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Kupferzeit 5000 Jahre alt: "Eulenkunst" könnte von Kindern stammen

Eulenplatte aus Schiefer
Waren Eulen aus Schiefer, wie diese hier abgebildete, das Spielzeug von Kindern aus der Kupferzeit?
© Juan J. Negro
Vor 5000 Jahren wurden auf der Iberischen Halbinsel massenhaft Steintafeln mit Eulenbildern gefertigt. Archäologinnen und Archäologen rätseln schon lange über den Sinn der Platten. Nun gibt es eine neue Erklärung

Amulett, religiöses Utensil – oder einfach nur Spielzeug für Kinder in der Bronzezeit? Vor etwa 5000 Jahren wurden im Südwesten der Iberischen Halbinsel massenhaft Eulen auf kleinen Schiefertäfelchen abgebildet. Etwa 4000 solche Handteller-kleinen Platten sind bislang bekannt, gefertigt in der Zeit von vor etwa 5500 bis vor etwa 4750 Jahren.

Auf den Tafeln dargestellt sind die Vögel in frontaler Ansicht mit großen Augen, stilisiertem Schnabel und auch Gefieder, meist ergänzt durch ein bis zwei Perforationen über den Augen.

Schon mindestens seit dem 19. Jahrhundert rätselt die Fachwelt, was es wohl mit diesen Platten auf sich haben mag. Schon früh neigten Expertinnen und Experten zu der Ansicht, die Abbildungen seien zu religiösen oder symbolischen Zwecken hergestellt worden. Möglicherweise sollten sie Götter darstellen, vielleicht aber auch, so eine spätere Annahme, Verstorbene.

Eulen-Tafeln wohl von Kinder hergestellt

Nun stellt ein Team um Juan Negro vom spanischen Consejo Superior de Investigaciones Científicas (CSIC) im Fachblatt "Scientific Reports" eine neue Hypothese vor: Demnach wurden die Tafeln überwiegend für Kinder produziert und dienten – möglicherweise unter anderem - schlicht als Spielzeug, ähnlich wie heutige Puppen. Das Team begründet seine Spekulation mit verschiedenen – allerdings nicht unbedingt zwingenden – Argumenten.

Dazu zählt unter anderem, dass solche Platten oft in Gräbern von Kindern gefunden wurden. Zudem deute die starke Stilisierung der Eulen, die den Betrachter mit großen Augen stets direkt frontal anblicken, auf eine kindliche Wahrnehmung hin. "Die Eulengravuren könnten sogar von Kindern selbst ausgeführt worden sein, denn sie ähneln Eulen, wie sie von heutigen Grundschülern gemalt wurden", schreibt die Gruppe.

Ohnehin seien Gravuren auf Schiefer – das Gestein ist in der Region reichlich vorhanden – sehr leicht. "Die Herstellung der Steine und das Design waren einfach und erforderten weder besondere Fähigkeiten noch intensive Arbeit, wie Experimente mit Repliken belegen", heißt es weiter. Das Team schätzt den Zeitaufwand pro Tafel auf etwa 3,5 Stunden.

Steinkauz und Waldeule dienten als Vorlage

Abgeleitet seien die Darstellungen, so die Gruppe, von zwei in der Region gängigen Eulenarten: Der Steinkauz (Athene noctua) und die Waldohreule (Asio otus) waren demnach die häufigsten Eulenarten und den Menschen wohlbekannt.

Die über den Augen angebrachten Perforationen der Täfelchen seien nicht – wie einst vermutet – zum Durchführen von Schnüren genutzt worden, betonen die Forschenden und verweisen auf fehlende Spuren von Abnutzung. Stattdessen habe man an diesen Löchern wohl echte Eulenfedern befestigt, damit die Objekte realitätsgetreuer erschienen. Manche Steine seien bemalt und möglicherweise auch mit Textilien versehen gewesen  eine weitere Parallele zu heutigen Puppen.

Ausschließen wollen die Forschenden eine rituelle Nutzung der Steine gleichwohl nicht. Die Grenze zwischen Spiel und Ritual, so schreiben sie, sei in damaligen Gesellschaften fließend gewesen. Rätselhaft bleibe jedoch, warum die Produktion der Eulen-Täfelchen vor knapp 5000 Jahren relativ abrupt endete.

Walter Willems, dpa

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