Physik-Nobelpreisträger Verrückte Quantenphysik: Wie Anton Zeilinger sogar Albert Einstein widerlegte

Der Quantenphysiker Anton Zeilinger (hier 2013 bei einer Ausstellung in Wien) wurde am Dienstag mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. "Ich bin immer noch irgendwie geschockt", sagte der 77-Jährige, als er telefonisch zur Preisbekanntgabe in Stockholm zugeschaltet wurde
Der Quantenphysiker Anton Zeilinger (hier 2013 bei einer Ausstellung in Wien) wurde am Dienstag mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. "Ich bin immer noch irgendwie geschockt", sagte der 77-Jährige, als er telefonisch zur Preisbekanntgabe in Stockholm zugeschaltet wurde
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Manche Teilchen sind über astronomische Entfernungen hinweg wie durch ein unsichtbares Band verknüpft. Mit diesem verrückten Effekt der Quantenwelt mochte sich Albert Einstein zeit seines Lebens nicht abfinden. 2015 aber belegten Experimente des österreichischen Quantenphysikers Anton Zeilinger zweifelsfrei, dass sich Quantenteilchen bizarr verhalten und dass Einstein irrte. Für seine Arbeiten zur Quantenverknüpfung wurde Zeilinger gemeinsam mit zwei anderen Wissenschaftlern mit dem diesjährigen Physik-Nobelpreis ausgezeichnet

Oben ist es still geworden im Herzen Wiens: Die prunkvollen Gemächer der Kaiserin Sisi liegen im Dunkeln, die Schlangen vor der Hofreitschule sind verschwunden. Unten, im zweiten Kellergeschoss der Wiener Hofburg, ist Marissa Giustina – schwarze, kurze Locken, athletisch, 25 Jahre alt – in dieser Nacht im September 2015 drauf und dran, Albert Einstein zu widerlegen.

Unspektakulär sieht das Experiment aus, das sie in einem der hohen, labyrinthischen Gänge zehn Meter unter dem Heldenplatz aufgebaut hat: Blauviolett glimmt in einer abgedunkelten Kabine ein Laser, ein Kristall erzeugt Zwillinge von Lichtteilchen, getrennt flitzen sie zu zwei Detektoren an den entgegengesetzten Enden des Ganges. Still ist es, bis auf das Keuchen der Ventile, durch die Kühlmittel in die Detektoren strömt.

In ihrem Inneren geschieht Verrücktes: Wird die Eigenschaft eines der beiden Teilchen – in diesem Fall seine Schwingungsrichtung – gemessen, dann ist augenblicklich klar, welchen Wert die Vermessung des Zwillingspartikels am anderen Ende des Korridors ergibt. Obwohl bei dieser zweiten Messung wie in der Quantenphysik üblich eigentlich der Zufall walten sollte. Es scheint, als wären die beiden Partikel durch ein unsichtbares Band verknüpft.

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