien, die nicht von Kleidung bedeckt sind. 

Tanlines ohne Risiken - mit Selbstbräuner 

Was aber, wenn man Tanlines hübsch findet - sich aber kein erhöhtes Hautkrebs-Risiko einkaufen möchte? Dann kann man versuchen, mit Selbstbräuner zu arbeiten und einige Körperpartien intensiver damit einzucremen als andere.

Das ist zwar aufwendig - aber nicht schädlich. Nur wer Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte hat, sollte auf die Bräune aus Tube oder Flasche lieber verzichten, "da die chemischen Inhaltsstoffe der Produkte Hautirritationen bei empfindlicher Haut auslösen können", so Fatemi.

sho