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Viren Wann und warum Herpes ausbricht - und was dagegen hilft

Lippenherpes
Der Lippenherpes zählt zu den verbreitetsten Herpes-Arten
© Domaskina - Shutterstock
Sie sind ein Dauerbegleiter der Menschheit und seit mehreren Millionen Jahren in unseren Körperzellen zuhause: Herpes-Viren. Die Beschwerden reichen von Windpocken über Gürtelrose bis zum Lippenbrennen mit schmerzhafter Bläschenbildung. Ist der Virus einmal im Körper, bleibt er lebenslang. Was jeden Virenträger vor die Frage stellt: Wann bricht der Virus aus und was hilft gegen Herpes?

Rund 90 Prozent der Menschen in Deutschland tragen einen Herpesvirus in sich. Insgesamt sind mehrere hundert verschiedene Typen von Herpes-Viren bei Mensch und Tier bekannt. Davon befallen acht Arten den Menschen. Fünf davon sind besonders häufig anzutreffen.

Lippenherpes mit Lippenbläschen als Symptom

Am bekanntesten ist der sogenannte Lippenherpes mit den Lippenbläschen. Der Lippenherpes wird durch den Herpes-Virus Simplex 1 verursacht und zum Beispiel beim Trinken aus mangelhaft abgewaschenen Gläsern übertragen, beim Küssen oder Geschlechtsverkehr. Auch von schwangeren Müttern werden Herpesviren auf ihre Kinder übertragen, falls ein aktiver Genitalherpes vorliegt – meist bei der Geburt.

Die folgende Liste zeigt die einzelnen Arten von Herpes-Viren und ihre überwiegenden Symptome. Die ersten fünf Viren kommen beim Menschen besonders häufig vor.:

  • Herpes-Simplex-Virus 1 (Infektionen im Mund/Gesichtsbereich)
  • Herpes-Simpelx-Virus 2 (Infektionen im Genitalbereich)
  • Varicella-Zoster-Virus (Windpocken und Gürtelrose)
  • Ebstein-Barr-Virus (Pfeifferisches Drüsenfieber)
  • Zytmegalle-Virus (Fieber, leichte Leberentzündung)
  • Humane Herpesvirus 6A/6B (Fieber/meist im Kindesalter)
  • Human Herpesvirus 7 (Fieber, Röschenflechte)
  • Kaposi-Sarkom assoziierte Herpesvirus (Tumorbildung auf Schleimhäuten)

Hochansteckend: Juckende Herpesbläschen nicht aufkratzen!

Der Namen des Herpes-Virus stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "kriechen". Im Fall von Herpes ist der Name tatsächlich Programm. Die Viren breiten sich entlang des menschlichen Nervensystems im Körper aus. Erreichen sie darüber zum Beispiel die Haut am Ende des Nervs, verursachen sie eine Infektion mit dem bekannten Bild der juckenden Herpesbläschen.  Wichtig: Kratzen Sie die Bläschen nicht auf. Die darin enthaltene Flüssigkeit ist hochansteckend.

Wie aber entsteht diese Infektion überhaupt? Zwar sind die Herpes-Viren ein Leben lang im menschlichen Körper. Zumeist schlummern sie aber inaktiv in den Zellen. Dorthin gelangen die Herpes-Viren beim Erstkontakt mit einem Menschen auf ebenso abenteuerliche wie geschickte Weise – meist über die Schleimhaut im Mund-Rachen-Raum.

Herpes-Viren wandern über das Rückenmark ins Gehirn

Von hier aus wandern sie über die Nervenstränge des Rückenmarks in die Nervenknoten des fünften Gehirnnervs (Trigeminus). Hier dringen die Herpes-Viren in Zellen ein und schleusen dort ihr eigenes Erbgut in den Zellkern ein. Der Trick daran: Im Zellkern wird entschieden, welche Proteine die Zelle bildet – unter anderem für das Zellwachstum.

Wird das Herpes-Virus aktiv, übernimmt es praktisch die Kontrolle im Zellkern. Es sorgt dafür, dass die menschliche Zelle massenweise Proteine produziert, die zur Vermehrung von Herpes-Viren eingesetzt werden. Die Zelle wird schließlich zerstört und eine Flut von neuen Virenpartikeln freigesetzt. Der verborgene Aufenthalt der zuvor inaktiven Herpes-Viren in den Zellen ist auch der Grund, warum das körpereigene Immunsystem die Viren nicht erkennt und bekämpft.

Was hilft gegen Herpes?

