Puls-Selbstmessung Stolpert da was? Wie Sie Herzrhythmusstörungen frühzeitig erkennen

Den Puls Fühlen und zählen
Fühlen und zählen: Den Puls kann man auch ohne spezielle Geräte selbst messen
© Bernd Diekjobst/dpa-tmn
Wenn das Herz plötzlich ins Stolpern gerät, wirkt das schnell beunruhigend – muss aber nicht automatisch gefährlich sein. Wann man Unregelmäßigkeiten abklären lassen sollte

Unser Herz arbeitet pausenlos – im Schnitt zieht sich der Muskel rund einhunderttausend Mal am Tag zusammen, mal schneller, mal langsamer, je nachdem, ob wir uns ausruhen, Sport treiben oder vor Aufregung innerlich kochen. Gelegentliche Aussetzer oder kleine Unregelmäßigkeiten sind dabei meist unproblematisch und gehören zu einem normalen Herzschlag dazu.

Problematisch wird es, wenn das Herz über längere Zeit deutlich zu langsam, zu schnell oder völlig unrhythmisch schlägt. Fachleute sprechen dann von Herzrhythmusstörungen – also Abweichungen vom regulären Takt des Herzens. In Ruhe gelten etwa 60 bis 100 Schläge pro Minute als normaler, gleichmäßiger Rhythmus bei Erwachsenen.

Nicht jede Rhythmusstörung des Herzens ist gefährlich. Treten jedoch Unregelmäßigkeiten zusammen mit Symptomen wie ausgeprägter Schwäche, Ohnmachtsanfällen oder Schmerzen in der Brust auf, sollten Betroffene die Ursache unbedingt ärztlich abklären lassen, zum Beispiel mit einem EKG, rät Prof. Julian Chun, Chefarzt in der Kardiologie und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.

Als häufigste Form gilt das Vorhofflimmern: eine Art elektrisches Chaos in den Herzvorhöfen, das zu Herzschwäche führen kann und das Risiko für Schlaganfälle deutlich erhöht.

Unregelmäßigkeiten erkennen: Puls einfach selbst messen

Laut Prof. Chun fühlt sich eine Herzrhythmusstörung nicht für alle Betroffenen gleich an - manche bemerken sie womöglich gar nicht und bekommen die Diagnose erst, wenn sie bereits einen Schlaganfall hatten. Deshalb kann es sich lohnen, sich seinen Puls gezielt anzuschauen.

Der Lebensstil, etwa eine herzgesunde Ernährung mit gesunden Fetten und viel Gemüse und Obst, trägt dazu bei, dass Herz und Kreislauf lange gesund bleiben 

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"Jeder kann den eigenen Puls ganz einfach und jederzeit fühlen, indem er Zeige- und Mittelfinger der linken Hand an das rechte Handgelenk unterhalb vom Daumen anlegt und ein wenig drückt", bis man etwas spürt, so der Kardiologe.  Nun kann man die Schläge zählen. Findet man auf diese Weise zufällig eine Unregelmäßigkeit - also sehr schnelle, sehr langsame oder ungleichmäßige Schläge -, kann ein ärztliches EKG bei der weiteren Diagnose helfen.

Die gelegentliche Selbstmessung empfiehlt Prof. Chun insbesondere Personen ab 75 Jahren und Menschen ab 65, die zusätzliche Risikofaktoren mitbringen, wie Diabetes oder Bluthochdruck. Auch wer schon einmal einen Schlaganfall hatte oder an einer koronaren Herzerkrankung nach einem Herzinfarkt leidet, sollte seinen Puls im Blick behalten.

Die allermeisten gelegentlichen Herzstolperer, die einem auch ohne Pulsmessung auffallen, sind Prof. Chun zufolge übrigens nicht gefährlich. Auch hier gilt: Vor allem dann, wenn dazu Schmerzen, Schwindel oder eine verminderte Leistungsfähigkeit auftreten, sollte man aber besser zum Arzt gehen. 

Herzrhythmusstörungen vorbeugen: wenig Alkohol, viel Bewegung

Wer seinem Herzen etwas Gutes tun will, kann mit seinem Lebensstil viel bewirken – damit es möglichst ruhig und regelmäßig schlägt. Ein wichtiger Faktor ist der Umgang mit Alkohol: "Man weiß, dass das ein richtiger Trigger für Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern ist", so Prof. Chun. Deshalb sollte man es idealerweise bei höchstens drei alkoholischen Getränken pro Woche belassen.

Kaffee ist dagegen in moderaten Mengen unproblematisch: Auch wenn er den Puls kurzfristig beschleunigen kann, gelten zwei bis drei Tassen über den Tag verteilt als unbedenklich.

Gut für den Herzrhythmus ist außerdem regelmäßige Bewegung, besonders in Form von Ausdauersport. Starkes Übergewicht erhöht das Risiko für Rhythmusstörungen, deshalb lohnt es sich, dieses nach Möglichkeit reduzieren und auf eine gesunde Ernährung achten. Übertreiben sollte man es mit dem Training jedoch nicht: Gerade Extremsport, etwa Marathonlauf oder Triathlon, geht mit einem erhöhten Auftreten von Vorhofflimmern einher.

sho