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Forschung Mikroplastik zum ersten Mal in menschlichem Blut nachgewiesen

Mikroplastik auf dem Finger
Ein niederländisches Forschungsteam fand Mikroplastik-Partikel in menschlichem Blut
© Pcess609 - Adobe Stock
Schätzungsweise 3,2 Millionen Tonnen Mikroplastik gelangen jedes Jahr in die Umwelt. Die kleinen Plastikpartikel finden sich überall – in den Ozeanen, auf Berggipfeln und sogar in der Antarktis. Nun haben Forschende Mikroplastik auch in menschlichem Blut entdeckt

Forschende aus den Niederlanden haben zum ersten Mal nachweisen können, dass Mikroplastik auch im menschlichen Blut zirkuliert. Ein Forschungsteam der Vrije Universiteit Amsterdam analysierte die Blutproben von 22 Spendern, in 17 dieser Proben fanden sie Mikroplastik. Die Plastikpartikel hatten den Wissenschaftlern zufolge eine Größe von 0,0007 Millimetern.

In 11 Blutproben wurden Rückstände von PET-Kunststoff nachgewiesen. Polyethylenterephthalat werde üblicherweise in Getränkeflaschen verwendet, schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrer Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift "Environment International" veröffentlicht wurde.

Unklar, wie sich Plastik im Blut auf die Gesundheit auswirkt

Weiterhin fand sich in einem Drittel der Blutproben Polystyrol, ein weit verbreiteter Kunststoff, der in vielen Bereichen des täglichen Lebens zum Einsatz kommt – zum Beispiel in Joghurtbechern oder Blister-Verpackungen. In einem Viertel der Blutproben entdeckte das niederländische Forschungsteam Polyethylen, ein Stoff, aus dem beispielsweise Plastiktüten, Gefrierbeutel oder auch Müllbeutel hergestellt werden.

Studienautor und Ökotoxikologe Dick Vethaak bezeichnete den Fund im britischen "Guardian" als ein "bahnbrechendes Ergebnis". Die Untersuchung sei der erste Hinweis darauf, dass Menschen Polymerpartikel in ihrem Blut hätten. Die Studie soll nun auf mehr Probandinnen und Probanden ausgeweitet werden.

Wie sich die im Gefäßsystem zirkulierenden Plastikpartikel auf die Gesundheit auswirken, muss noch untersucht werden. Generell ist die gesundheitliche Gefahr für den Menschen durch Mikroplastik bislang kaum erforscht. Das Team der Vrije Universiteit Amsterdam geht allerdings davon aus, dass Mikroplastik in den Blutbahnen alles andere als gesund für den Menschen sein dürfte.

Die Forschenden befürchten, dass sich das Mikroplastik womöglich in den Organen festsetzen und weitere Schäden mit sich bringen könnte. "Es gibt genug Gründe, besorgt zu sein", so Vethaak gegenüber dem britischen Guardian. "Die Partikel sind da und werden durch den Körper transportiert".

Frühere Untersuchungen hätten beispielsweise gezeigt, dass der Anteil von Mikroplastik in Fäkalien von Babys im Vergleich zu Erwachsenen zehnmal höher sei und dass Babys, die mit Plastikflaschen gefüttert werden, täglich Millionen von Mikroplastikpartikeln verschluckten.

Im Jahr 2019 fand eine Studie im Auftrag des WWF zudem heraus, dass Menschen in aller Welt im Schnitt und pro Woche fünf Gramm Mikroplastik aufnehmen. Das entspricht ungefähr einer geschredderten Kreditkarte.

Größe und Form bestimmen, wie sich Mikroplastik in der Blutbahn verteilt

Wie weit sich die Plastikpartikel nun im menschlichen Blut verteilen, bestimmt auch über die Größe des Schadens, den die Plastikrückstände im menschlichen Körper anrichten. Größe, Form, Ladung und die Oberflächenchemie eines Partikels seien dafür entscheidend. Es sei denkbar, dass die winzigen Plastikteilchen in Immunzellen vordrängen oder sich an Proteine oder Lipide heften, so das Forschungsteam.

Die weltweite Menge an Mikroplastik steigt mit der Produktion des Plastikmülls, der jedes Jahr aufs Neue in die Umwelt gelangt. Gleichzeitig enthalten auch immer mehr Produkte Kunststoffe, die Menschen täglich konsumieren – zum Beispiel Kosmetika.

"Detailliertere Forschung darüber, wie Mikro- und Nanokunststoffe die Strukturen und Prozesse des menschlichen Körpers beeinflussen, ist dringend erforderlich, insbesondere angesichts der exponentiellen Zunahme der Kunststoffproduktion. Das Problem wird mit jedem Tag dringlicher", schließt Vethaak. Damit dürfte er Recht haben.


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