Frau mit Lippenherpes
Zinkhaltige Salben helfen gegen Lippenherpes. Nach dem Auftragen gründlich Hände waschen!
© Domaskina - Shutterstock

Zumindest an der Hautoberfläche lassen sich die Auswirkungen von Herpes lindern. Dafür gibt es - abgesehen von Salben mit virushemmenden Wirkstoffen wie Aviclovir oder Peniviclovir – verschiedene Hausmittel. Dazu zählen:

  • Kälte: Herpes-Viren haben eine Abneigung gegen Kälte. Bei den ersten Anzeichen eines Herpes-Ausbruchs wie juckender oder kribbelnder Haut, die Stelle mit Eiswürfeln oder Kühlpacks betupfen und kühlen. Bestenfalls eingewickelt in ein Tuch, damit es nicht zu Erfrierungen kommt.
  • Zink: Eine zinkhaltige Salbe kann im Vorfeld der Bläschenbildung die Infektion abmildern und im besten Fall den Herpes ganz verhindern. Besonders bei Lippenherpes eine beliebte Methode.
  • Kurkuma: Der in Kurkuma enthaltene Wirkstoff Curcumin hemmt die Vermehrung von Herpes-Viren. Eine Kurkumawurzel in Scheiben schneiden und auf die betroffenen Stellen legen
  • Zitronenmelisse: Die Wirkstoffe in der Zitronenmelisse hindern Herpes-Viren wissenschaftlich erwiesen daran, in Körperzellen einzudringen. Der Zustand der betroffenen Stellen verbessert sich.
  • Aloe Vera: Die antibakteriellen und antiviralen Eigenschaften der Pflanze desinfizieren die von Herpes betroffenen Hautstellen und beschleunigen den Heilungsprozess. Aloe Vera Gel aus der Apotheke auftragen oder selbst ein Blatt von der Pflanze im Wohnzimmer abschneiden und das Gel der Schnittstelle zum Verteilen auf der Herpes-Haut verwenden.
  • Knoblauch: Geschnittenen Knoblauch auf die von Herpes betroffenen Hautstellen legen und zehn bis 15 Minuten einwirken lassen. Die Inhaltsstoffe gelten als antiviral und desinfizierend. Dann die Stelle reinigen und das Procedere fünf Mal täglich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen wiederholen.
  • Schwarzer und Grüner Tee: Die Gerbstoffe im Tee sind entzündungshemmend. Teebeutel im heißen Wasser eine Minute ziehen lassen. Dann den Beutel herausnehmen, abkühlen lassen und für etwa zehn Minuten auf die Lippenbläschen legen. Mehrmals täglich wiederholen.

Manche Hausmittel gegen Herpes besser vermeiden

Abgesehen von dieser beachtlichen Anzahl von möglichen Anwendungen gegen Herpes, gibt es noch weitere Hausmittel. Hier kann neben der grundlegend positiven Wirkung aber auch ein unerwünschter Nebeneffekt eintreten:
  • Zahnpasta: Trocknet die Herpesbläschen aus. Die Inhaltsstoffe der Paste können den weiteren Heilungsverlauf aber behindern oder eventuell den Infektionsverlauf verschlimmern.
  • Honig: Die enthaltenen Stoffe können Bakterien und Viren abtöten. Die Wunde wird durch die Honigkruste aber nur kurzzeitig verschlossen.
  • Teebaumöl: Es gibt eine desinfizierende Wirkung. Kontaktallergien sind aufgrund der  Inhaltsstoffe aber nicht ausgeschlossen.

Ist die Herpes-Infektion bereits ausgebrochen, Herpesbläschen sind entstanden und die Infektion in vollem Gange, ist vor allem Hygiene wichtig. Die Hände sollten regelmäßig gewaschen werden. Tragen Sie Cremes auf, benutzen Sie dafür jedes Mal ein neues Wattestäbchen. Küssen ist absolut zu vermeiden. Herpes ist eine sehr ansteckende Krankheit.

Wichtig ist außerdem, dass Sie die Bläschen nicht aufkratzen. Trinken Sie nur aus einem eigenen, separat stehenden Glas. Waschen Sie Gläser, Besteck und Handtücher mit einer Temperatur von mindestens 60 Grad, um die Herpes-Viren abzutöten.

Neben den allgemein bekannten Symptomen von Herpes kann es in Einzelfällen auch zu schweren Komplikationen kommen. Dazu gehören die Infektion von größeren Hautstellen oder auch eine Entzündung der Netzhaut mit möglicher Erblindung, wenn Herpes im Auge ausbricht. Außerdem kann der Virus kann zu Entzündungen im Gehirn führen oder Nervenlähmungen im Gesicht hervorrufen.

Stress vermeiden und Immunsystem stärken

Wie aber ist ein Ausbruch von Herpes zu verhindern, wenn der Virus ein Leben lang im menschlichen Körper ist? Starke Sonneneinstrahlung kann beispielsweise einen Herpesausbruch auslösen. Besonders die Lippen sollten deshalb draußen mit einem Sunblocker geschützt werden.

Auch Stress begünstigt einen Ausbruch von Herpes. Ist das Immunsystem geschwächt, profitieren die Herpes-Viren davon. Der beste Schlüssel gegen Herpes ist also eine starke Immunabwehr.

Dazu gehören eine ausgewogene Ernährung, ausreichendes Trinken, Bewegung und genügend Schlaf. Stimmen diese Faktoren, hat das Herpes-Virus weniger Chancen, aktiv zu werden und sich im Körper auszubreiten.

So lästig und schmerzhaft, wie eine Infektion mit dem Herpes-Virus ist, trägt seine Anwesenheit dennoch seit Menschengedenken zu einem bei: Er erinnert uns immer wieder daran, möglichst gesund zu leben.


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