Ukraine-Krieg Können wir mit Big Data Kriege vorhersagen?

Ukraine-Krieg : Können wir mit Big Data Kriege vorhersagen?
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Aus ungeheuren Datenmengen im Internet wollen ­Forschende ablesen, wo bald Konflikte ausbrechen. Ziel ist es herauszufinden, wann ein nächster Weltkrieg droht. Aber lassen sich derartige Katastrophen wirklich vorhersagen?
Von Michael Kneissler und Marlene Göring

Als in den frühen Morgenstunden des 24. Februar 2022 die ersten russischen Panzer auf ukrainisches Gebiet rollten, da fiel Europa aus allen Wolken. Und das, obwohl vorher monatelang Truppen an der Grenze zusammengezogen wurden. Obwohl Präsident Putin schweres Kriegs­gerät verlegen und Militärmanöver abhalten ließ.

Trotzdem traf dieser letzte Schritt, der Angriff auf die Ukraine, den Westen und die Ukraine selbst überraschend. "Wir sind in einer anderen Welt aufgewacht", fasste Deutschlands Außenministerin Annalena Baerbock den Schock in Worte.

Dabei sind gewalttätige Konflikte Realität für Millionen von Menschen. In 22 Ländern herrscht derzeit Krieg, zählt das internationale Armed Conflict Location & Event Data Project (ACLED). Die Formen und Definitionen des Krieges haben sich dabei ausgeweitet: Heute stehen sich nicht unbedingt die Armeen zweier Länder gegenüber, sondern immer häufiger auch nicht-staatliche bewaffnete Gruppen und Fraktionen: Bürgerkriege in Jemen, Äthiopien und Myanmar, von Terrorgruppen angefachte Unruhen im Tschad und Irak, Drogenkrieg in Mexiko und Kolumbien. Exakt 110 369-mal stießen weltweit verfeindete Kräfte zwischen Februar 2021 und Februar 2022 aufeinander.

Ein ukrainischer Soldat in der schwer getroffenen Hafenstadt Mariupol. Während der Westen lange nicht an einen Einmarsch Putins glauben wollte, war die Bedrohung in der Ukraine längst zu spüren
Ein ukrainischer Soldat in der schwer getroffenen Hafenstadt Mariupol. Während der Westen lange nicht an einen Einmarsch Putins glauben wollte, war die Bedrohung in der Ukraine längst zu spüren
© Foto: Mstyslav Chernov/AP/dpa

Wann genau ein Konflikt aufflammt, das wüssten Regierungen, Streitkräfte und Bevölkerungen nur zu gern. In der Vergangenheit verließen sie sich dabei auf Thinktanks und diplomatische Beziehungen – und natürlich die Geheimdienste. Aber mittlerweile übernehmen immer öfter Computer und Algorithmen diese Aufgabe. So wie bei ACLED sammeln Forscher und Forscherinnen auf der ganzen Welt Unmengen digitaler Daten aus dem Internet: beispielsweise Behördenpapiere, Medienberichte und Aktivitäten in den sozialen Netzwerken. Sie ­wollen Kämpfe und Gewalt nicht nur dokumen­tieren – sondern vorher davor warnen können.

Aber lassen sich Kriege zwischen Nationen oder innerstaatliche Konflikte voraussagen?


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