Der Traum des Fliegens scheint uns näher denn je: Dank Virtual Reality können wir uns mittlerweile Flügel aufsetzen und durch die Lüfte simulierter Landschaften schwingen. Doch was geschieht dabei in unserem Denkorgan? Und was bedeutet das in einer Welt, die sich immer mehr in virtuelle Realitäten verschiebt?
Forschende der chinesischen Peking-Universität gingen diesen Fragen nun auf den Grund. Eine Woche lang absolvierten 25 Personen im Rahmen einer Studie ein vierteiliges VR-Flugtraining. Dazu trugen die Proband*innen VR-Brillen sowie Sensoren an Armen und Händen. Um die virtuellen Flügel zu steuern, bewegten sie ihre Arme.
Bei Bildern von Flügeln reagierte das Gehirn
Sowohl vor als auch nach der einwöchigen Trainingseinheit scannten die Forschenden die Gehirne der Teilnehmenden. In beiden Fällen zeigten sie ihnen dabei Abbildungen von Flügeln. Einen besonderen Fokus legten sie auf den okzipital-temporalen Kortex, eine Region im Hirn, die Studien zufolge Signale sendet, wenn ein Mensch Körperteile sieht.
Die Ergebnisse zeigten: Nach der Trainingswoche erhöhte sich die Reaktion im okzipital-temporalen Kortex, wenn die Proband*innen Bilder von Flügeln sahen. Die Reaktion ähnelte jetzt den Signalen, die der Kopf sendet, wenn er einen Arm sieht. Auch die Verbindung zu Hirnregionen, die Körperbewegungen verarbeiteten, verstärkte sich.
Das Hirn als anpassungsfähiges Organ
Identisch waren die Signale beim Anblick eines Arms oder eines Flügels zwar nicht. Dennoch schlossen die Forschenden aus den Ergebnissen: Mit VR-Training könnte unser Gehirn in der Lage sein, künstliche Körperteile zunehmend als körpereigen zu akzeptieren – selbst dann, wenn wir wissen, dass das evolutionär keinen Sinn ergibt.
Damit zeigten sie, wie anpassungsfähig unser Gehirn ist, insbesondere dann, wenn man das Potenzial von VR ausschöpft. Dieses Wissen könnte in Zukunft bei Amputationen eine Rolle spielen – und ist auch angesichts einer Zukunft, in der VR eine immer größere Rolle spielen könnte, überaus spannend für die Hirnforschung.