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Klimakrise Klimaschutz könnte 74 Millionen Menschen bis 2100 das Leben retten

Die kanadische Stadt Vancouver stellte wegen der extremen Hitze in Juni 2021 gekühlte Räume zur Verfügung
Die kanadische Stadt Vancouver stellte wegen der extremen Hitze in Juni 2021 gekühlte Räume zur Verfügung
© Margarita Young/Shutterstock
Eine aktuelle Studie setzt erstmals Emissionen mit zusätzlichen Sterbefällen in Beziehung. Das Ergebnis: Ohne rigide Maßnahmen zum Klimaschutz könnten bis zum Ende des Jahrhunderts 83 Millionen Menschen zusätzlich sterben. Bei entschlossenem Handeln wäre es "nur" neun Millionen

"Die Mortalitätskosten des Kohlenstoffs" – so lapidar-sachlich klingt der Titel einer soeben im Fachjournal Nature Communications erschienenen Studie. R. Daniel Bressler von der Columbia University in New York rechnet in seiner Arbeit auf der Grundlage neuester wissenschaftlicher Daten und Erkenntnisse vor, wie viele Tote die weltweiten Emissionen bis zum Ende des Jahrhunderts fordern könnten.

Das Ergebnis: Wenn die Staaten der Erde weiter wirtschaften wie bisher, könnte sich die Erdatmosphäre bis dahin um weitere drei Grad auf 4,1 Grad aufheizen. Extreme Hitze könnte, vor allem in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, 83 Millionen Menschen das Leben kosten.

Bressler spricht von zusätzlichen Toten, also Sterbefällen, die über der gemittelten Sterberate der vergangenen Jahre liegen. Und es könnten weitaus mehr sein. Denn in seiner Studie geht es nur um Hitzetote. Todesfälle durch Stürme, Überschwemmungen, Missernten, Krankheiten oder Kriege sind nicht berücksichtigt, weil die Zahlen ungleich schwerer zu quantifizieren sind.

Betroffen sind vor allem heute schon heiße und arme Regionen

Während Emissionen und Todesfälle bislang oft in einem abstrakten Verhältnis zueinander standen, setzt Bressler die beiden Größen in eine direkte Relation. 4434 Tonnen Kohlendioxid – das entspricht den über die gesamte Lebensspanne erzeugten Emissionen von 3,5 durchschnittlichen Amerikanerinnen und Amerikanern – führen demnach zu einem weiteren Todesfall zwischen heute und 2100. Vor allem in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts und überwiegend in denjenigen Regionen, die heute schon zu den heißesten und ärmsten gehören: in Afrika, im Mittleren Osten und in Südasien.

Dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und Todesfällen gibt, hat nicht zuletzt die Hitzewelle des Jahres 2013 in Europa gezeigt. Schätzungen zufolge starben damals 70.000 Menschen. Und erst kürzlich forderte eine Hitzewelle im Westen der USA und Kanadas mit Temperaturen von fast 50 Grad Celsius Hunderte Todesopfer.

Millionen Hitzetote bei entschlossenem Klimaschutz vermeidbar

Bressler betont allerdings, dass die zusätzlichen Sterbefälle kein unausweichliches Schicksal sind. Sollten sich die Staaten der Erde schnell auf eine effektive Klimapolitik einigen und die Emissionen sinken, könnten viele Menschenleben gerettet werden. Eine Erwärmung um insgesamt 2,4 Grad Celsius bis 2100 würde "nur" neun Millionen zusätzliche Todesopfer fordern. 74 Millionen blieben verschont.

Die Mortalitätskosten des Kohlenstoffs seien zwar abhängig von Entscheidungen jedes Einzelnen, von Unternehmen und Regierungen, sagt Bressler in einer Presseerklärung. Dennoch warnt der Wissenschaftler davor, den eigenen Anteil an den zukünftigen Todesopfern "zu persönlich" zu nehmen:

"Unsere Emissionen sind zu einem großen Teil abhängig vom Stand der Technologie und der Kultur der Region, in der wir leben", sagt Bressler. Zwar müssten alle ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Doch die effektivere Antwort seien politische Maßnahmen wie die CO2-Bepreisung, der Handel mit Verschmutzungsrechten, Investitionen in CO2-arme Technologien und Stromspeicher.


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