Tag gegen Lärm Lärmbelastung - die unterschätzte Gefahr im Alltag

Am heutigen Tag gegen Lärm, dem International Noise Awareness Day, dreht sich alles um die Lautstärke. Aber wie problematisch ist Krach eigentlich für unsere Gesundheit? Und wird es in Deutschland immer lauter? Die wichtigsten Fragen und Antworten
Lärmschutz
In diesem Artikel
Was ist eigentlich Lärm?
Was nervt am meisten?
Macht Lärm krank?
Was passiert auf politischer Ebene?
Wird es in Deutschland lauter?
Wie laut ist es in meiner Straße?
Wie kann jeder Lärm vermeiden?

Was ist eigentlich Lärm?

Was Lärm genau ist, lässt sich in der Maßeinheit Dezibel (dB) nur unzureichend beschreiben. Der Experte Matthias Hintzsche vom Umweltbundesamt (UBA) erklärt: „Lärm ist ganz allgemein unerwünschter Schall. Alle Geräusche, die zu Störungen, Belästigungen oder Schäden führen können, sind also Lärm.“ Wie subjektiv die Wahrnehmung von Geräuschen ist, beschrieb der Schriftsteller Kurt Tucholsky so: „Der eigene Hund macht keinen Lärm, der bellt nur.“

Was nervt am meisten?

Ob Hundegebell, laute Musik oder Gespräche: Glaubt man regelmäßigen repräsentativen Umfragen, ist eine der wichtigsten Lärmquellen in Deutschland der eigene Nachbar. 60 Prozent aller Deutschen fühlen sich demnach von Geräuschen aus der Nachbarwohnung belästigt – obwohl die meist nicht gehörschädigend sind. Schlimmer als die Nachbarn sind für die Deutschen nur Schienenverkehr, Fluglärm und - am schlimmsten - der Straßenverkehr. Autos und LKW stören demnach drei Viertel aller Deutschen in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld.

Macht Lärm krank?

Lärm wirkt sich auf den gesamten Organismus aus. Und das selbst dann, wenn das Gehör nicht direkt geschädigt wird, wie bei einem lauten Knall. So sind selbst bei Menschen, die glauben, sich an permanenten Verkehrslärm gewöhnt zu haben, körperliche Reaktionen feststellbar. Darunter Veränderungen von Blutdruck und Herzfrequenz oder die Ausschüttung von Stresshormonen – und das selbst im Schlaf. Chronische Lärmbelastung kann neben Gehörschäden unter anderem auch zu Herz-Kreislauferkrankungen führen.

Was passiert auf politischer Ebene?

Neben nationalen Strategien zur Lärmminderung gibt es wichtige EU-Regelungen. Mit der Europäischen Umgebungslärmrichtlinie haben sich die EU-Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, regelmäßig die Lärmbelastung ihrer Bürger zu erheben. Anhand der Daten können auf EU-Ebene Entscheidungen über leisere Fahrzeuge und Züge getroffen werden, und Kommunen können im Rahmen von Lärmaktionsplänen zum Beispiel über die Einrichtung einer Tempo-30-Zone entscheiden.

Wird es in Deutschland lauter?

„Durch die Lärmaktionsplanung wurden in den Kommunen zahlreiche Maßnahmen zur Lärmminderung geplant und umgesetzt. Dadurch wird dort lokal weniger Lärm emittiert,“ sagt Matthias Hintzsche vom UBA. „Allerdings gibt es durch einen Anstieg der Verkehrsmenge und der Bevölkerung auch den gegenteiligen Effekt einer allgemeinen Zunahme der lärmbelasteten Bevölkerung.“ Insgesamt, sagt Hintzsche, könne man aber von einer „stabilen Situation“ sprechen.

Wie laut ist es in meiner Straße?

Über die Lärmbelastung in der eigenen Umgebung kann sich jeder selbst informieren – mit der interaktiven Lärmkarte des Umweltbundesamts. Die Karte basiert auf Daten, die im Rahmen der EU-Umgebungslärmrichtlinie regelmäßig erhoben werden.

Wie kann jeder Lärm vermeiden?

Ganz einfach: Im Herbst den Laubsauger oder -puster stehen lassen und öfter mal zur Harke greifen. Und wenn immer möglich, das Auto stehen lassen und mit dem Rad fahren. Auch laute Handygespräche, Musik, Klingel- und Benachrichtigungstöne stören viele, besonders in öffentlichen Verkehrsmitteln. Hier ist Rücksichtnahme gefragt.