Konfliktscheue ablegen Fünf Übungen für mehr Mut zum Streiten

Wer aussitzt, statt sich auseinanderzusetzen, nährt Konflikte eher, als dass er sie vermeidet. Doch die Scheu lässt sich überwinden. Konfliktforscher Friedrich Glasl empfiehlt folgende Tipps und Übungen
Paar geht sich aus dem Weg

Miteinander reden, auch wenn es unbequem ist: Wer davor zurückweicht, riskiert, dass sich zwischenmenschlicher Frust aufstaut – und sich irgendwann umso heftiger entlädt

Aussitzen, zögern, flüchten: Viele Menschen halten lieber den Mund, als ihre Ansicht zu vertreten. Vor allem in Beziehungen und am Arbeitsplatz kann die Unlust oder das Unvermögen, Konflikte zu führen, fatale Folgen haben. Denn wer Streit scheut, lässt Probleme häufig größer werden, als sie sind. Doch es gibt Tipps und Übungen, die helfen, die eigene Konfliktfähigkeit zu schulen:

I. Schaffen Sie Klarheit! Fragen Sie sich: Was würde Schlimmes geschehen, wenn ich mich mal nicht zurück­halte? Listen Sie Ihre Gedanken auf. Oft sind es nur Annahmen, die Sie dazu bringen, den Mund zu halten.

II. Holen Sie sich Rückmeldung! Üben Sie mit einer Vertrauensperson, die in die Rolle eines Menschen schlüpft, vor dem Sie konfliktscheu auftreten. Sagen Sie alles, was Sie sonst nicht zu sagen wagen. Und fragen Sie Ihr Gegenüber anschließend, wie Sie aufgetreten sind.

III. Lassen Sie den Streitlustigen raus! Stellen Sie zwei Stühle gegenüber. Auf den einen setzen Sie sich, wenn Sie der Streitlustige, auf den anderen, wenn Sie der Konflikt- scheue sind. Wechseln Sie zwischen den Stühlen, auf Rede folgt Gegenrede. Durch das Hin und Her schaffen Sie Distanz zu Ihrer eingeschliffenen Haltung.

IV. Seien Sie Ihre eigene Interessensver- tretung! Viele Menschen können gut für andere einstehen, aber nicht für sich selbst. Fällt es Ihnen schwer, Anwalt Ihrer selbst zu sein, verwenden Sie in einem Rollenspiel einen anderen Namen für sich.

V. Üben Sie sich in der Früherkennung! In Stresssituationen hat jeder Mensch drei grundsätzliche Tendenzen: fight (kämpfen), flight (flüchten), freeze (erstarren). Finden Sie heraus, in welchen Situationen welche Tendenz dominiert und welche körperlichen Signale wie Herzklopfen, Atemnot oder Verkrampfung damit verbunden sind. Je früher Sie merken, wann Sie in den Fluchtmodus schalten, desto leichter können Sie gegensteuern.